Konrad von Halberstadt »Chronographia Interminata« 1277 bis 1355/59
By (author) Rainer Leng
Hardback (Published)
(September 1996)
ISBN: 9783882268768
6.69 x 9.45 inches
Price: $63.00
In stock
Von der älteren Chronistikforschung wurde die „Chronographia Interminata“ des Dominikaners Konrad von Halberstadt nicht gerade positiv bewertet. Diese negativen Urteile dürften die Schuld daran tragen, dass sich kaum ein Historiker mit ihr befasste und dass ihr Verfasser, Professor an der Prager Universität und Hofkaplan Karls IV., nahezu in Vergessenheit geraten ist. Dennoch trifft der unvoreingenommene Leser der „Chronographia“ auf ein ganz eigenartiges Zeugnis spätmittelalterlicher Universalchronistik. Im Gegensatz zu anderen setzt Konrad von Halberstadt als einziger Universalchronist des Mittelalters den augustinischen Ansatz konsequent um. Das Werk untergliedert er in vier Teile: Teil I beschäftigt sich mit dem göttlichen Wesen, Teil II mit der Schöpfungsgeschichte, Teil III mit dem Leben nach dem Tode und Teil IV mit der Auferstehung. Die Weltgeschichte wird also in die Heilsgeschichte eingegliedert. <br/>Mit der Herausgabe eines Teiles dieses umfangreichen Werkes nach den editionsphilologischen Maßstäben der „Monumenta Germaniae historica“ legt der Verfasser zugleich eine Untersuchung über Leben und Werk des Chronisten vor und bespricht neben Handschriften und Rezensionen auch Gattungsfragen, die verwendeten Quellen und die Rezeption der Chronik. Er weist auf ungewöhnliche Inhalte, wie der Einfluss verschiedenartiger Prophetien, die außergewöhnliche Pestschilderung und das Bild Karls IV. hin sowie auf methodisch Aufschlussreiches, wie die Anwendung von Kompilationstechnik als Mittel der Wissensvermittlung und -organisation. Personen- und Sachregister erschließen den Band.<br/><br/>
Von der alteren Chronistikforschung wurde die Chronographia Interminata des Dominikaners Konrad von Halberstadt nicht gerade positiv bewertet. Die negativen Urteile durften die Schuld daran tragen, dass kaum ein Historiker sich mit der Chronographia Interminata befasste, dass nur ganz wenige Auszuge unkritisch abgedruckt wurden und dass der Autor, der den Cursus Honorum des Dominikanerordens immerhin bis zum Prior der Ordensprovinz Theutonia durchlief, beachteter Verfasser theologischer, moralischer und enzyklopadischer Schriften und zuletzt Professor an der neugegrundeten Prager Universitat und Hofkaplan Karls IV. war, bislang ein Leben im “literarhistorisch-lexikalischen Schattenland” fuhrte (W. Maaz). Dennoch trifft der unvoreingenommene Leser der Chronographia auf ein ganz eigenartiges Zeugnis spatmittelalterlicher Universalchronistik. Schon der Titel, den der Autor selbst im Widmungsprolog seinem Werk beilegte, lasst aufhorchen. Zwar orientiert sich jede mittelalterliche Universalchronik entweder an der Vier-Weltreich-Lehre oder dem Sechs-Weltalter-Schema und betrachtet somit alles weltliche Geschehen unter heilsgeschichtlichem Aspekt. Doch nur ganz wenige Chronisten reflektieren dieses Verfahren. Die theologischen Grundlagen hierfur durfte Augustinus mit den letzten Zeilen von “De civitate Dei” geschaffen haben, wo er eine Analogie des siebten und achten Schopfungstages, des ewigen Sonntags, zur ewigen Ruhe von Korper und Seele in Gott herstellt. In seiner Nachfolge konstruierte Beda Venerabilis ein siebtes und achtes Weltalter, auch Frechulf von Lisieux und Ado von Vienne sinnen uber den erreichten Stand der Weltgeschichte nach, doch bei keinem der Chronisten sind dies mehr als einige Gedankensplitter. Im Spatmittelalter