Ortolf von Baierland und seine lateinischen Quellen
Hochschulmedizin in der Volkssprache
By (author) Ortrun Riha
Hardback (Published)
(October 1992)
ISBN: 9783882265385
6.69 x 9.49 inches
Price: $61.00
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Ortolf von Baierland hat in seinem deutschsprachigen Arzneibuch einen Überblick über das heilkundliche Wissen seiner Zeit, des 13. Jahrhunderts, gegeben: Er benutzte die berühmtesten Vertreter der (lateinisch orientierten) Hochschulmedizin (Rhazes, Isaak Judaeus, Aegidius Corboliensis, Gilbertus Anglicus) als Vorlagen, gestaltete ihre Aussagen jedoch entscheidend um und ordnete den hochkomplizierten Inhalt seinem einfachen und griffigen Konzept unter.<br/>In der vorliegenden Studie werden diese allgemeinen Beobachtungen im Detail belegt. Dabei ergeben sich nicht nur zahlreiche Hinweise zur Textkritik und Kommentierung sowie erstmals eine genaue Strukturanalyse dieses bekannten mittelalterlichen medizinischen Lehrbuchs, sondern auch eine neue Sicht auf den Umgang mit Autoritäten und damit ein differenzierteres Bild von der zeitgenössischen Mentalität. Weitere Erkenntnisse betreffen Adressaten und Rezipienten des Werks, die Wege der Wissensweitergabe und die landessprachige (Wund-)Arztausbildung.
Ortolf von Baierland hat fur sein deutschsprachiges Arzneibuch nach eigener Aussage eine Vielzahl hochrangiger lateinischer Vorlagen verwendet. Diese Behauptung wurde in weiten Teilen schon vor langerer Zeit grundsatzlich verifiziert, wobei jetzt die Zahl der tatsachlich verwendeten Werke reduziert werden konnte. Die Grundlagenkapitel des Anfangsteils knupfen an Rhazes’ “Liber regius ad Almanorem” an, die Harndiagnostik basiert auf der Monographie des Isaac Judaeus und auf dem Lehrgedicht Gilles de Corbeils, der auch die Quelle fur die Sphygmologie verfasste, und die Verbindung zwischen den hippokratischen Aphorismen bzw. Prognosen und dem deutschen Text ist so eng, dass man hier sogar von einer Ubersetzung sprechen kann. Der internmedizinisch ausgerichtete Hauptteil beruht auf dem verbreiteten “Compendium medicinae” des Gilbertus Anglicus, aus dem uberraschenderweise auch die chirurgischen Nachtrage geschopft sind. Offen ist lediglich die endgultige Klarung der komplizierten Verhaltnisse beim offenbar kleinflachig kompilierten und neu strukturierten Aderlass-Kurztraktat. Als Handicap erwies sich immer wieder die bislang fehlende Aufarbeitung des lateinischen mittelalterlichen Schrifttums. Dennoch wurde ein Detailvergleich zwischen Quellenvorgabe und deutschem Text gewagt, der gleichzeitig eine moglichst exakte Analyse von Ortolfs Werk insgesamt sein will. Dieses erweist sich in seiner uberwiegend ausserst lockeren Verbindung zur jeweiligen Vorlage und in der extremen Verkurzung komplexer Zusammenhange nicht nur als eigenstandig formuliert: Uber die radikale Reduktion hinaus zeichnet sich sogar eine von Ortolf selbst entwickelte, ebenso einfache wie leistungsstarke zugrundeliegende Moralvorstellung ab, die als roter Faden vereinheitlichend das gesamte Lehrbuch durchzieht und zu deren Gunsten bedenkenlos sogar die Aussagen der Autoritaten umgebogen werden.
- By (author) Ortrun Riha
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