Täterschaft von Verbänden.
By (author) Julian Dust
Paperback (Published)
(July 2019)
ISBN: 9783428157174
6.18 x 9.17 inches
Price: $116.00
Out of stock
In der wissenschaftlichen Diskussion über die Reform des Unternehmenssanktionenrechts wird häufig die Frage vernachlässigt, ob der Täterbegriff des geltenden Strafrechts auf Verbände übertragen werden kann. Die vorliegende Untersuchung zeigt auf, dass sich die Täterschaft von Verbänden in die geltenden Strukturen einpassen lässt. Juristische Personen haben die Fähigkeit, nicht nur Normadressat, sondern selbst Normautor zu sein. Ebenso wie natürliche Personen haben sie Einfluss auf die Entstehung gleicher Freiheit, weshalb sie sich auch so organisieren müssen, dass sie dieser Freiheit gerecht werden.
In der wissenschaftlichen Diskussion uber die Reform des Unternehmenssanktionenrechts dominieren traditionell Uberlegungen, ob juristische Personen und Verbande schuldhaft handeln konnen. Daruber wird haufig die Frage vernachlassigt, ob der Taterbegriff des geltenden Strafrechts auf Verbande ubertragen werden kann. Die vorliegende Untersuchung zeigt auf, dass sich eine Taterschaft von Verbanden in die geltenden Strukturen einpassen lasst, womit zugleich ihre Voraussetzungen umgrenzt werden. Juristische Personen haben die Fahigkeit, nicht nur Normadressat, sondern selbst Normautor zu sein. Ebenso wie naturliche Personen haben sie Einfluss auf die Entstehung gleicher Freiheit, weshalb sie sich auch so organisieren mussen, dass sie dieser Freiheit gerecht werden. Zur Gestaltung des Organisationskreises des Verbandes sind dessen Leitungspersonen berufen, deren Handlungen dem Verband als eigene zugerechnet werden konnen. Eine Taterschaft im Sinne des geltenden Strafrechts resultiert hieraus nur dann, wenn die Anknupfungstat als personales Unrecht der juristischen Person missbilligt wird. Der Autor resumiert, dass eine solche Verbandstaterschaft in 30 OWiG adaquat umgesetzt ist, nicht dagegen im EU-Kartellrecht.
A. Problematik: Sind juristische Personen Täter?
Begriff der Verbandstäterschaft – Definition von Verbänden und Tätern – Die Übertragung auf das Verbandsstrafrecht
B. Methodik
Problematik – Konstruierbarkeit der Verbandstäterschaft durch Auslegung – Reichweite und Grenzen der Rechtsschöpfung
C. Verbände als Normadressaten und Normautoren
Funktion und Inhalt der Rechtspersönlichkeit im Individualstrafrecht – Die juristische Person als Täter im Verbandsstrafrecht – Die juristische Person als Bußgeldadressat in § 30 OWiG – Die wirtschaftliche Einheit als Täter im EU-Kartellrecht
D. Tathandlungen von Verbänden
Die Rechtsverletzung durch die Tathandlung – Die Rechtsverletzung durch die juristische Person – Die Anknüpfungstat in § 30 OWiG – Die Anknüpfungstat im EU-Kartellrecht
E. Der Unrechtsvorwurf gegenüber Verbänden
Der Unrechtsbegriff im Individualstrafrecht – Der Unrechtsbegriff im Verbandsstrafrecht – Der Unrechtsbegriff in § 30 OWiG – Der Unrechtsbegriff im EUKartellrecht
F. Täterschaft und Tatherrschaft
Grundlagen der Tatherrschaftslehre – Übertragung der Tatherrschaftslehre auf das Verbandsstrafrecht – Anwendung auf § 30 Abs. 1 OWiG – Anwendung auf das EU-Kartellrecht
G. Zusammenfassung und Ergebnis
Bestätigung der Arbeitshypothese: Der Strafbegriff als Grundlage eines übergreifenden Täterbegriffs – Die Konstruktion einer Täterschaft von Verbänden anhand der Rechtspersönlichkeit – Die finale Rechtsverletzung von Verbänden als Voraussetzung der Täterschaft – Die Missbilligung der Rechtsverletzung als personales Unrecht des Verbandes – Täterschaft von Verbänden als tatbestandliche Herrschaft
Literatur- und Stichwortverzeichnis
- By (author) Julian Dust
