Thomas von Cantimpré ›Liber de naturis rerum‹

Übersetzung des Textes der Redaktion III (Thomas III) eines Anonymus

Edited by Rudolf Kilian Weigand Revised by Janine Déus Revised by Dagmar Gottschall

Book cover: Thomas von Cantimpré ›Liber de naturis rerum‹

Extent: 395 pages

Publisher: Dr. Ludwig Reichert Verlag

Subjects: Literary Studies, Medieval Studies

Series: Wissensliteratur im Mittelalter

Language: German

Hardback (Published)

(February 2022)

ISBN: 9783752006452

6.69 x 9.49 inches

Price: $147.00

In stock

PDF (Published)

(February 2022)

ISBN: 9783752001969

Price: $123.00

Based on the encyclopaedia “Liber de natura rerum” by the Dominican Thomas of Cantimpré, the so-called ‘Thomas III’ version was produced by an anonymous editor in the 13th century. Out of interest in natural things themselves, he excerpted the found material, reprocessed it and rearranged it into 20 books with an idiosyncratic sequence. The abundance of surviving manuscripts of his editing documents the extraordinarily great medieval interest in this form of natural history, which was no longer predominantly spiritually oriented. This volume offers the New High German translation of the original Latin text published in vol. 54-1. With the help of the enclosed indexes, the Mhd. reception text can also be made accessible.


Unter der Bezeichnung ‘Thomas III’ lauft eine um 1250 verfasste und vor allem im bayerisch-osterreichischen Raum verbreitete Naturkunde-Enzyklopadie in lateinischer Sprache. Das Werk basiert auf den beiden Fassungen von ‘De natura rerum’ des Thomas von Cantimpre (um 1201 – um1270) und stellt sich als dritte neben seine zwei authentischen Redaktionen (‘Thomas I’, ‘Thomas II’; ed. Helmut Boese 1973), ohne von Thomas selbst zu sein. ‘Thomas III’ wahlt aus dem Text von ThomasI-II aus, fugt Material aus weiteren Quellen hinzu, arrangiert die Buchanordnung um und modifiziert den Text. Die Summe dieser Eingriffe vermittelt den Eindruck eines lebhaften Interesses an naturkundlichem Wissen. Zudem zeigt ‘Thomas III’ einen Mentalitatswandel: die naturkundliche ‘Neugier’ richtet sich auf die Dinge selbst und betrachtet nicht – wie noch im 12. Jahrhundert – Naturgegenstande vorwiegend als Ausgangsmaterial fur geistliche Ausdeutung. Diese neue Sicht auf die Natur ist ahnlich in den grossen Enzyklopadien des 13. Jahrhunderts (Thomas I-II, Bartholomaus Anglicus, Vincenz von Beauvais) greifbar, von denen ‘Thomas III’ sich im Benutzerkreis unterscheidet. Die Leser der erstgenannten sind Universitatsgelehrte, die von ‘Thomas III’ sind Klostergeistliche und – in bescheidenem Umfang – Laien. Damit hat das neue Bewusstsein die intellektuelle ‘middle class’ erreicht, die dann ihr Weltinteresse und ihr Wissen in Ubersetzungen an ein Laienpublikum weitergibt. Der Text von ‘Thomas III’ liefert so einen wichtigen Beitrag zur Bildungsgeschichte des Spatmittelalters. Bei der Wirkungsgeschichte von Thomas III tritt neben die enorme Verbreitung auch breite literarische Rezeption. Beispielhaft sei auf die erste Naturenzyklopadie in deutscher Sprache, Konrads von Megenberg ‘Buch der Natur’ verwiesen. Er folgt Thomas III als Hauptquelle oft so genau, dass sich bestimmen lasst, welche Redaktion er im jeweiligen Kapitel heranzieht. Fur die Beurteilung der Eigenleistung Konrads (und anderer volkssprachiger Rezipienten) ist ‘Thomas III’ in der nun vorliegenden Ubersetzung auch fur fachlich nicht vorgebildete Nutzer der mittelalterlichen Quellen ein einfach zu gebrauchendes Hilfsmittel. Insbesondere ermoglichen die mitgegebenen Register auch, mit Hilfe der nhd. Ubersetzung Beziehungen zwischen dem lateinischen Text von Bd. 54-1 und der mhd. Version in der Rezeption bei Konrad von Megenberg nachzuspuren.

Rudolf Kilian Weigand <br/><br/>*1955, Studium der Germanistik, Geschichte, Geographie und Rechtswissenschaft an der Universität Würzburg 1977-1983, Staatsexamen 1983, Dr. phil. 1987, Wiss. Mitarbeiter KU Eichstätt 1983-1994, Habilitation 1994, Oberassistent u. Wiss. Mitarbeiter Forschungsprojekte 1995-2000, Lehrstuhlvertretung 2000-2002, seit 2001 apl. Prof. für Germanistische Mediävistik an der Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt, Direktor und Leiter der Forschungsstelle für „Geistliche Literatur des Mittelalters“ (FGLM); Forschungsschwerpunkte: Mittelalterliche Enzyklopädik, Predigten und Predigtliteratur, Rechtsschrifttum und mittelalterliche Handschriftenkunde <br/><br/>Janine Déus <br/><br/>*1957, Studium der Lateinischen Philologie und Geschichte in Hamburg 1982-1992, M.A. Dr. phil. 1999, wiss. Mitarbeiterin DHI Paris, mehrfach wiss. Mitarbeiterin DFG-Projekte an der Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt. <br/><br/>Dagmar Gottschall <br/><br/>* 1959, Studium der Germanistik und der Klassischen Philologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Promotion in “Älterer deutsche Literaturwissenschaft” an der Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt 1989, Wiss. Mitarbeiterin an der KUEI bis 1996. Von 1996-2001 Vertragsprofessur für Deutsche Sprache an der Literaturwissenschaftlichen und Philosophischen Fakultät der Università del Salento (Lecce). Seit 2001 Professor für Germanische Philologie an dieser Fakultät. Mitglied der Italienischen Gesellschaft für Germanische Philologie (Assocazione Italiana di Filologia Germanica) und der Meister-Eckhart-Gesellschaft.<br/>

  • Edited by Rudolf Kilian Weigand
  • Revised by Janine Déus
  • Revised by Dagmar Gottschall