Die Überlieferung der »Christherre-Chronik«

By (author) Ralf Plate

Book cover: Die Überlieferung der »Christherre-Chronik«

Extent: 380 pages

Publisher: Dr. Ludwig Reichert Verlag

Subjects: Literary Studies, Medieval Studies

Series: Wissensliteratur im Mittelalter

Language: German

Hardback (Published)

(November 2005)

ISBN: 9783895000300

6.69 x 9.45 inches

Price: $89.00

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The hitherto unedited ‚Christherre-Chronik‛ by an anonymous author from the middle of the thirteenth century is a key text in the Middle High German tradition of world chronicles in verse. The present study is conceived on the one hand as the precursor to an edition and on the other hand it puts the scholarly discussion about the history of the genre on a new footing. For the first time since the early nineteenth century, the entire manuscript tradition of the work as known today in almost 100 manuscripts and fragments is assembled and analysed from the point of view of the text’s genealogy and the typology of the manuscript tradition. An extensive section is devoted to illustrations of the manuscripts described in the text.


Die mittelhochdeutsche Vers-Weltchronistik hat in der jungeren literaturgeschichtlichen Forschung starke Beachtung gefunden. Dabei wurde die Rolle der Vers-Weltchronik als Leitform der Grossepik herausgestellt, in der sie im Spatmittelalter den hofischen Roman ablost, und es wurde auf die lebendige Tradition der Gattung im 14. und 15. Jahrhundert hingewiesen, wie sie sich insbesondere in den Kompilationswerken z.B. des ‘Heinrich von Munchen’-Komplexes zeigt, die in zahlreichen illustrierten Prachthandschriften erhalten sind. Das genauere Verstandnis der Gattung und ihrer uber zweihundertjahrigen Geschichte war allerdings dadurch behindert, dass einer ihrer Schlusseltexte bislang nicht ediert ist und seine Uberlieferung unaufgearbeitet war. Das von einem anonymen Autor um die Mitte des 13. Jahrhunderts hinterlassene Werk, das nach seinem Textanfang (Crist herre uber alle craft) ‘Christherre-Chronik’ genannt wird, unternimmt es, die Weltgeschichte von der Schopfung bis zur Gegenwart des Verfassers zu erzahlen, bricht aber nach uber 24.000 Versen in der biblischen Geschichte des Alten Testaments ab. Dem Grosstorso, de facto eine alttestamentliche Reimbibel, war ein unmittelbarer und langanhaltender Erfolg beschieden. In der vorliegenden Arbeit wird erstmals seit dem fruhen 19. Jahrhundert die erhaltene Uberlieferung der ‘Christherre-Chronik’ in beinahe 100 Handschriften und Handschriftenresten des 13. bis 15. Jahrhunderts vollstandig zusammengestellt und beschrieben. Die Arbeit ist zum einen als editionsvorbereitende Monographie angelegt, zum anderen als uberlieferungsgeschichtliche Studie, die der Forschungsdiskussion uber die Geschichte der Gattung neue Perspektiven eroffnen will. Der kritische Forschungsuberblick der Einleitung stellt hinsichtlich der literaturgeschichtlichen Diskussion insbesondere die bislang angenommene beherrschende Rolle der Kompilationen in Frage, rechtfertigt den uberlieferungsgeschichtlichen Ansatz beim Einzelwerk und begrundet die Anlage der Darstellung in zwei Teilen, die in vielfaltiger Weise aufeinander bezogen sind: Der erste Teil gilt der Gesamtuberlieferung, die zunachst in einem konzisen Gesamtverzeichnis erfasst (Kapitel A) und anschliessend in textgenealogischer (Kapitel B) und in uberlieferungstypologischer (Kapitel C) Perspektive analysiert wird. Der zweite Teil hat den Haupttyp der unvermischten Uberlieferung in acht erhaltenen Kodizes (Kapitel A) und 31 durch Fragmente bezeugten Handschriften (Kapitel B) zum Gegenstand, die ausfuhrlich beschrieben werden. Als Ergebnis dieser Beschreibungen werden in Kapitel C Grundlinien und Hauptaspekte der Geschichte der unvermischten Uberlieferung der ‘Christherre-Chronik’ herausgearbeitet. Ein Tafelteil mit Abbildungen aus den im zweiten Teil beschriebenen Handschriften und Fragmenten beschliesst das Buch.