verschwinden solche Tendenzen fast ganz. Konrad von Halberstadt blieb es nun als einzigem Universalchronisten des Mittelalters vorbehalten, den augustinischen Ansatz konsequent umzusetzen und so eine wirkliche Chronographia Interminata zu schaffen. Er orientiert sich dabei, wie er im Vorwort ankundigt, neben Augustin vor allem am Prolog des Johannesevangeliums. Das Werk untergliedert er deshalb in vier Teile. Teil I beschaftigt sich mit dem gottlichen Wesen (In principio erat verbum), Teil II mit der Schopfungsgeschichte (omnia per ipsum facta sunt), Teil III mit dem Leben nach dem Tode (quod factum est in ipso, vita erat) und Teil IV mit der Auferstehung (et vita erat lux hominum). Die Weltgeschichte erscheint hier also tatsachlich auch kompositorisch in die Heilsgeschichte eingegliedert. Alle vier Teile sind strengstens durchkomponiert. Pars II, also der eigentlich historische Teil, ist wiederum untergliedert nach den sechs Aetates. Die letzte, mit Christi Geburt beginnende Aetas, ist wiederum unterteilt nach der Reihe der Papste, deren Geschichte anhand von durchgezahlten Memorabilien, einzelnen Erzahleinheiten, aufgezeigt wird.Mit der Herausgabe eines Teiles dieses umfangreichen Werkes nach den editionsphilologischen Massstaben der “Monumenta Germaniae historica” legt der Verfasser zugleich eine Untersuchung uber Leben und Werk des Chronisten vor und bespricht neben Handschriften und Rezensionen auch Gattungsfragen, die verwendeten Quellen und die Rezeption der Chronik. Es wird auf ungewohnliche Inhalte, wie der Einfluss verschiedenartiger Prophetien, die aussergewohnliche Pestschilderung und das Bild Karls IV. hingewiesen wie auch auf methodisch Aufschlussreiches, wie die Anwendung von Kompilationstechnik als Mittel der Wissensvermittlung und -organisation. Personen- und Sachregister erschliessen den Band.
- By (author) Rainer Leng
„In den Bänden der Reihe „Die Deutschen Inschriften“, einem der wichtigsten und ertragreichsten Editionsvorhaben im Rahmen der deutschen Akademieprojekte, stellen die Domkirchen allenthalben quantitativ wie qualitativ ganz hervorragende Überlieferungszentren dar. Der vorliegende, seit langem erwartete Band über die Inschriften des Halberstädter Doms ist aber von ganz besonderem Gewicht, nicht nur durch den außerordentlichen Umfang, sondern auch aufgrund des Rangs der epigrafischen Zeugnisse, wofür vor allem zwei Umstände maßgeblich sind: Zum einen ist die seit dem 13. Jahrhundert errichtete gotische Domkirche mit dem Klausurbezirk der Domherren nach der Reformation keinen tiefgreifenden Veränderungen unterworfen gewesen, weil das Kapitel gemischtkonfessionell bis zur Säkularisation 1803 weiterbestanden hat, und zum anderen hat sich - wohl auch durch diesen Umstand befördert - in Halberstadt einer der größten Domschätze Europas weitgehend intakt erhalten, darunter bekanntlich zahlreiche Stücke, die der Halberstädter Bischof Konrad von Krosikg als Teilnehmer des IV. Kreuzzuges 1204 aus Konstantinopel mitgebracht hat. (...)<br/>Der Band wird durch die üblichen differenzierten Register für historische, ikonografische und epigrafische Fragestellungen tiefgehend erschlossen. Nach Naumburg und Merseburg ist nun mit Halberstadt die dritte und letzte Domkirche in Sachsen-Anhalt epigrafisch aufgearbeitet. Hans Fuhrmann hat ein schon vor Jahrzehnten von anderen Bearbeitern in Angriff genommenes Editionsvorhaben, das sich durch einen umfangreichen und sehr vielfältigen Inschriftenbestand auszeichnet, erfolgreich zum Abschluss gebracht. Er hat damit für die weiteren Bände der Leipziger Reihe hohe Maßstäbe gesetzt.“<br/><br/>Enno Bünz<br/><br/>In: Neues Archiv für sächsische Geschichte. 83 (2012). S. 329-330.<br/>
