Als die Geisteswissenschaften popular waren

Westdeutsche Schreibweisen, Lekturepraktiken, Verlagspolitiken um 1970

edited by Jorg Doring and Morten Paul

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Extent: 230 pages

Publisher: Harrassowitz Verlag

Subjects: German Studies, Literary Studies

Series: Buchwissenschaftliche Beiträge

Series volume number: 103

Language: German

Paperback (Published)

(September 2025)

ISBN: 9783447124232

Price: $73.00

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Worauf ist das “goldene Zeitalter” der Geisteswissenschaften in der Bundesrepublik zuruckzufuhren, das von den 1960er Jahren bis weit in die 1980er andauerte? Ein Effekt der Bildungsexpansion? Eine Folge der gesellschaftskritischen Emphase rund um 1968? Als die Geisteswissenschaften popular waren erprobt eine weitere Erklarung: Das goldene Zeitalter der Geisteswissenschaften ist das Zeitalter des wissenschaftlichen Taschenbuchs. Publikumsverlage, die geisteswissenschaftliche Texte massenhaft verfugbar machen; Taschenbuchreihen, die es auch Studierenden ermoglichen, Bibliotheken anzulegen; und Autor*innen, die im Bewusstsein dieser Verbreitungsmoglichkeit schreiben: das Geschehen auf dem Taschenbuchmarkt ist Treiber der Expansion der Geisteswissenschaften – und verwandelt sie so radikal. Die Beitrage diskutieren diesen Befund anhand von eminenten Taschenbuchgeschichten – Falle von Erfolgstiteln, in denen Entstehung und Rezeption mit dem Buchmarktgeschehen in engem Zusammenhang stehen: R. Barthes’ Mythen des Alltags (Ruth Signer); J. Jacobs’ und A. Mitscherlichs Stadtforschungen (Hanna Boge); J. Habermas’ Erkenntnis und Interesse (Morten Paul); M. Horkheimers Autoritarer Staat (Sven Gringmuth); die populare Reich- (Yanara Schmacks) und Benjamin-Rezeption (Detlef Siegfried); das Funkkolleg Sprache (Marius Albers); H.P. Duerrs Traumzeit (Rosa Eidelpes) und A. Davis’ Rassismus und Sexismus (Samira Spatzek). Thematisiert wird aber auch das literarische Leiden an den Geisteswissenschaften in K. Strucks Klassenliebe (Fabienne Steeger) und es wird ein Seitenblick auf europaische Theory in den amerikanischen Humanities (Gregory Jones-Katz) geworfen. So entsteht ein vielschichtiges Bild diesseits nostalgischer Verklarung, das auch den Blick auf die Gegenwart geisteswissenschaftlichen Publizierens scharft.

  • Edited by Jorg Doring
  • Edited by Morten Paul