Das Arzneibuch Ortolfs von Baierland
Hg. von Horst Brunner, Dietrich Huschenbett, Ernstpeter Ruhe, Rolf Sprandel, Benedikt K. Vollmann (†), Norbert Richard Wolf
Hardback (Published)
(May 2014)
ISBN: 9783954900152
6.69 x 9.49 inches
Price: $89.00
On back order
Around 1300, a surgeon named Ortolf – born in the duchy of Bavaria and settled in Wurzburg – wrote a textbook of medicine, which in brief covers all topics of medieval medicine – beginning with its theoretical background, then proceeding to dietetics, uroscopy, feeling of the pulse, bloodletting and nosology and at last concluding with surgery. In addition, Ortolf’s text is of outstanding quality in structure and style. The new edition is based upon the broad manuscript tradition. A detailed commentary makes this most interesting source accessible to an interdisciplinary public. <br/>
Das Lehrbuch der Medizin, das der in Baiern geburtige und in Wurzburg tatige Chirurg Ortolf wohl um 1300 verfasst hat, gehort zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Texten des Mittelalters. Es wurde nicht nur in rund 70 Handschriften vollstandig uberliefert, sondern ist als Teil- oder Streuuberlieferung in fast jeder medizinischen Sammelhandschriften in irgendeiner Form prasent. Auch der Sprung in das neue Medium des Buchdrucks und von dort in die Hausvaterliteratur ist Ortolf gelungen. Fur diese breite und lang dauernde Wirkung gibt es im Wesentlichen zwei Grunde, von denen zunachst die Breite des enthaltenen medizinischen Wissens zu nennen ist: Sowohl die theoretischen Grundlagen der mittelalterlichen Medizin mit einer kleinen Diatetik als auch die Harn-, Puls- und Blutdiagnostik als auch eine ausfuhrliche Krankheitslehre mit Therapieempfehlungen und sogar Ratschlage zur Wundbehandlung sind in dem nicht allzu umfangreichen Werk enthalten. Auf diese Weise erhalt der Leser trotz der relativen Kurze des Textes eine kompakte Einfuhrung in Theorie und Praxis der mittelalterlichen Heilkunde. Der zweite Grund fur Ortolfs Erfolg ist die Prazision in Sprache und Aufbau des Arzneibuchs: Das Wissen aus den verschiedenen lateinischen Vorlagen wird auf das Wesentliche kondensiert, durch ein von Ortolf selbst entwickeltes Konzept uber die unterschiedlichen Themenkreise hinweg miteinander verknupft und in einem merksatzartigen Stil didaktisch geschickt prasentiert. Kein anderer volkssprachiger medizinischer Text des Mittelalters ist von dieser bemerkenswerten Qualitat.Die vorgelegte Ausgabe beruht auf Vorarbeiten aus dem medizinhistorischen Teilprojekt des Wurzburg-Eichstatter DFG-Sonderforschungsbereichs 226 ‘Wissensvermittelnde und wissensorganisierende Literatur im Mittelalter’ (1984-1992), wurde jedoch grundlegend uberarbeitet und neu redigiert. Erstmals wird die bekannte handschriftliche Uberlieferung zusammengestellt und die textgeschichtliche Varianz ausgewiesen. Ein ausfuhrlicher Kommentarteil erklart Ortolfs Krankheitslehre und seine Therapieempfehlungen vor dem Hintergrund seiner Zeit, macht die inhaltliche Vernetzung innerhalb des Werks transparent, deutet mit gebotener Vorsicht die beschriebenen Phanomene und stellt nicht zuletzt eine Verbindung zu heutigen Beobachtungen und Behandlungsformen her. Durch diese Erklarungen ist Ortolf nicht nur innerhalb der Medizingeschichte von Interesse, sondern kann auch als bedeutende Quelle zur mittelalterlichen Heilkunde fur Germanistik und Kulturwissenschaften nutzbar gemacht werden.
