Zivilrechtlich begründete Garantenpflichten im Strafrecht?
By (author) Anette Grünewald
Paperback (Published)
(April 2001)
ISBN: 9783428100484
6.18 x 9.17 inches
Price: $89.00
Out of stock
Die Autorin problematisiert eine vorbehaltlose Übertragung zivilrechtlicher Pflichten auf das Strafrecht zur Begründung von Garantenpflichten. Zunächst wird gezeigt, wie sehr die gängigen Kriterien und Argumentationsfiguren, auf die im Strafrecht die Bildung von Garantenpflichten gestützt wird, denen ähnlich sind, die zur Herleitung zivilrechtlicher Pflichten herangezogen werden. Im Zivilrecht handelt es sich dabei vor allem um den Bereich deliktischer Verkehrs(sicherungs)pflichten, (quasi-)vertraglicher Handlungspflichten und um Pflichten des Familienrechts. Es stellt sich die Frage, ob und inwieweit eine Übertragung zivilrechtlicher Pflichten auf das Strafrecht zulässig ist und weiterhin, inwiefern und unter welchen Voraussetzungen die Pflichtbegründungen in Strafrecht und Zivilrecht divergieren.
Zur Lösung dieser Problematik entfaltet Anette Grünwald in einem ersten Schritt den in der Untersuchung zugrunde gelegten Rechts- bzw. Rechtspflichtbegriff. Dieser wird gewonnen in Anlehnung an die (Rechts-)Philosophie des deutschen Idealismus, insbesondere an die Positionen Kants und Hegels. Er zeichnet sich durch seine negative Fassung aus. In allererster Linie entspricht diesem Rechtsbegriff die Verbotsnorm, jedoch kann die Pflicht, andere nicht zu verletzen, je nach Situation auch eine Handlung erfordern.
Die im Zivilrecht geläufigen Zurechnungsprinzipien gehen mit diesem Rechtsbegriff nicht konform. Denn dort haben bisweilen soziale wie (volks)wirtschaftliche Verteilungserwägungen einen entscheidenden Einfluß auf die Bildung von Pflichten und führen zu einer Ausdehnung der Schadenshaftung, die den Bereich einer strikten Verhaltenshaftung oftmals verläßt. Eine Übertragung zivilrechtlicher Pflichten auf das Strafrecht zur Begründung von Garantenpflichten ist deshalb zu kritisieren. Zuletzt werden (auf der Grundlage des rechtsphilosophischen Fundaments) Leitlinien skizziert, an denen sich die Herleitung strafrechtlicher Garantenpflichten orientieren müßte.
- By (author) Anette Grünewald
Other Titles in this Series
Die “actio libera in causa”: Strafbarkeit wegen Begehungstat trotz Schuldunfähigkeit?
Eine historisch-dogmatische Untersuchung.
Volume 76
Die Kompensation des Vermögensnachteils durch nicht exakt quantifizierbare, vermögenswirksame Effekte.
Volume 233
Haftung aus Nichtverhütung von Straftaten Untergebener in Wirtschaftsunternehmen de lege lata.
Volume 100
Die strafrechtliche Verantwortung von Pressemitarbeitern vor dem Hintergrund des Wandels vom Printjournalismus zur elektronischen Presse
Volume 433
Strafprozessuale Pragmatik und Normdeutung.
Zur Bedeutung von Rechtsfragen bei § 153a StPO. Zugleich ein Beitrag zur normativen Seite des Tatverdachts und zur Legitimation der Einstellung unter Auflagen.
Volume 359
Die Bedeutung von Criminal-Compliance-Maßnahmen für die strafrechtliche und ordnungswidrigkeitenrechtliche Ahndung.
Volume 332
Wertungsprobleme des Begriffs der finalen Handlung
unter besonderer Berücksichtigung der Struktur des menschlichen Verhaltens.
Volume 5
Das Rechtsmittel der sofortigen Beschwerde gegen strafprozessuale Nebenentscheidungen
(§§ 464 Abs. 3 S.1 StPO, 8 Abs. 3 S.1 StrEG).
Volume 37
Gemeinnützige Arbeit als strafrechtliche Sanktion.
