Verfassungsgebung und Verfassungskonflikt.
Das Kurfürstentum Hessen in der ersten Ära Hassenpflug 1830 - 1837.
By (author) Ewald Grothe
Paperback (Published)
(February 1996)
ISBN: 9783428085095
6.18 x 9.17 inches
Price: $189.00
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Die 1830er Jahre gelten als vorläufiger Höhepunkt der politischen Öffentlichkeit in Deutschland. Im Gefolge der Julirevolution von 1830 und im Umfeld des Harnbacher Festes feierte die frühliberale Bewegung ihre ersten spektakulären Erfolge; die konstitutionellen Landtage avancierten zur parlamentarischen »Vorschule« der Frankfurter Paulskirche. Nach dem Epochenjahr 1830 begann nicht ein politisches »Biedermeier«, sondern der »Vor-März«, die Vorgeschichte der Revolution von 1848/49.
Die vorliegende Untersuchung beruht auf der Auswertung von bisher weitgehend unbekannten Akten und Briefen aus über vierzig Archiven und Bibliotheken. Sie behandelt die Parlaments- und Verfassungsgeschichte eines Mittelstaates des Deutschen Bundes: des Kurfürstentums Hessen. Nach sozialrevolutionären Unruhen erlangte das nordhessische Territorium im Januar 1831 die damals fortschrittlichste Verfassung des Vormärz. Auf dieser staatsrechtlichen Grundlage entwickelten sich seit 1832/33 Auseinandersetzungen zwischen konservativer Regierung und liberalem Landtag, die in einen »permanenten Verfassungskonflikt« (Nipperdey) mündeten. Die wiederholten Ministeranklageverfahren gegen den Regierungschef Ludwig Hassenpflug erregten in ganz Deutschland Aufmerksamkeit.
Die Studie analysiert die Verfassungsentstehung 1830/31 und den politischen Entscheidungsprozeß zwischen Regent, Regierung und Landtag in der ersten Ministerzeit Hassenpflugs (1832 – 1837). Den zweiten Schwerpunkt bildet die Darstellung der parlamentarischen Frühzeit, in der sich bereits deutliche Ansätze einer politischen Fraktionierung im Landtag zeigten. Die Gesetzgebung, an der Regierung und Landtag gleichermaßen mitwirkten, stand im Zeichen konservativer Modernisierung.
Die Kontroverse um den Konstitutionalismus als Staatsform, welche die Verfassungshistoriker seit den sechziger Jahren beschäftigt, wird an dem neben Preußen bekanntesten Beispiel, dem kurhessischen Verfassungskonflikt, überprüft. Die detaillierte Analyse des politischen Geschehens der 1830er Jahre im Kurfürstentum Hessen zeigt die im konstitutionellen System bereits angelegten, im 19. Jahrhundert jedoch nicht zum Durchbruch kommenden Wandlungstendenzen.
Die Arbeit wurde ausgezeichnet mit dem Wilhelm-Liebknecht-Preis 1995 der Universitätsstadt Gießen.
- By (author) Ewald Grothe
»Am kurhessischen Beispiel kann Grothe die Schwächen und die Krisenanfälligkeit einer landständischen Verfassung mit Wahrung des monarchischen Prinzips nachweisen und zeigen, daß die deutsche konstitutionelle Monarchie kein stabiles, eigenständiges staatliches Ordnungsgefüge neben Absolutismus und Parlamentarismus darstellte. [...] Grothes exemplarische Arbeit darf als grundlegendes Werk für die Erforschung des deutschen Konstitutionalismus bezeichnet werden. Aber nicht nur das: Da er sich nicht in unhistorischen Abstraktionen verliert, sondern fest auf dem Boden des realen Geschehens in Hessen bleibt, ist sein Werk zugleich ein mindestens ebenso wertvoller Beitrag zu hessischen Landesgeschichte. Zudem ist es dank der klaren, stilsicheren und ballastfreien Sprache auch noch eine angenehme Lektüre.« Günter Hollenberg, in: Zeitschrift für hessische Geschichte und Landeskunde, 104/1999
»Grothe [...] unterstreicht mit seiner ungewöhnlich materialreichen Untersuchung nicht nur erneut seine hervorragenden Kenntnisse der kurhessischen Verfassungsprobleme. Es gelingt ihm in dieser Arbeit vielmehr auch, die einzelstaatliche Entwicklung auf eine sehr überzeugende Weise mit den Grundfragen deutscher Verfassungsgeschichte des 19. Jahrhunderts zu verknüpfen. [...] Dabei präsentiert er eine Fülle neuer Ergebnisse zu Wahlrecht, Wahlbewegungen und Wahlergebnissen, die Sozialstruktur des Landtages und die politische Differenzierung in die drei Hauptgruppen der Gouvernementalen, der gemäßigten sowie der entschiedenen Liberalen. Grothes Untersuchung zum liberalen Aufbruch und seinem Scheitern ist aufgrund der Materialfülle, der überzeugenden Analysen und der gelungenen Einordnung in übergreifende Fragen nicht allein als ein wichtiger Baustein zu einer modernen Geschichte des Kurfürstentums Hessen einzustufen, sondern muß zugleich als ein wesentlicher Beitrag zur Geschichte des deutschen Frühkonstitutionalismus gewürdigt werden.« Hans-Werner Hahn, in: Archiv für Sozialgeschichte, 38/1998
»Insgesamt ist die Arbeit von Grothe von hohem wissenschaftlichen Wert für die Rechts- und Verfassungsgeschichte des Kurfürstentums Hessen und sollte in keiner gepflegten landesgeschichtlichen Bibliothek fehlen.« Paul Kaller, in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung, 115/1998
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