Justiz und Algorithmen.

Über die Schwächen menschlicher Entscheidungsfindung und die Möglichkeiten neuer Technologien in der Rechtsprechung.

By (author) David Nink

Book cover: Justiz und Algorithmen.

Extent: 533 pages

Publisher: Duncker & Humblot

Subjects: German Studies, Law, Technical Sciences: Computer Science, Engineering, IT, & Math

Series: Internetrecht und Digitale Gesellschaft

Series volume number: 25

Language: German

Paperback (Published)

(January 2021)

ISBN: 9783428181063

6.18 x 9.17 inches

Price: $177.00

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Die richterliche Rechtsfindung ist nicht fehlerfrei. Was unspektakulär klingt, belegen neue empirische Daten eindrucksvoll. Die zentrale Frage der Untersuchung lautet: Können Algorithmen und »Künstliche Intelligenz« dazu beitragen, dass gerichtliche Entscheidungen »rationaler« werden? Überlegungen zur Automatisierung im Recht sind zwar nicht neu, sie sind aber aufgrund neuer technischer Möglichkeiten und einem besseren Verständnis der menschlichen Entscheidungsfindung neu zu denken.


Richterliche Rechtsfindung ist fehleranfallig. Was unspektakular klingt, belegen neuere empirische Daten eindrucksvoll. Durch Rationalitatsschwachen kann es zu Verzerrungen und jedenfalls dazu kommen, dass sachfremde Aspekte einflieaen. Konnen Algorithmen und Kunstliche Intelligenz dazu beitragen, dass gerichtliche Entscheidungen rationaler werden? Uberlegungen zur Automatisierung im Recht sind nicht neu, mussen aber aufgrund neuer technischer Moglichkeiten und Erkenntnisse zur Entscheidungsfindung neu gedacht werden. Eine vollstandige Automatisierung scheidet allerdings aus. Einzelfallgerechtigkeit zu gewahrleisten, ist in vollautomatisierten Verfahren nicht moglich. Neben technischen sind es zuvorderst verfassungsrechtliche Hurden, die einem solchen Vorhaben Grenzen setzten. Ein Verbot algorithmenbasierter Unterstutzungssysteme ist dem Grundgesetz indes nicht zu entnehmen. Sofern es gelingt, den Systemen rechtsstaatliche Funktionsweisen einzuhauchen, konnen neue Technologien die richterliche Rechtsfindung sinnvoll unterstutzen.

Einleitung
Einführung – Ziel der Arbeit – Gang der Darstellung
1. Status quo richterlicher Entscheidungsfindung Problemaufriss
Menschliche Entscheidungen und die Fehleranfälligkeit juristischer Entscheidungsträger – Rechtsprechung und Diskriminierungspotenzial – Vorgaben an die richterliche Rechtsfindung – Strategien gegen Rationalitätsschwächen?
2. Neue Technologien in der richterlichen Entscheidungsfindung
Zu den Grenzen eines »Smart Judging«: Einführung – Zu den Diskriminierungsrisiken durch algorithmenbasierte Systeme – Technische Hürden einer automatisierten Rechtsfindung – Unionsrechtliche Vorgaben zur Automatisierung gerichtlicher Entscheidungen (Überblick) – Verfassungsrechtliche Direktiven
3. Algorithmenbasierte Entscheidungsunterstützung in der Strafrechtspflege – Möglichkeiten und Ausblick
Einführung – Zu den Einsatzmöglichkeiten von Entscheidungsunterstützungssystemen (Überblick) – Entscheidungsunterstützende Systeme im Strafverfahren nach US-amerikanischem Vorbild? – Synthese: Ausgestaltung entscheidungsunterstützender Systeme im Strafverfahren (Überblick) – Weitere Vorschläge zur Entscheidungsunterstützung – Anwendungsszenarien (Ausblick)
Gesamtfazit
Schluss und Ausblick – »Entscheidungs-Automatisierungs-Dilemma« – Zusammenfassung der Ergebnisse
Literaturverzeichnis und Sachregister

  • By (author) David Nink

»Insgesamt handelt es sich bei der Arbeit von Nink um ein facettenreiches, theoretisch anspruchsvolles und zugleich praxisnahes und beispielreiches Werk, das gemeinsam mit dem hier bereits besprochenen [...] Buch von Rollberg (Algorithmen in der Justiz, 2020) vermutlich den Auftakt zu verstärkten Forschungsaktivitäten in diesem Bereich bilden wird.« PD Dr. Martin Fries, in: Zeitschrift für Zivilprozess, Bd. 136, 4/2023

»Wer sich mit der Zukunft der Justiz befassen möchte, sie gar als Entscheider digital mitgestalten möchte, findet in ›Justiz und Algorithmen‹ eine höchst lohnenswerte Lektüre.« Dr. Stefan Kaufmann, in: Thüringer Verwaltungsblätter, 12/2022

»Das Wichtigste vorab: Jeder Richter sollte diese Dissertation gelesen haben. Oder sich jedenfalls mit den Einsatzmöglichkeiten von Algorithmen in der Justiz und deren Auswirkungen auf die Rechtsfindung beschäftigt haben. Näher am Puls der Zeit als Nink, der als Rechtsanwalt in Frankfurt arbeitet, kann man mit einer Dissertation kaum sein (…).« Dr. Simon J. Heetkamp, in: rista, 3/2021

»Ninks Buch ist damit in zweierlei Hinsicht interessant und lesenswert: Einmal, weil es einen umfassenden Überblick über den Stand der Debatte zu den rechtlichen Leitplanken zum Einsatz von Algorithmen in der Justiz liefert. Zum anderen - und das macht die bemerkenswerte Besonderheit aus - weil die Arbeit für den offenen Umgang mit Fehlern in der menschlichen Entscheidungsfindung und für interdisziplinäre Forschung auf diesem Gebiet wirbt. Zugleich unterbreitet sie konkrete konstruktive Lösungsvorschläge. Warum nicht das Beste aus beiden Welten vereinen? Algorithmenbasierte Systeme, die menschliche Fehler in Entscheidungen auffangen, und menschliche Richter*innen, die typische Risiken der Algorithmen ausgleichen.« Sina Dörr, in: MultiMedia und Recht, 7/2021