Der “Zweckverband funktioneller Integration” nach Hans Peter Ipsen.

Ein Beitrag zur Begriffsgeschichte und zur Finalitätsdebatte in der Europawissenschaft.

By (author) Wolfgang Kahl By (author) Paul Hüther

Book cover: Der “Zweckverband funktioneller Integration” nach Hans Peter Ipsen.

Extent: 167 pages

Publisher: Duncker & Humblot

Subjects: Law, Social Sciences 

Series: Wissenschaftliche Abhandlungen und Reden zur Philosophie, Politik und Geistesgeschichte

Series volume number: 109

Language: German

Paperback (Published)

(February 2023)

ISBN: 9783428188017

5.31 x 8.27 inches

Price: $63.00

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Die Frage nach dem Ziel der Integration begleitet
den europäischen Einigungsprozess seit seinem Beginn. Einen besonders in Deutschland
wirkmächtigen Beitrag zu dieser Diskussion lieferte Hans Peter Ipsen mit seiner
technokratischen Beschreibung der Europäischen Gemeinschaften als »Zweckverbände
funktioneller Integration«. Vorliegende begriffsgeschichtliche Studie verfolgt die
Genese und Rezeption der Begriffsprägung und fragt nach seiner Aktualität im Kontext
aktueller europawissenschaftlicher Finalitätsdebatten.


Uber die Rechtsnatur der Europaischen Union wird seit langem politisch und wissenschaftlich gestritten; bis heute besteht insoweit kein Konsens. Zahlreiche, sich teils diametral entgegenstehende Konzepte wurden entwickelt, um die Europaischen Gemeinschaften bzw. die Europaische Union begrifflich zu erfassen. Bundesstaatlichen Ansatzen setzte der Hamburger Europarechtler Hans Peter Ipsen die nuchtern-technokratische Beschreibung der Gemeinschaften als Zweckverbande funktioneller Integration entgegen. Die vorliegende begriffsgeschichtliche Studie spurt der Genese und der Rezeption der Ipsen’schen Begriffspragung im In- und Ausland nach und erortert die Aktualitat des Zweckverbands-Modells im Kontext aktueller europawissenschaftlicher Finalitatsdebatten, insbesondere vor dem Hintergrund der europaischen Polykrise.

I. Ausgangspunkt
Finalität der EU als Dauerthema
II. Methodik
Begriffsgeschichtlicher und interdisziplinärer Ansatz – Begriff des »Zweckverbands
funktioneller Integration« – Berücksichtigung der historischen Sachverhalte –
Einbeziehung von Gegenbegriffen
III. Hans Peter Ipsen
Zur Person
IV. Genese des Begriffs in Ipsens Schriften
Erste Phase (1964–1968): »Zweckverband« als Abwehrmodell – Zweite Phase (1969–1972):
Theoretische Fundierung und positive Beschreibung des Abwehrmodells – Dritte Phase
(1970–1995): Verteidigung eines immer stärker von der europäischen
Verfassungswirklichkeit entkoppelten Konzepts
V. Einflüsse auf Ipsens Begriff
Zweckverband – Funktionelle Integration – Einfluss von Carl Schmitts
»Großraumtheorie«?
VI. Verhältnis zu benachbarten Begriffen
Rechtswissenschaft – Soziologie: Helmut Schelskys »technischer Staat« –
Politikwissenschaft: Giandomenico Majones »Regulatory State« – Ökonomie: Friedrich
August von Hayeks »Interstate Federalism«
VII. Rezeption
Zeitgenössische deutsche Rezeption – Aktuelle deutsche Rezeption – Rezeption im
Ausland?
VIII. »Zweckverband« im Kontext von Polykrise und aktuellen Finalitäts-Debatten
Polykrise – Politische Debatte zur Finalität der EU – Europawissenschaftliche Debatte
zur Finalität der EU
IX. Zwischenfazit
Leitgedanken des »Zweckverbands«-Begriffs – Begriffsgenese und Begriffsgestalt –
Blinde Flecken und Ungereimtheiten im »Zweckverband«
X. Ausblick Was bleibt vom »Zweckverband«?: Blick auf den »Zweckverband« im Jahre
2022 – Begriffliche Dimensionen des »Zweckverbands«

  • By (author) Wolfgang Kahl
  • By (author) Paul Hüther

»Mit ihrem kleinen Band haben Wolfgang Kahl und
Paul Hüther einen großen und wertvollen Beitrag zur Begriffsgeschichte in der
juristischen Europawissenschaft geleistet. Ihre sehr systematisch und differenziert
angelegte Auseinandersetzung mit dem Werk Ipsens, die auch die zum Teil sehr
kritische Sekundärliteratur referiert und einordnet, setzt Maßstäbe. Es wäre zu
wünschen, dass sich auch die anderen europawissenschaftlichen Disziplinen, also die
Politik-, Wirtschafts- und Geschichtswissenschaft sowie die Soziologie, noch sehr
viel intensiver als bislang mit ihren ›Klassikern‹ in Form einer Begriffsgeschichte a
la Koselleck auseinandersetzen.« Dr. Martin Große Hüttmann, in: Jahrbuch des
Föderalismus, Bd. 24/2023