Konrad von Heimesfurt
Untersuchungen zu Quellen, Uberlieferung und Wirkung seiner beiden Werke Unser vrouwen hinvart und Urstende
by Werner Hoffmann
Die beiden zu Beginn des 13. Jahrhunderts entstandenen und von der hofischen Dichtung der Zeit (v.a. den Epen Hartmanns von Aue) beeinflussten Verserzahlungen Konrads von Heimesfurt sind Bearbeitungen von neutestamentlichen Apokryphen. Die ‘Hinvart’ (1209 Verse), die von dem Tod und der Himmelfahrt Marias erzahlt, basiert auf dem ‘Transitus Mariae’ des Ps.-Melito; die ‘Urstende’ (2162 Verse), die von Christi Passion, Auferstehung und Abstieg zur Holle handelt, hauptsachlich auf dem ‘Evangelium Nicodemi’. In den beiden ersten Kapiteln der vorliegenden Arbeit (Kap. 2 und 3) geht es zunachst um die Ermittlung der genauen Fassungen der apokryphen lat. Texte, die der Dichter fur seine mittelhochdeutsche Verserzahlungen benutzte. Die Bestimmung der lat. Vorlagen bildet die Voraussetzung fur den den zweiten Schritt der Quellenuntersuchungen, bei dem die mhd. Texte Abschnitt fur Abschnitt mit den ihnen zugrundeliegenden Vorlagen verglichen werden; dabei werden nicht nur alle inhaltlichen Abweichungen beschrieben und gedeutet, sondern auch Motivparallelen und zusatzliche Quellen fur Stellen nachgewiesen, die nicht aus den jeweiligen Hauptquellen stammen, so dass der Quellenvergleich zugleich auch einen Vollstandigkeit anstrebenden Sachkommentar darstellt. Der Vergleich mit den Vorlagen ergibt, dass Konrad in beiden Werken seine Quellen durchgehend sehr frei und souveran bearbeitet hat. Die beiden Uberlieferungsteile (Kap. 4.1 und 5.1) enthalten Beschreibungen samtlicher Handschriften der beiden Werke Konrads und Untersuchungen zu den Abhangigkeitsverhaltnissen der Textzeugen. Die in 10 Hss. (darunter ein Fragment, das einst Bestandteil des beruhmten Sangallensis 857 war) uberlieferte ‘Hinvart’ fand uberwiegend im bairisch-osterreichischen Sprachraum Verbreitung und wurde wohl vor allem von einem adligen Laienpublikum rezipiert. Die ‘Urstende’ ist nur in einer vollstandigen Hs. und einem Fragment uberliefert; erhalten sind ausserdem noch Exzerpte innerhalb der ‘Weltchronik’ Heinrichs von Munchen. Der Weltchronik-Uberlieferung ist ein langerer Exkurs gewidmet, der den Nachweis erbringt, dass die ‘Urstende’-Exzerpte bei Heinrich von Munchen aus einem alteren, bereits um 1300 entstandenen Kompilationswerk stammen. Bei der Untersuchung der Wirkungsgeschichte (Kap. 4.2 und 5.2) zeigte sich, dass vor allem die ‘Urstende’ eine beachtliche literarische Resonanz fand; immerhin vier spatere Autoren ubernahmen aus ihr langere Passagen und verwendeten sie sogar als regelrechte Stoffquelle.
- By (author) Werner Hoffmann
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