* 1959, Studium der Medizin, Germanistik und Kunstgeschichte in Würzburg, 1985 Dr.med., 1989 Dr.phil., 1990 Habilitation für Geschichte der Medizin, 1992-1994 Heisenberg-Stipendiatin in Göttingen, 1994-96 Professorin für Geschichte der Medizin in Lübeck, seit 1996 Lehrstuhl für Geschichte der Medizin am Karl-Sudhoff-Institut in Leipzig. <br/>Forschungsschwerpunkte: Medizin des Mittelalters, Medizin im kulturellen Kontext.<br/>
- By (author) Ortrun Riha
Mit der vorliegenden Studie hat die Vf. im Vergleich zur Erstausgabe von James Follan aus dem Jahr 1963, die auf einer einzigen niederdeutschen Hs. beruht, eine gut lesbare Edition geschaffen, die nun die Grundlage für die weitere Rezeption und Erforschung des Arzneibuches bildet. <br/><br/>Von Werner E. Gerabek<br/><br/>In Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters Band 74-2 (2018) <br/>Erstellt am 21.11.2019
—
Other Titles in this Series
Elucidarium und Lucidaires
Zur Rezeption des Werks von Honorius Augustodunensis in der Romania und in England
Heilquellen in der deutschen Wissensliteratur des Spätmittelalters
Zur Genese und Funktion eines Paradigmas der Wissensvermittlung am Beispiel des »Tractatus de balneis naturalibus« von Felix Hemmerli und seiner Rezeption
Wissensorganisation in medizinischen Sammelhandschriften
Klassifikationskriterien und Kombinationsprinzipien bei Texten ohne Werkcharakter
Heinrich Seuses »Philosophia spiritualis«. Quellen, Konzept, Formen und Rezeption
Tagung Eichstätt vom 2. bis 4. Oktober 1991
Gelehrtes Wissen. Aberglauben und pastorale Praxis im französischen Spätmittelalter
Der »Second Lucidaire« und seine Rezeption (14. bis 17. Jahrhundert). Untersuchung und Edition
Bildung im Hochstift Eichstätt zwischen Spätmittelalter und katholischer Konfessionalisierung
Die Städte Beilngries, Berching und Greding im Oberamt Hirschberg
Das Geheimnis der Geheimnisse
Die arabischen und deutschen Fassungen des pseudo-aristotelischen »Sirr al-asrar / Secretum secretorum«
Bildungs- und schulgeschichtliche Studien zu Spätmittelalter, Reformation und konfessionellem Zeitalter
Studien zur »Weltchronik« Heinrichs von München
Band 29: Überlieferung, Forschungsbericht, Untersuchungen, Texte. Band 30/1 und 30/2: Von der »Erweiterten Christherre-Chronik« zur Redaktion a. Band 31/1 und 31/2: Text- und überlieferungsgeschichtliche Untersuchungen zur Redaktion b
Das Kometenjahr 1618
Antikes und zeitgenössisches Wissen in der frühneuzeitlichen Kometenliteratur des deutschsprachigen Raumes
Wissensorganisierende und wissensvermittelnde Literatur im Mittelalter
Perspektiven ihrer Erforschung. Kolloquium vom 5. bis 7. Dezember 1985
Städtische Geschichtsschreibung und Schulliteratur
Rezeptionsgeschichtliche Studien zum Werk von Fritsche Closener und Jakob Twinger von Königshofen
Hof – Universität – Laien
Literatur- und sprachgeschichtliche Untersuchungen zum deutschen Schrifttum der Wiener Schule des Spätmittelalters
Schulen in Franken und in der Kuroberpfalz 1250 bis 1520
Verbreitung – Organisation – Gesellschaftliche Bedeutung
Didaxe und Natur
Darstellung und Funktionalisierung der Natur in Thomasins von Zerklaere ,Welschem Gast‘, in Freidanks ,Bescheidenheit‘ und in Hugos von Trimberg ,Renner‘
Sydrac le philosophe. Le livre de la fontaine de toutes sciences
Edition des enzyklopädischen Lehrdialogs aus dem XIII. Jahrhundert
Similar Books
«Solazoxa festa, stradolze e stracomplia»
Festschrift für Raymund Wilhelm zum 65. Geburtstag mit Beiträgen zu Diskurstraditionen und mittelalterlicher Philologie
Volume 249
A Collaborative Tapestry in Honour of Shirley Ann Brown / Une fresque brodée en l’honneur de Shirley Ann Brown
The Bayeux Tapestry Seen by her Colleagues and Friends / La Tapisserie de Bayeux vue par ses collègues et amis
Behind the Scenes of Medieval Roofs
An Overview of the Roofing Systems of Italian Churches
Volume 90
Cahiers de recherches médiévales et humanistes – Journal of Medieval and Humanistic Studies
Volume 51
Diagnostic Techniques in Public Health
Analytical and Chemometric Approaches in Disease Detection and Management
