Irrtum über normative Tatbestandsmerkmale.

Eine Verortung der subjektiven Zurechnung innerhalb der verfassungsrechtlichen Koordinaten des Bestimmtheitsgrundsatzes und des Schuldprinzips.

By (author) Konstantina Papathanasiou

Book cover: Irrtum über normative Tatbestandsmerkmale.

Extent: 320 pages

Publisher: Duncker & Humblot

Subjects: German Studies, Law

Series: Schriften zum Strafrecht

Series volume number: 261

Language: German

Paperback (Published)

(May 2014)

ISBN: 9783428142019

6.18 x 9.17 inches

Price: $127.00

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Wie viel Wissen macht strafbar? Welche Rolle spielen der Bestimmtheitsgrundsatz und das Schuldprinzip für die strafrechtliche Irrtumslehre? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Papathanasiou in ihrer Arbeit und begründet als Lösung die verfassungsbezogene Formel der »Widerspiegelung der gesetzgeberischen Grundentscheidung im Verständnishorizont des Täters«, um die Schwächen der Parallelwertung in der Laiensphäre auszugleichen und den Bürger vor einer Ausuferung der strafrechtlichen Verantwortung zu schützen.


Auf der Suche nach dem Vorsatzgegenstand fundiert Papathanasiou die strafrechtliche Irrtumslehre aus der Perspektive der Verfassung mit dem Ziel, die Schwachen der Parallelwertung in der Laiensphare auszugleichen und den Burger in verfassungskonformer Weise vor einer Ausuferung der strafrechtlichen Verantwortung zu schutzen. Die Autorin setzt sich einerseits mit den verschiedenen Ansatzen, die zur Losung des Ratsels des Irrtums uber normative Tatbestandsmerkmale entwickelt wurden, andererseits mit der Trennung des Tatbestands- vom Verbotsirrtum und somit mit dem Gegensatzpaar von Vorsatz- und Schuldtheorie auseinander. Die Ausfuhrungen munden in zwei Desideraten: Erstens, normativ gepragte Merkmale im Allgemeinen zu thematisieren, so dass die anzuwendenden Vorsatzerfordernisse von vornherein bekannt sind und nicht von der willkurlichen Klassifizierung eines Merkmals (z.B. als Blankett-, normatives oder gesamttatbewertendes Merkmal) abhangen; dabei sind individuelle Fahigkeiten des Taters schon fur seinen Vorsatz mit zu berucksichtigen. Der Irrtum uber normativ gepragte Merkmale ist zuallererst ein Tatbestandsirrtum. Zweitens, die Schuldtheorie einheitlich sowohl im Kern- als auch im Nebenstrafrecht anzuwenden. So kommt Papathanasiou zu ihrer (erstmals in ihrem Beitrag zur Festschrift fur Claus Roxin, 2011, S. 467 ff., eingefuhrten) Formel der Widerspiegelung der gesetzgeberischen Grundentscheidung im Verstandnishorizont des Taters: Ausgehend von der Frage, ob das herkommliche Verstandnis von der sozialen Bedeutung der Norm, auf die die Parallelwertung in der Laiensphare bezogen wird, den Anforderungen der Verfassung Rechnung tragt, wird die subjektive Zurechnung innerhalb der verfassungsrechtlichen Koordinaten des Bestimmtheitsgrundsatzes und des Schuldprinzips verortet.

Einleitung

1. Der Status quo der normativen Tatbestandsmerkmale innerhalb der Irrtumsdogmatik

Präliminarien – Die Palette der Irrtumsdogmatik – Verdeutlichung der herausgearbeiteten Problemstellungen anhand konkreter Straftatbestände – Zwischenergebnis I: Normativ geprägte Merkmale und Abstellen auf den konkreten Täter

2. Topoi des Unrechtsbewusstseins und die Dichotomie von Irrtümern

Vorab – Das Gegensatzpaar: Vorsatz- vs. Schuldtheorie – Die Auffassung, nach der im Kernstrafrecht die Schuld-, im Nebenstrafrecht die Vorsatztheorie anzuwenden ist – Zwischenergebnis II: Gewährleistung des Bedarfs an Einheit und Konsequenz durch die (weichere) Schuldtheorie

3. Die Widerspiegelung der gesetzgeberischen Grundentscheidung im Verständnishorizont des Täters (WGVT-Formel)

Abschied von der Figur der Parallelwertung in der Laiensphäre: Zum Verständnishorizont des Täters – Die verfassungsrechtliche Fundierung der WGVT-Formel – Die Widerspiegelung

Zusammenfassung, Literatur- und Stichwortverzeichnis

  • By (author) Konstantina Papathanasiou

Review - German Als Kommentator ist man stets bemuht, angesichts der steigenden Literaturflut die repetitive Spreu vom fruchtbaren Weizen zu trennen [...]. Papathanasious couragierte und kenntnisreiche Untersuchung fallt ohne Frage in die zweite Kategorie. [...] Bei der Lekture wird der Leser auf viele neue und neu zusammengefugte Gedanken stossen, die wiederum Anlass zu weiteren Uberlegungegn geben Prof. Dr. Frank Peter Schuster, in: Goltdammer's Archiv fur Strafrecht, 1/2016Aus hiesiger Sicht besteht das Verdienst der geistreichen Untersuchung vor allem darin, dass sie nicht nur die neuralgischen Punkte der Parallelwertung in der Laiensphare aufzeigt, sondern mit der WGVT-Formel einen griffigen Bewertungsmassstab prasentiert. Prof. Dr. Martin Paul Wassmer, in: Archiv fur Kriminologie, Bd. 235, 5-6/2015

»Als Kommentator ist man stets bemüht, angesichts der steigenden Literaturflut die ›repetitive Spreu vom fruchtbaren Weizen‹ zu trennen [...]. Papathanasious couragierte und kenntnisreiche Untersuchung fällt ohne Frage in die zweite Kategorie. [...] Bei der Lektüre wird der Leser auf viele neue und neu zusammengefügte Gedanken stoßen, die wiederum Anlass zu weiteren Überlegungegn geben« Prof. Dr. Frank Peter Schuster, in: Goltdammer's Archiv für Strafrecht, 1/2016

»Aus hiesiger Sicht besteht das Verdienst der geistreichen Untersuchung vor allem darin, dass sie nicht nur die neuralgischen Punkte der ›Parallelwertung in der Laiensphäre‹ aufzeigt, sondern mit der WGVT-Formel einen griffigen Bewertungsmaßstab präsentiert.« Prof. Dr. Martin Paul Waßmer, in: Archiv für Kriminologie, Bd. 235, 5-6/2015