  • By (author) Ralf Plate

„Die in der Tradition der „Weltchronik“ Rudolfs von Ems verfaßte „Christherre-Chronik“ gehört mit knapp 100 Textzeugen zu den erfolgreichsten volkssprachigen Reimchroniken des späteren Mittelalters. In der Forschung blieb das Echo entgegen der mittelalterlichen Popularität allerdings gering. (...)<br/>Plates Darstellung und Analyse der Überlieferung der „Christherre-Chronik“ läßt kaum Wünsche offen. In knappen Strichen werden zunächst die Konturen der mhd. Vers-Weltchrinistik, die Entstehungshintergründe der „Christherre-Chronik“ und die Grundzüge ihrer Überlieferungsgeschichte nachgezeichnet. (...)<br/>Mit der besprochenen Arbeit liegt ein weiterer zentraler Baustein zur Erfassung der bis in die jüngste Vergangenheit fast vollständig aus der germanistischen und der historischen Mediävistik ausgeblendeten Gattung „Vers-Weltchronik“ vor.“<br/><br/>In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur. 136 (2007) Heft 4. S. 526-528.<br/><br/>-----------------------------------------<br/><br/>„Den respektgebietenden Arbeitsaufwand, den die Analyse dieses weit verbreiteten, umfangreichen und schwierig überlieferten Textes bereitet hat, darf man hier keinesfalls unerwähnt lassen. Plates ausdauernde Mühen um die CC haben sich jedenfalls ausgezahlt. Seine Grundlagenforschung liefert neben einer neuen Sicht auf den Gesamtbefund und vielen detaillierten Beobachtungen zu Einzelproblemen eine große Zahl weiterführender und über den Gegenstand weit hinausweisender Erkenntnisse. Das Ganze ist stilsicher, zum Teil exzellent formuliert und in einer unaufgeregten Diktion vorgetragen, die das Lesen trotz einer gewissen unvermeidbaren Trockenheit der Materie zur dankbaren Aufgabe macht.<br/>Plates Werk dürfte der Forschung zu den gereimten deutschen Weltchroniken des Mittelalters nachhaltige Denkanstöße geben, einige ihrer alten Thesen gründlich revidieren und der zukünftigen Arbeit an verwandten Texten in vielerlei Hinsicht methodische und perspektivische Fingerzeige geben. Darüber hinaus kann jeder überlieferungsgeschichtlich und editorisch Interessierte aus diesem Buch lernen. Nun muss – aber das liegt nicht mehr in Plates Hand – dringend die Ausgabe vorgelegt werden. Danach dürften in Bezug auf die CC keine philologischen Wünsche mehr offen bleiben.“<br/><br/>In: IASLonline [17.04.2007]<br/><a target="_blank" href="http://www.iaslonline.de/index.php?vorgang_id=1515">http://www.iaslonline.de/index.php?vorgang_id=1515</a><br/><br/>-----------------------------------------<br/><br/>„Mit seinen Untersuchungen hat Ralf Plate die umfangreiche handschriftliche Überlieferung eines zentralen Textes des 13. Jahrhunderts geordnet und methodisch kontrolliert aufgearbeitet; damit hat er viel Erhellendes und Weiterführendes zur verwickelten Textgeschichte der deutschen Weltchroniken beigetragen. Eine ähnlich systematische Aufarbeitung würde man sich auch für die Überlieferung der Weltchroniken Rudolfs von Ems und Jans Enikels, namentlich für deren Fragmentüberlieferung wünschen.<br/>Ralf Plate hat sich der materiellen Erscheinungsformen der deutschen Literatur des Mittelalters, und seien diese noch so bruchstückhaft auf uns gekommen, mit großer philologischer – das Wort im eigentlichen Sinne verstanden – Akribie angenommen. Diese Akribie ist Ausdruck einer hohen Wertschätzung der Handschriften als Zeugen der Vergangenheit weit über das fachwissenschaftliche Interesse hinaus. In Zeiten, in denen Regierungen daran denken, mittelalterliche Handschriften, nationales Kulturgut also, zu veräußern, um den maroden Haushalt zu sanieren, kann man das gar nicht genug loben.“<br/><br/>In: Perspicuitas. [23.11.2006]<br/><a target="_blank" href="http://www.uni-due.de/imperia/md/content/perspicuitas/rezklein.pdf">http://www.uni-due.de/imperia/md/content/perspicuitas/rezklein.pdf</a><br/><br/>-----------------------------------------<br/><br/>„Der überraschende Befund ist, daß mehrere Annahmen der bisherigen Forschung zur „Chroni“k nur auf Kompilationshss. basieren und auf den ursprünglichen „Christherre“-Dichter nicht zutreffen. So zum Beispiel war die für Heinrich von München so wichtige „aetates“-Lehre kein wesentliches Gliederungsprinzip für die „Christherre-Chronik,“ die vielmehr nach Bibelbüchern geordnet ist. Im Gegensatz zu Rudolf von Eins und Jans dem Enikel hat der „Christherre“-Dichter auch keine Bilder vorgesehen: illustrierte „Christherre“-Hss. sind ausnahmslos Kompilationen. Außerdem stellt sich heraus, daß die Überlieferung in unvermischten Hss. viel länger anhielt als bisher angenommen – mitunter bis in das 15. Jh. –, und daß die berühmte Verbindung mit einem fortsetzenden Text aus Rudolfs „Weltchronik“ erst spät – Ende des 14. Jh. – einsetzte. Diese Einsichten sind enorm wichtig für unser Verständnis von der Entwicklung der volkssprachigen Weltchronistik. Plates vorsichtige und detaillierte Arbeit schließt eine der empfindlichsten Lücken der dt. „Chronik“-Forschung.<br/><br/>In: Germanistik. 47 (2006) Heft 1-2. S. 227-228.
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