Zur Geschichte der zivilistischen Professuren im ersten Jahrhundert der Universität Bonn.
(Sonderdruck aus der Bonner Festgabe für Ernst Zitelmann (S. 11–26)).
By (author) Ernst Landsberg
Paperback (Published)
(August 2013)
ISBN: 9783428165421
6.18 x 9.17 inches
Price: $22.00
On back order
Im Rahmen des Projekts »Duncker & Humblot reprints« heben wir Schätze aus dem Programm der ersten rund 150 Jahre unserer Verlagsgeschichte, von der Gründung 1798 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. Lange vergriffene Klassiker und Fundstücke aus den Bereichen Rechts- und Staatswissenschaften, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Geschichte, Philosophie und Literaturwissenschaft werden nach langer Zeit wieder verfügbar gemacht.
»Jurist, * 12.10.1860 Stolberg (Rheinland), † 29.9.1927 Bonn. (israelitisch, dann evangelisch)
L. besuchte das Gymnasium in Aachen, das er bereits 1876 mit dem Zeugnis der Reife verließ. Seit dem WS 1876/77 studierte er 4 Semester Rechtswissenschaft in Bonn, ging darauf für ein Semester nach Leipzig und schloß das Studium mit einem Semester in Bonn ab. Seine Lehrer waren u.a. in Bonn R. v. Stintzing und in Leipzig K. Binding und J. Stobbe. Bereits wenige Wochen nach dem 1. juristischen Staatsexamen wurde L. 1879 von der Bonner Juristischen Fakultät promoviert. Den Vorbereitungsdienst absolvierte er beim Landgericht Aachen, sodann unter gleichzeitiger Ableistung seiner militärischen Dienstpflicht beim Landgericht in Colmar und schließlich beim Landgericht Bonn. 1882 reichte er der Bonner Fakultät seinen Habilitationsantrag ein, erhielt 1883 die venia docendi für röm. Recht und gehörte seit dem SS 1883 der Fakultät an. 1885 wurde seine venia auf das Strafrecht erweitert. Im WS 1886/87 unternahm L. eine Studienreise nach Italien, 1887 wurde er zum ao. Professor ernannt, 1888 lehnte er einen Ruf nach Königsberg ab, 1899 erfolgte seine Ernennung zum persönlichen Ordinarius. Für das Studienjahr 1914/15 wurde L. zum Rektor gewählt. Er arbeitete nach dem Weltkrieg politisch im Sinne eines Zusammenschlusses der liberalen Parteien und schloß sich selber der Deutschen Demokratischen Partei an.
L.s wissenschaftliches Werk begann, angeregt von seinem eigentlichen Lehrer Stintzing, mit Arbeiten zum röm. Recht. Aufsehen erregte seine Dissertation ›Über die Entstehung der Regel quidquid non agnoscit glossa, non agnoscit forum‹, worin er die Geschichte der Überzeugung darlegt, daß röm. Recht nur soweit gelte, als es auch glossiert sei. Die Glossatoren selbst waren Forschungsgegenstand in L.s Habilitationsschrift ›Die Glosse des Accursius und ihre Lehre vom Eigentum‹. Doch mußte er sein in der Einleitung formuliertes hohes Ziel, ›Form, Geist und Theorie der Leistungen der Glossatoren, besonders der glossa ordinaria zu erkennen‹, fallen lassen, als er auf der Studienreise in Italien erkannte, daß dies angesichts der gewaltigen Fülle des Materials nicht die Arbeit eines einzelnen Mannes sein konnte. In den Jahren 1686–90 erweiterte L. sein Interessengebiet auf rechtspolitisch bedeutsame Fragen des Strafrechts. Insbesondere die Diskussion um die Commissivdelikte durch Unterlassung scheint durch L. wichtige Impulse erhalten zu haben.
Im dritten und bedeutendsten Abschnitt seiner wissenschaftlichen Arbeit begründete L. seinen Ruf als ›Geschichtsschreiber der deutschen Rechtswissenschaft‹ (O. v. Gierke). Nach dem plötzlichen Tod seines Lehrers Stintzing 1883 mußte er die Herausgabe der 2. Abteilung der ›Geschichte der deutschen Rechtswissenschaft‹ aus Stintzings Nachlaß übernehmen. 1890 bekam er von der Historischen Kommission der Bayer. Akademie der Wissenschaften den Auftrag, dieses Werk fortzusetzen. Das enorme Vorhaben, die Geschichte der deutschen Rechtswissenschaft von etwa 1700 bis zur Reichsgründung von 1871 zu schreiben, nahm ihn 20 Jahre lang in Anspruch. In seiner Darstellung vermeidet L. die Gefahr einer Aneinanderreihung von Juristenbiographien und verweist das reiche Faktenmaterial in Anmerkungsbände; er bringt seine umfassende nicht nur historische und juristische, sondern auch philosophische und literarische Bildung, seinen Sinn für inhaltliche Gewichtungen und sprachlichen Stil in das Werk ein, dessen 1. Halbband 1898 und dessen 2. 1910 erscheint. So gelingt es ihm, die erste und bis heute einzige alle Bereiche umfassende deutsche juristische Wissenschaftsgeschichte zu schreiben; dies in einer Verbindung von Materialkenntnis und geistesgeschichtlicher Einordnung, die für das Zeitalter des Positivismus besonders beachtlich ist und dem Werk bis heute seine Bedeutung als Grundlage aller weiterdringenden Forschung sichert. – Nach der Vollendung fühlte L. sich dem laufenden juristischen Wissenschaftsbetrieb entfremdet, nahm nur noch mit kleineren Anmerkungen und einigen Rezensionen (so zu Del Vecchios ›Grundprinzipien des Rechts‹ 1924/25 und Erik Wolfs Werk über Grotius, Pufendorf, Thomasius 1926/27) Stellung und wirkte bis zu seinem Tod als Rechtslehrer und geachtetes Mitglied der Bonner Fakultät.«
Dilcher, Gerhard, in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 511–512
- By (author) Ernst Landsberg
Other Titles in this Series
Kosten der Lebenshaltung in deutschen Großstädten.