Eine rechtsvergleichende Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung der britischen Community Service Order.
Volume 52
Zum Status fremdkultureller Wertvorstellungen bei der Strafzumessung.
Sozialwissenschaftliche, kriminologische und strafzumessungsrechtliche Perspektiven.
Volume 294
Die Strafanpassung im Rahmen der Tagessatzgeldstrafe.
Der Versuch eines Ausgleichs zwischen Verfahrensökonomie und Opfergleichheit unter Berücksichtigung des Steuerrechts.
Volume 201
Zur Identität des strafrechtlichen Zueignungsbegriffes.
Eine am Rechtsgut orientierte Betrachtung nach dem 6. Strafrechtsreformgesetz.
Volume 170
Teleologische Reduktion des Betrugstatbestandes aufgrund von Mitverantwortung des Opfers
unter besonderer Berücksichtigung des Kapitalanlage- und Kreditbetruges.
Volume 131
Die Anwendbarkeit der Bewährungsvorschriften gemäß §§ 56 ff. StGB auf die Ersatzfreiheitsstrafe nach § 43 StGB.
Eine Untersuchung zur Rechtsnatur der Ersatzfreiheitsstrafe im Besonderen.
Volume 398
Das besondere öffentliche Interesse an der Strafverfolgung bei relativen Antragsdelikten.
Volume 372
Strafe und andere staatliche Maßnahmen gegenüber juristischen Personen.
Zu den Legitimationsbedingungen entsprechender Rechtseingriffe.
Volume 313
Eigentumsschutz nach der Realisierung von Zueignungsunrecht.
Eine Neuorientierung im System der Vermögensdelikte.
Volume 66
Similar Books
Legal Pluralism and the Tajik Experience of Xinjiang
Between Custom and the Chinese State: An Ethnographic Perspective
Liturgia semper reformanda
Adaptations and accommodations in the liturgy in light of canon 838 of the Code of Canon Law
Credit Default Swap-Aktivismus
Eine ökonomische Analyse und rechtliche Bewertung der Einflussnahme von Credit Default Swap-Investoren auf Unternehmen
Die Konjunkturkomponente des Grundgesetzes
Die konjunkturbedingte Kreditaufnahme im System der Kreditermächtigungen, europarechtlichen und gesamtwirtschaftlichen Verpflichtungen der Finanzverfassung
Indirekte Enteignung
Verfassungsunmittelbar gebotene Entschädigungspflicht im Spiegel des Mehrebenensystems
Kollektivismus und Individualismus im Aktienrecht
Zum Einfluss aktienrechtlicher Paradigmen auf die Rechtsentwicklung in Deutschland und den USA
Künstlervertragsmodelle in der Musikwirtschaft
Rechtliche Grenzen der künstlerbezogenen Nebenrechteverwertung im Erlös-, Vermittlungs-, Options- und Leistungsmodell
Mehrdimensionale Diskriminierungen
Rechtliche Erfassung von Intersektionalität und Benachteiligungsstrukturen am Beispiel von Art. 3 Abs. 3 GG
Rechtssubjektivität für Künstliche Intelligenz
Eine Untersuchung von Zuerkennungsgründen für die "ePerson"
Schadensrecht im Wandel
A Turning Point for Punitive Damages? / Zeitenwende beim Strafschadensersatz? Volume II
Strukturierter Parteivortrag im digital geführten Zivilprozess
Richterliche Verfahrensleitung und Sanktionierung parteiseitigen Fehlverhaltens
Zeugnisverweigerungsrechte in modernen Familienformen
Zur Notwendigkeit einer Erweiterung der Zeugnisverweigerungsrechte für Angehörige gemäß § 52 Abs. 1 StPO im Licht des Art. 6 Abs. 1 GG
Circumvention of Law in Polish Private Law
A Comparative Analysis from Polish, German and European Perspectives
How to Ensure Predictability in Legal Pluralism
Merchants and their Interaction in Late Medieval Europe
International Criminal Law – a promising pathway to promoting global environmental protection?
Volume 60
Of People, Land and Bonds
Contributions to Lordship and Administration in North-East Scotland in the Later Middle Ages
