Eigentum und Zeitablauf – das dominium sine re im Grundstücksrecht.
Zugleich ein Beitrag zur Enstehungsgeschichte des BGB.
By (author) Thomas Finkenauer
Paperback (Published)
(October 2000)
ISBN: 9783428101382
6.18 x 9.17 inches
Price: $114.00
Out of stock
Das Grundbuch gewährleistet, daß die in ihm verzeichneten Rechte mit der Zeit nicht ungewiß werden. § 902 knüpft daher an die Eintragung des Berechtigten die Folge, daß seine Ansprüche nicht verjähren. Ist der Eigentümer jedoch nicht eingetragen, verjährt sein Herausgabeanspruch nach 30 Jahren. Hiernach kann er zudem den Berichtigungsanspruch entgegen § 898 nicht mehr geltend machen, was sich aus der Entstehungsgeschichte der Norm ergibt. Nach 30 Jahren wird das Eigentumsrecht also dauerhaft von den Rechtsverwirklichungsansprüchen getrennt, es kommt zu einem “dominium sine re”: Der Besitzer ist gegen Herausgabeansprüche auch der Rechtsnachfolger des Eigentümers geschützt, darf die Nutzungen behalten und ist schadensersatzberechtigt. Ihm fehlt allein die formale Stellung als Eigentümer.
Der Gesetzgeber suchte, eine solche rechtlich wie wirtschaftlich sinnlose Erscheinung mittels der Tabularersitzung gemäß § 900 zu verhindern, was jedoch nicht umfassend gelang. Zudem versagt das in § 927 vorgesehene Aufgebotsverfahren gerade in seinem Hauptanwendungsfall, in welchem dem Käufer das Grundstück zwar übergeben, aber nicht übereignet wurde. Denn auch nach Verjährung des Verschaffungsanspruchs besteht sein Besitzrecht fort, so daß weder er Eigentum noch der Eigentümer Besitz erlangen kann. Dennoch soll der Eigentümer sein “Eigentumsrecht” anmelden und so den Eigentumserwerb des Besitzers hindern können. Um die vom Gesetz nicht geregelten Fälle eines “dominium sine re” zu lösen, wird von einem Aneignungsrecht des Besitzers ausgegangen, das dieser mit der Entstehung einer solchen Erscheinung erhält. Von da an ist er umfassend, auch gegenüber dem Eigentümer, geschützt. Er kann analog § 927 dessen Ausschluß betreiben, ohne Rücksicht darauf, ob jener noch eingetragen ist oder sein “Recht” anmeldet.
Eine Verwirkung von Herausgabe- und Berichtigungsanspruch ist abzulehnen. Sie hat das sinnlose “dominium sine re” erst zur Folge, das der Gesetzgeber mit guten Gründen vermeiden wollte. Die von der Rechtsprechung entschiedenen Fälle sind auf andere, gesetzeskonforme Art zu lösen.
- By (author) Thomas Finkenauer
»Insgesamt bietet der Verfasser in seiner gut lesbaren Studie an Hand einer interessanten Einzelfrage ein ansprechendes Beispiel moderner Privatrechtsdogmengeschichte. Sie vereint Geschichte mit Dogmatik in gelungener Weise. Dass auf sie nur mit nicht zu vertretender Verspätung aufmerksam gemacht werden kann, ist sehr bedauerlich.«
Gerhard Köbler, in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung, 122/2005
—
Other Titles in this Series
Rechtsdogmatik und Wirtschaft.
Das richterliche Moderationsrecht beim sittenwidrigen Rechtsgeschäft im Rechtsvergleich - Bundesrepublik Deutschland - Schweiz - Österreich - Frankreich.
Volume 102
Fehlerhafter Gesellschafter und fehlerhaftes Organ.
Zugleich eine Besprechung des Urteils BGHZ 196, 195.
Volume 445
Die Beweisermittlung im gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht.
Die Behandlung des strukturellen Informationsdefizits des Rechtsinhabers im Falle einer vermuteten Schutzrechtsverletzung: Von der Entscheidung "Druckbalken" bis zur Umsetzung der "Enforcement"-Richtlinie.
Volume 411
Der gesetzliche Forderungsübergang.
Wirkweise und Funktion für den Regress bei drittseitiger Schuldsicherung.
Volume 337
Die Zulässigkeit der mehrfachen Beteiligung an einer Personengesellschaft.
Ein Beitrag zur Bedeutung des Personengesellschaftsanteils als Vermögensgegenstand.