—
Other Titles in this Series
Martin von Troppau (Martinus Polonus), O.P. († 1278) in England
Überlieferungs- und wirkungsgeschichtliche Studien zu dessen Papst- und Kaiserchronik
Heilquellen in der deutschen Wissensliteratur des Spätmittelalters
Zur Genese und Funktion eines Paradigmas der Wissensvermittlung am Beispiel des »Tractatus de balneis naturalibus« von Felix Hemmerli und seiner Rezeption
Gelehrtes Wissen. Aberglauben und pastorale Praxis im französischen Spätmittelalter
Der »Second Lucidaire« und seine Rezeption (14. bis 17. Jahrhundert). Untersuchung und Edition
Wissensorganisation in medizinischen Sammelhandschriften
Klassifikationskriterien und Kombinationsprinzipien bei Texten ohne Werkcharakter
Heinrich Seuses »Philosophia spiritualis«. Quellen, Konzept, Formen und Rezeption
Tagung Eichstätt vom 2. bis 4. Oktober 1991
Bildung im Hochstift Eichstätt zwischen Spätmittelalter und katholischer Konfessionalisierung
Die Städte Beilngries, Berching und Greding im Oberamt Hirschberg
Das Geheimnis der Geheimnisse
Die arabischen und deutschen Fassungen des pseudo-aristotelischen »Sirr al-asrar / Secretum secretorum«
Wissensorganisierende und wissensvermittelnde Literatur im Mittelalter
Perspektiven ihrer Erforschung. Kolloquium vom 5. bis 7. Dezember 1985
Bildungs- und schulgeschichtliche Studien zu Spätmittelalter, Reformation und konfessionellem Zeitalter
Städtische Geschichtsschreibung und Schulliteratur
Rezeptionsgeschichtliche Studien zum Werk von Fritsche Closener und Jakob Twinger von Königshofen
Studien zur »Weltchronik« Heinrichs von München
Band 29: Überlieferung, Forschungsbericht, Untersuchungen, Texte. Band 30/1 und 30/2: Von der »Erweiterten Christherre-Chronik« zur Redaktion a. Band 31/1 und 31/2: Text- und überlieferungsgeschichtliche Untersuchungen zur Redaktion b
Das Kometenjahr 1618
Antikes und zeitgenössisches Wissen in der frühneuzeitlichen Kometenliteratur des deutschsprachigen Raumes
Hof – Universität – Laien
Literatur- und sprachgeschichtliche Untersuchungen zum deutschen Schrifttum der Wiener Schule des Spätmittelalters
Schulen in Franken und in der Kuroberpfalz 1250 bis 1520
Verbreitung – Organisation – Gesellschaftliche Bedeutung
Didaxe und Natur
Darstellung und Funktionalisierung der Natur in Thomasins von Zerklaere ,Welschem Gast‘, in Freidanks ,Bescheidenheit‘ und in Hugos von Trimberg ,Renner‘
Sydrac le philosophe. Le livre de la fontaine de toutes sciences
Edition des enzyklopädischen Lehrdialogs aus dem XIII. Jahrhundert
Similar Books
A Late Antique Harrowing of Hell and Its Medieval Reception
Eusebius of Alexandria's Sermons 15 and 17 (CPG 5524; 5526) and their Latin Rewritings
Volume 99
Behind the Scenes of Medieval Roofs
An Overview of the Roofing Systems of Italian Churches
Volume 90
Innovation and Medieval Communities
The Circulation of Ideas and Practices in and out of the Town (1200-1500)
Volume 63
Medieval Debates on Foreknowledge: Future Contingents, Prophecy, and Divination
Acts of the XXVII Annual Colloquium of the SIEPM, Trento 12-15 September 2023
Volume 31
Medieval Yeghegis, Armenia
History, Archaeology, Society. Local Multiplicities and Global Connections of a Rural Centre on the Silk Road(s)
Power and Women in Southeast and Central Europe in Late Medieval and Early Modern Period (1300-1600)
Volume 10
Tradition, Interpretation, and Change
Developments in the Liturgy of Medieval and Early Modern Ashkenaz