I. Ost- und Norddeutschland. Untersuchungen über Preisbildung. Abteilung C: Kosten der Lebenshaltung. Erster Teil. (Schriften des Vereins für Sozialpolitik 145-I).
Die Milchversorgung norddeutscher Städte und Industriegebiete.
Milchwirtschaftliche Erzeugnisse. Zweiter Teil. (Schriften des Vereins für Sozialpolitik 140-II).
Die Zukunft der Sozialpolitik – Die Not der geistigen Arbeiter. Jubiläumstagung des Vereins für Sozialpolitik in Eisenach 1922.
Mit Beiträgen zum 50jährigen Jubiläum des Vereins. (Verhandlungen der Generalversammlung in Eisenach, 20. und 21. September 1922). Auf Grund der stenograph. Niederschrift hrsg. vom Vorstand. (Schriften des Vereins für Sozialpolitik 163).
Die Auslandskredite in ihrer finanziellen, wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung.
Finanzwissenschaftliche Untersuchungen, dritter Teil. Wissenschaftliche Gutachten. (Schriften des Vereins für Sozialpolitik 174-III).
Der Entwurf eines bürgerlichen Gesetzbuches in Bezug auf Armenpflege und Wohlthätigkeit.
Offene Pflege für ungefährliche Irre – Der gegenwärtige Stand der Sommerpflege für arme Kinder – Aufsicht über die örtliche öffentliche Armenpflege – Die Grenzen der Wohlthätigkeit. (Schriften des deutschen Vereins für Armenpflege und Wohlthätigkeit
Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der 18. Jahresversammlung des deutschen Vereins für Armenpflege und Wohlthätigkeit am 29. und 30. September 1898 in Nürnberg.
Mit einem die gesamten, bis 1898 erschienenen Schriften des Vereins umfassenden Sachregister. (Schriften des deutschen Vereins für Armenpflege und Wohlthätigkeit 40).
Die Verstaatlichung des Kredits.
(Mutualisierung des Kredits). Gekrönte Preisschrift der Travers-Borgstroem-Stiftung in Bern.
Untersuchungen über die Diskontierung von Buchforderungen und ihre volkswirtschaftliche Bedeutung in Deutschland.
Das anglonormannische Erbfolgesystem.
Ein Beitrag zur Geschichte der Parentelenordnung nebst einem Excurs über die älteren normannischen Coutumes.
Das Problem des Normalen in der Nationalökonomie.
Beitrag zur Erforschung der Störungen im Wirtschaftsleben.
Österreichs Wirtschaftsbilanz.
Ein Vergleich mit der Vorkriegszeit. Im Rahmen der vom Deutschen Industrie- und Handelstag veranstalteten Untersuchung der europäischen Länderbilanzen bearb. von Franz Haber im Auftrag der Industrie- und Handelskammer München.
Die Vorgeschichte des Sächsischen Eisenbahnwesens.
(Abhandlungen aus dem volkswirtschaftlichen Seminar der Technischen Hochschule zu Dresden, Heft 6).
Geschichte der deutschen Kaiserzeit.
Dritter Band: Das Kaiserthum im Kampfe mit dem Papstthum. (2 Bde.: XXXI, 771 S.; S. 773–1323).
Der Arbeitsnachweis.
Eine sozialpolitische Studie. (Erweiterter Sonderabdruck aus der "Sozialen Praxis").
Deutsche Wirthschaftsgeschichte.
Erster Band: Deutsche Wirthschaftsgeschichte bis zum Schluss der Karolingerperiode.
Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie.
Siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft. (Ausgewählte Werke, Band I).
Gedächtnisrede auf Stadtrat Dr. jur. Emil Münsterberg,
gehalten am 2. April 1911 im Festsaale des Berliner Rathauses. Nebst einem Verzeichnis der Schriften Emil Münsterbergs als Anhang.
Die Bauernbefreiung
und der Ursprung der Landarbeiter in den älteren Theilen Preußens. Erster Band: Überblick der Entwicklung. (Ausgewählte Werke, Band II).