»Die Dissertation ist mit Blick auf die deutsche Schwerpunktsetzung in der Strafrechtsdogmatik gerade für Vertreter aus der Wissenschaft lesenswert und überzeugt vor allem durch eine konzise Darstellung sowie ihren stringenten Aufbau. Das gut gegliederte Inhaltsverzeichnis zu Beginn und das Stichwortverzeichnis am Ende der Dissertation helfen dem Leser, die ihn interessierenden Punkte sofort aufzufinden. Das sehr umfangreiche Literaturverzeichnis ermöglicht dem Leser zudem, sich im Bedarfsfall mit den für ihn relevaten Fragestellungen noch ausführlicher zu befassen.« Dr. Florian Eichner, in: Journal der Wirtschaftsstrafrechtlichen Vereinigung e.V., 1/2021
»§ 30 Abs. 1 OWiG entspricht im Ansatz dem Unrechtsbegriff des Strafrechts in minderer Schwere, sodass es legitim ist, ihn auf das Strafrecht zu übertragen. Damit leistet die Arbeit eine dogmatische Hilfe zur Überwindung von Bedenken gegen die Einführung eines Verbands- bzw. Unternehmensstrafrechts, an denen bislang alle politischen Initiativen gescheitert sind.« Hasso Lieber, in: Richter ohne Robe, Bd. 31, Heft 4/2019
»Zusammenfassend handelt es sich um eine engagiert geschriebene, anregende Untersuchung, die gewiss das Nachdenken über ihren Gegenstand befördert.[...]« Prof. Dr. Hans Achenbach, in: Wirtschaft und Wettbewerb, Nr. 4/2020
»Zusammenfassend handelt es sich um eine Arbeit, die ohne Einschränkung als glänzender Wurf zum Verbandsstrafrecht bezeichnet werden kann. Sprachlich gut gefasst, weiß sie dem Leser ein anspruchsvolles Konzept darzulegen und regt das strafrechtliche Nachdenken an. Allerdings benutzt Verf. dabei mitunter weniger die Form einer Dissertation als diejenige eines Manifests. Abschließend gilt daher in mehrfachem Sinne: Von diesem Autor hätte man sehr gerne mehr gelesen!« Prof. Dr. Martin Asholt, in: JuristenZeitung, 15-16/2020
—
Other Titles in this Series
Das strafrechtliche Bagatellprinzip.
Eine strafrechtsdogmatische und kriminalpolitische Untersuchung.
Volume 57
Ohne Schuld und Sühne.
Versuch einer Synthese der Lehren der défense sociale und der kriminalpolitischen Vorschläge der modernen deutschen Hirnforschung.
Volume 219
Zur Problematik der Tatbestandsalternativen im Strafrecht.
Zugleich ein Beitrag zur Lehre vom strafrechtlichen Tatbestandsmerkmal.
Volume 177
Die strafrechtliche Verantwortung von Pressemitarbeitern vor dem Hintergrund des Wandels vom Printjournalismus zur elektronischen Presse
Volume 433
Die Anwendbarkeit der Bewährungsvorschriften gemäß §§ 56 ff. StGB auf die Ersatzfreiheitsstrafe nach § 43 StGB.
Eine Untersuchung zur Rechtsnatur der Ersatzfreiheitsstrafe im Besonderen.
Volume 398
Das besondere öffentliche Interesse an der Strafverfolgung bei relativen Antragsdelikten.
Volume 372
Meinungsfreiheit für die Feinde der Freiheit?
Meinungsäußerungsdelikte zum Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung als Instrumente der wehrhaften Demokratie.
Volume 348
Die Wechselwirkung zwischen Strafe und Sicherungsverwahrung bei der Strafzumessung.
Zugleich ein Versuch der Bestimmung des Verhältnisses von Strafe und Sicherungsverwahrung nach vorpositiven Begründungssätzen und geltender Rechtslage.
Volume 318
Funktionales Denken im Strafrecht.
Programmatische Vorüberlegungen zu einer funktionalen Methode der Strafrechtswissenschaft.
Volume 20
Durchführung von HIV-Tests ohne den Willen des Betroffenen.
Pflicht und Befugnis zur Befundmitteilung aus der Sicht des Strafrechts.
Volume 82
Präventionsmodelle in der deutschen Strafzweck-Diskussion.
Beziehungen zwischen Rechtsphilosophie, Dogmatik, Rechtspolitik und Erfahrungswissenschaften.
Volume 71
Forschung an Einwilligungsunfähigen.
Insbesondere strafrechtliche und verfassungsrechtliche Aspekte der fremdnützigen Forschung.