Volume 267
Kausalität und deliktische Haftungsbegründung, zugleich ein Beitrag zum Kausalitätsproblem bei Waldschadensfällen.
Volume 170
Eigentum und Bildverwertung
Zugleich eine schutzzweckorientierte Rekonstruktion der gesetzlichen Schuldverhältnisse
Volume 578
Der rechtsgeschäftliche Schutz vor sich selbst.
Eine zivilrechtliche Betrachtung des Selbstpaternalismus.
Volume 511
Die Bedeutung der gesellschaftsrechtlichen Treuepflicht im Insolvenzplanverfahren.
Retrospektive auf die Suhrkamp-Insolvenz.
Volume 469
Das Vermächtnis in der Kautelarjurisprudenz, dargestellt am aufschiebend bedingten oder befristeten Vermächtnis.
Volume 78
Die Entwicklung der Rechtsprechung zum Vertrag mit Schutzwirkung zugunsten Dritter in ihrer Bedeutung für den Ausgleich von Drittschäden im Zahlungsverkehr.
Volume 146
Die Bemessung des Inkommensurablen.
Wege zur Bestimmung des Ersatzes immaterieller Schäden am Beispiel des Schmerzensgelds.
Volume 422
Zivilrechtlicher Schutz gegen Nachstellen.
Eine Untersuchung der zivilrechtlichen Auswirkungen des § 238 Abs. 1 StGB unter besonderer Berücksichtigung journalistischer Recherchen.
Volume 393
Verkehrsinteresse und Verfassungsrecht.
Zur Bedeutung von Allgemeinwohlinteressen bei der verfassungsrechtlichen Rechtfertigung privatrechtlicher Regelungen am Beispiel der Rechtsscheinlehre.
Volume 316
Die harte Patronatserklärung.
Zugleich ein Plädoyer für eine geänderte Anlassrechtsprechung.
Volume 347
Schadensersatz für Kindesunterhalt.
Zur familien- und schadensrechtlichen Verantwortlichkeit der Mutter in Ehe und nichtehelicher Lebensgemeinschaft.
Volume 215
Similar Books
Legal Pluralism and the Tajik Experience of Xinjiang
Between Custom and the Chinese State: An Ethnographic Perspective
Liturgia semper reformanda
Adaptations and accommodations in the liturgy in light of canon 838 of the Code of Canon Law
Credit Default Swap-Aktivismus
Eine ökonomische Analyse und rechtliche Bewertung der Einflussnahme von Credit Default Swap-Investoren auf Unternehmen
Die Konjunkturkomponente des Grundgesetzes
Die konjunkturbedingte Kreditaufnahme im System der Kreditermächtigungen, europarechtlichen und gesamtwirtschaftlichen Verpflichtungen der Finanzverfassung
Indirekte Enteignung
Verfassungsunmittelbar gebotene Entschädigungspflicht im Spiegel des Mehrebenensystems
Kollektivismus und Individualismus im Aktienrecht
Zum Einfluss aktienrechtlicher Paradigmen auf die Rechtsentwicklung in Deutschland und den USA
Künstlervertragsmodelle in der Musikwirtschaft
Rechtliche Grenzen der künstlerbezogenen Nebenrechteverwertung im Erlös-, Vermittlungs-, Options- und Leistungsmodell
Mehrdimensionale Diskriminierungen
Rechtliche Erfassung von Intersektionalität und Benachteiligungsstrukturen am Beispiel von Art. 3 Abs. 3 GG
Rechtssubjektivität für Künstliche Intelligenz
Eine Untersuchung von Zuerkennungsgründen für die "ePerson"
Schadensrecht im Wandel
A Turning Point for Punitive Damages? / Zeitenwende beim Strafschadensersatz? Volume II
Strukturierter Parteivortrag im digital geführten Zivilprozess
Richterliche Verfahrensleitung und Sanktionierung parteiseitigen Fehlverhaltens
Zeugnisverweigerungsrechte in modernen Familienformen
Zur Notwendigkeit einer Erweiterung der Zeugnisverweigerungsrechte für Angehörige gemäß § 52 Abs. 1 StPO im Licht des Art. 6 Abs. 1 GG
Circumvention of Law in Polish Private Law
A Comparative Analysis from Polish, German and European Perspectives
How to Ensure Predictability in Legal Pluralism
Merchants and their Interaction in Late Medieval Europe
International Criminal Law – a promising pathway to promoting global environmental protection?
Volume 60
Of People, Land and Bonds
Contributions to Lordship and Administration in North-East Scotland in the Later Middle Ages