Die Entstehung des österreichischen Deutschthums.
Erster Band: Die Anfänge deutschen Lebens in Österreich bis zum Ausgange der Karolingerzeit. Mit Skizzen zur keltisch-römischen Vorgeschichte.
Dreibund und Dreiverband.
Die diplomatische Vorgeschichte des Weltkriegs. Übersetzt von Alexander von Normann.
Lebensläufe.
Eine baltische Geschichte aus dem vorigen Jahrhundert für die Gegenwart bearb. von Alexander von Oettingen. Jubelausgabe in drei Büchern (I: Im Elternhause, II: Auf der Wanderschaft, III: Zur Heimath).
Geschichte der römischen Republik.
Zweiter Band, bis zur Schlacht bei Actium. Nach dessen hinterlassenen Papieren und Vorlesungen hrsg. von Georg Thouret.
Die Baumwolle
nach Geschichte, Anbau, Verarbeitung und Handel, sowie nach ihrer Stellung im Volksleben und in der Staatswirtschaft. Im Auftrage und mit Unterstützung der Bremer Baumwollbörse bearbeitet und herausgegeben.
Similar Books
Balthasar Caymox of Nuremberg
Early Modern German Print Publishers: Popular Prints of the Seventeenth Century
Constitutional Conflict as Judicial Civil Disobedience and Conscientious Objection
Reconceptualising National Constitutional Court Rulings in the European Union Legal Space
East Meets West: Justice, Law, and Politics
The 13th Kobe Lecture and the 2nd IVR Japan International Conference, Chiba, September 2023
False Friends in Comparative Law
Advantages and Risks of Legal Transplants in Civil Law – the Polish-German Perspective
Formulary apportionment in international tax law
An allocation method for the age of globalization and digitalization
Volume 210
Hofmann oder Vorkämpfer der „philosophes“?
Deutsche Voltaire-Bildnisse und -Imaginationen im Zeitalter der Aufklärung
Law, Economics, and Inequalities in the Welfare State
Proceedings of the Special Workshops held at the 31st World Congress of the International Association for Philosophy of Law and Social Philosophy in Seoul, Republic of Korea, 2024
Legal Pluralism and the Tajik Experience of Xinjiang
Between Custom and the Chinese State: An Ethnographic Perspective
Legal Unification through Case Law?
Supreme Courts and the Emergence of Uniform Law in the Modern Era
Volume 242
Liturgia semper reformanda
Adaptations and accommodations in the liturgy in light of canon 838 of the Code of Canon Law
The Documentation of Historical Facts in Trial Judgments of the International Criminal Court
A Constitutional Theory of International Criminal Proceedings
Volume 66
The EPPO/OLAF Compendium of National Procedures: Estonia
Desktop codes on the procedural law of the Member States with annotations by national experts
The EPPO/OLAF Compendium of National Procedures: Greece
Desktop codes on the procedural law of the Member States with annotations by national experts
The EPPO/OLAF Compendium of National Procedures: Italy
Desktop codes on the procedural law of the Member States with annotations by national experts
The Right to Regulate of Developing Countries in International Investment Law
A Contextual Approach to International Investment Agreements
Volume 11
Linguistic and Cultural Dynamics in a Frontier Society
New Perspectives on Northeastern Bavaria and Western Bohemia in the Early Middle Ages
Volume 9
The Law of the International Civil Service
Institutional Law and Practice in International Organisations
“Aktenzeichen XY … ungelöst”, Facebook und Co.
Chancen und Risiken der Einbeziehung der Öffentlichkeit in das strafprozessuale Ermittlungsverfahren
Volume 476
“Das Grundgesetz ist unsere Leitkultur”
Eine verfassungsrechtliche und -theoretische Annäherung an die Gleichsetzung von Grundgesetz und Leitkultur
Volume 1595
“Sachkunde” als Beweisquelle im Strafprozess
Defizite der Verteidigungsrechte bei der Gewinnung und Verwertung von außerjuristischem Erfahrungswissen
Volume 340
(Bloß) symbolische Rechtsetzung
Eine interdisziplinäre Untersuchung der deutschen Glücksspielregulierung auf ihre funktionelle und symbolische Wirkung
(Keine) Haftung für Produktfehler?
Eine Untersuchung des deutschen und neuseeländischen Rechts zum Ausgleich von Personenschäden durch fehlerhafte Produkte
(Personen-)Gesellschaften im Erbschaftsteuerrecht
Vorgaben des Leistungsfähigkeitsprinzips für die Besteuerung. Zugleich eine kritische Auseinandersetzung mit § 2a ErbStG
Active Space Debris Removal
Rechte und Pflichten der Staaten im Kontext der aktiven Weltraumabfallbeseitigung
Volume 268
Aktionärsklagen in Deutschland und Hongkong
Rechtsdogmatik. Rechtsökonomik. Rechtsvergleich.
Volume 37
Aktuelle Perspektiven für eine Europäische Sozialunion –
mit Bezügen zum Sozialversicherungsrecht
Volume 42
