Verfassungslehre als Kulturwissenschaft.
By (author) Peter Häberle
Hardback (Published)
(July 1998)
ISBN: 9783428092024
6.18 x 9.17 inches
Price: $261.00
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Bereits die Erstauflage der »Verfassungslehre als Kulturwissenschaft« aus dem Jahre 1982 war von einem in doppelter Hinsicht programmatischen Anspruch bestimmt: Methodisch wurde der interdisziplinäre Dialog mit den Kulturwissenschaften gesucht und damit Hand in Hand gehend ein in räumlicher wie zeitlicher Hinsicht rechtsvergleichender Ansatz gewählt. Inhaltliches Ziel war es, die »Sache der Kultur« über das Kulturverfassungsrecht im engeren Sinne hinaus zu einem umfassenderen und tieferen Gegenstand einer Verfassungslehre zu machen, die weit über die Grenzen der Verfassungskultur des Grundgesetzes hinaus allgemeingültige Strukturen des »Typus« Verfassungsstaat zu erschließen vermag.
In 15 Jahre währender wissenschaftlicher Arbeit hat der Verfasser seither die zentralen Problemfelder einer kulturwissenschaftlich orientierten Verfassungslehre abgesteckt (vgl. die nachfolgende Inhaltsübersicht). Ermutigt wurde er dabei durch das positive Echo, das sein Ansatz bei ausländischen Gastprofessuren in Rom (1990 – 1997) sowie Turin (1993) und Granada (1995) erfuhr. Der kooperative Verfassungsstaat wird in entwicklungsgeschichtlicher Perspektive erschlossen, das »Möglichkeitsdenken« eröffnet die notwendigen Wege zur Verfassungspolitik. Neben den klassischen Themen von Menschenwürde und Demokratie stellt sich das Werk den neuen Herausforderungen der deutschen und europäischen Einigung, der damit verbundenen Föderalismus- und Regionalismusdiskussion, schließlich den Fragen einer fortschreitenden Internationalisierung sowie Globalisierung und wagt so – das Völkerrecht integrierend – den Schritt zu einer Verfassungslehre in »weltbürgerlicher Absicht«. Die Rechts- bzw. Verfassungsvergleichung als »fünfte« Auslegungsmethode und das Textstufenparadigma sind hier unabdingbare Voraussetzungen, den »Typus« Verfassungsstaat rechts- wie kulturwissenschaftlich zu erschließen. Dazu gehört aber auch, daß die schöne Literatur und die anderen Künste wie die Musik mit einbezogen werden.
Den »Rahmen« für die Darstellung bilden die Präambeln, Übergangs- und Schlußbestimmungen. Das gesamte Werk stützt sich auf fast weltweiten, Kleinstaaten und Entwicklungsländer einbeziehenden Vergleich von Verfassungstexten als »Primärliteratur«, da in ihnen auch Wirklichkeit, Judikatur und Wissenschaft gespeichert ist und sich nur aus dieser ineinandergreifenden Vielfalt das »Weltbild des Verfassungsstaates« als Quintessenz erkennen läßt.
Peter Häberle, einer der »ersten Verfassungsrechtler der Welt« (EL PAÍS), promovierte 1961 nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Tübingen, Bonn, Montpellier und Freiburg über den »Wesensgehalt« der Grundrechte (3. Aufl. 1983). 1969 folgte die Habilitation über das »öffentliche Interesse« bei K. Hesse (2. Aufl. 2006). Beide Schriften zählen heute zu weltweit rezipierten Standardwerken. Peter Häberle wurde als Ordinarius nach Marburg, Augsburg und Bayreuth berufen. Er entfaltet seit 1982 seinen verfassungsvergleichend-kulturwissenschaftlichen Ansatz und lehrte fast 20 Jahre als ständiger Gastprofessor für Rechtsphilosophie in St. Gallen. Sein Werk: 38 Bücher, mehr als 350 Aufsätze, Übersetzungen in 18 Sprachen. Häberle ist Ehrendoktor der Universitäten Tessaloniki, Granada, Lima, Brasilia, Lissabon, Tiflis und Buenos Aires sowie Großoffizier Italiens, Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler Akademien (zuletzt Argentinien). 1998 mit dem Max-Planck-Forschungspreis ausgezeichnet, erhielt er später die Ehrenmedaillen der Verfassungsgerichte in Rom und Lima, im Jahre 2004 dann eine spanische und eine deutsche Festschrift. Verleihung der höchsten Klasse des Cruzeiro do Sul Brasiliens (2011) und Internationaler Héctor Fix-Zamudo Preis der Universität Mexico City für herausragende rechtswissenschaftliche Leistungen sowie die Ehrenmedaille der Universität Lissabon (2014).
- By (author) Peter Häberle
Review - German Haberles sehr anregendes, schopferisches Werk, dessen Gedankenreichtum hier nur angedeutet werden kann, wurde bereits ins Italienische und Spanische ubersetzt und liegt nun in der zweiten Auflage vor. Es umfasst mehr als 1000 Seiten, atmet aber keineswegs den Geist der Monotonie, von dem wissenschaftliche Monographien eines solchen Umfanges haufig befallen sind. Vielmehr stromt das Buch, dessen dreizehn Teile in sich geschlossen sind und je selbstandig gelesen werden konnen, den Geist grosser Lebendigkeit und Intuition aus. [...] Besonders wichtig: Haberle hat mit seinem kulturwissenschaftlichen Approach die leider weitgehend in der Vergangenheit versunkene Staatslehre und Verfassungslehre wieder aktualisiert; sein ganzheitlicher, vielfaltige Brucken zu anderen Disziplinen schlagender Approach muss gepflegt und gefordert werden, soll der moderne Wissenschaftsbetrieb nicht in Vereinzelung erstarren und in seiner stets auch die Reduktion und das Elementare suchenden Dialogfahigkeit zusammenbrechen. Daniel Thurer, in: Neue Zurcher Zeitung, 302/1999
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»Häberles sehr anregendes, schöpferisches Werk, dessen Gedankenreichtum hier nur angedeutet werden kann, wurde bereits ins Italienische und Spanische übersetzt und liegt nun in der zweiten Auflage vor. Es umfaßt mehr als 1000 Seiten, atmet aber keineswegs den Geist der Monotonie, von dem wissenschaftliche Monographien eines solchen Umfanges häufig befallen sind. Vielmehr strömt das Buch, dessen dreizehn Teile in sich geschlossen sind und je selbständig gelesen werden können, den Geist großer Lebendigkeit und Intuition aus. [...] Besonders wichtig: Häberle hat mit seinem ›kulturwissenschaftlichen‹ Approach die leider weitgehend in der Vergangenheit versunkene Staatslehre und Verfassungslehre wieder aktualisiert; sein ganzheitlicher, vielfältige Brücken zu anderen Disziplinen schlagender Approach muß gepflegt und gefördert werden, soll der moderne Wissenschafts›betrieb‹ nicht in Vereinzelung erstarren und in seiner stets auch die Reduktion und das Elementare suchenden Dialogfähigkeit zusammenbrechen.«
Daniel Thürer, in: Neue Zürcher Zeitung, 302/1999
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