Volume 278
Abhandlungen zum Strafprozessrecht und zum Strafrecht.
Ausgewählte Aufsätze. Hrsg. von Michael Hettinger.
Volume 252
Der Strafgedanke in seiner historischen Entwicklung.
Ringvorlesung zur Strafrechtsgeschichte und Strafrechtsphilosophie.
Volume 189
Die Wohnung im Recht.
Unter besonderer Berücksichtigung des Wohnungsbegriffs in § 244 Abs. 1 Nr. 3 StGB.
Volume 149
Die strafrechtliche Geschäftsherrenhaftung für Menschenrechtsverletzungen bei transnationalen Unternehmenstätigkeiten
Volume 467
Der Einfluss von Sachverständigen.
Eine empirische Untersuchung am Beispiel der Strafgesetzgebung.
Volume 407
Strafbarkeit politischer Fake News.
Zugleich eine Untersuchung zum materiell-rechtlichen Umgang mit der Informationswahrheit in Zeiten demokratiegefährdender Postfaktizität.
Volume 383
Die Kooperation von Unternehmen mit deutschen Strafverfolgungsbehörden.
Internal Investigations, Mitarbeiterinterviews und nemo-tenetur-Grundsatz.
Volume 358
Sanktionen gegen Wirtschaftskriminalität.
Eine vergleichende Untersuchung der repressiven, präventiven und schadenskompensierenden Normensysteme zur Verhinderung von Wirtschaftskriminalität in Unternehmen.
Volume 328
Strafrecht als letztes Mittel
Sprachliche und kognitive Verzerrungen des ultima-ratio-Prinzips
Volume 483
Similar Books
Legal Pluralism and the Tajik Experience of Xinjiang
Between Custom and the Chinese State: An Ethnographic Perspective
Linguistic and Cultural Dynamics in a Frontier Society
New Perspectives on Northeastern Bavaria and Western Bohemia in the Early Middle Ages
Volume 9
Liturgia semper reformanda
Adaptations and accommodations in the liturgy in light of canon 838 of the Code of Canon Law
The Documentation of Historical Facts in Trial Judgments of the International Criminal Court
A Constitutional Theory of International Criminal Proceedings
Volume 66
Althochdeutsche Stabreimdichtungen
Hildebrandslied, Muspilli und kleinere Denkmaler. Von Grund auf neu ediert, mit Erschliessungshilfen versehen, ubersetzt und eingeleitet von Frank Schafer
Auf Gedeih und Verderb
Die Pestiziddebatte seit dem Kaiserreich zwischen Hunger, Profit und Massenmord
Credit Default Swap-Aktivismus
Eine ökonomische Analyse und rechtliche Bewertung der Einflussnahme von Credit Default Swap-Investoren auf Unternehmen
Die Konjunkturkomponente des Grundgesetzes
Die konjunkturbedingte Kreditaufnahme im System der Kreditermächtigungen, europarechtlichen und gesamtwirtschaftlichen Verpflichtungen der Finanzverfassung
Die Pfingstbewegung in Deutschland während der Zeit des Nationalsozialismus
Kontinuitäten und Diskontinuitäten von der Weimarer Republik bis zur frühen Bundesrepublik
Indirekte Enteignung
Verfassungsunmittelbar gebotene Entschädigungspflicht im Spiegel des Mehrebenensystems
Kollektivismus und Individualismus im Aktienrecht
Zum Einfluss aktienrechtlicher Paradigmen auf die Rechtsentwicklung in Deutschland und den USA
Künstlervertragsmodelle in der Musikwirtschaft
Rechtliche Grenzen der künstlerbezogenen Nebenrechteverwertung im Erlös-, Vermittlungs-, Options- und Leistungsmodell
Mehrdimensionale Diskriminierungen
Rechtliche Erfassung von Intersektionalität und Benachteiligungsstrukturen am Beispiel von Art. 3 Abs. 3 GG
Protestantische Identitäten und evangelische Texte um 1900
Schriften und Biografica der Pfarrer Julius Antonius, Julius Ergenzinger, Alfred Formey, Cornelius Wilkens und Paul von Zimmermann. Unter Mitarbeit von Teresa Emich
Rechtssubjektivität für Künstliche Intelligenz
Eine Untersuchung von Zuerkennungsgründen für die "ePerson"
Schadensrecht im Wandel
A Turning Point for Punitive Damages? / Zeitenwende beim Strafschadensersatz? Volume II
