Die Theologie Calvins im Rahmen der europaischen Reformation
by Christian Link
Hardback (Published)
(July 2021)
ISBN: 9783525501832
6.06 x 9.09 inches
Price: $42.00
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Der Versuch einer Gesamtdarstellung des theologischen Werkes Calvins ist seit der ersten Halfte des 20. Jahrhunderts nicht mehr unternommen worden. Das Jubeljahr 2009 hat eine Fulle ausgezeichneter Einzel- studien und Sammelwerke besonders auf dem Gebiet der biographischen und historischen, zum Teil auch der systematischen Forschung hervorgebracht. Doch die Interessen der alteren Forschung liessen sich damit nicht befriedigen. Damals fragte man: Gibt es eine “Mitte”, eine Art Gravitationszentrum seiner Theologie, vergleichbar der Rechtfertigungslehre im Luthertum, um das sich die Themen und Perspektiven seiner Theologie gruppieren liessen? Von der Abendmahlslehre lasst sich das nicht sagen. Auch die Suche nach einem “Central-dogma” (Alexander Schweizer), einer Art “Materialprinzip”, hat sich als ein Irrweg erwiesen. Der Schluss liegt nahe, dass schon die Frage nach einem solchen einheitstiftenden Prinzip oder Schlussel falsch gestellt sein konnte, sich jedenfalls nicht mit der Angabe eines inhaltlichen Elementes oder Problems seiner Theologie beantworten lasst. An dieser Erwartung jedenfalls sollte man Calvin nicht langer messen. Auf sehr viel sichererem Boden steht man, wenn man sich, auch systematisch fragend, an die von ihm selbst aus seinen exegetischen Arbeiten hervorgegangenen Gliederungsgesichtspunkte der Institutio halt. Da ist zweimal pointiert von der Erkenntnis Gottes (aus der Natur und aus der Schrift) die Rede, sodann von der subjektiven Aneignung dieser Erkenntnisse im christlichen Leben und schliesslich, gleichsam als Konvergenzpunkt des Ganzen, von der schriftgemassen Verfassung der Kirche, die der Ort der Bewahrung jener Erkenntnisse sein sollte. Von diesem Zielpunkt aus und auf ihn bezogen steht das Erkenntnisproblem – konkret:die moglichst genaue Textinterpretation – im Zentrum der vorliegenden Arbeit. Dabei meint Erkenntnis nicht das theoretische Verhalten des modernen Zuschauers, sondern setzt dessen Einbezogensein, sein “Mitspielen”, also seine verantwortliche Teilnahme an der Schopfung, an dem Prozess der Versohnung und am Weg der Kirche voraus. Denn die biblische Voraussetzung, dass er, der Mensch, es in jeder Lebenslage mit dem lebendigen Gott zu tun hat und von ihm auf den Weg gesetzt wird, ist der eigentliche Lebensnerv des calvinischen Unter- richts.
Der Versuch einer Gesamtdarstellung des theologischen Werkes Calvins ist seit der ersten Halfte des 20. Jahrhunderts nicht mehr unternommen worden. Das Jubeljahr 2009 hat eine Fulle ausgezeichneter Einzel- studien und Sammelwerke besonders auf dem Gebiet der biographischen und historischen, zum Teil auch der systematischen Forschung hervorgebracht. Doch die Interessen der alteren Forschung liessen sich damit nicht befriedigen. Damals fragte man: Gibt es eine “Mitte”, eine Art Gravitationszentrum seiner Theologie, vergleichbar der Rechtfertigungslehre im Luthertum, um das sich die Themen und Perspektiven seiner Theologie gruppieren liessen? Von der Abendmahlslehre lasst sich das nicht sagen. Auch die Suche nach einem “Central-dogma” (Alexander Schweizer), einer Art “Materialprinzip”, hat sich als ein Irrweg erwiesen. Der Schluss liegt nahe, dass schon die Frage nach einem solchen einheitstiftenden Prinzip oder Schlussel falsch gestellt sein konnte, sich jedenfalls nicht mit der Angabe eines inhaltlichen Elementes oder Problems seiner Theologie beantworten lasst. An dieser Erwartung jedenfalls sollte man Calvin nicht langer messen. Auf sehr viel sichererem Boden steht man, wenn man sich, auch systematisch fragend, an die von ihm selbst aus seinen exegetischen Arbeiten hervorgegangenen Gliederungsgesichtspunkte der Institutio halt. Da ist zweimal pointiert von der Erkenntnis Gottes (aus der Natur und aus der Schrift) die Rede, sodann von der subjektiven Aneignung dieser Erkenntnisse im christlichen Leben und schliesslich, gleichsam als Konvergenzpunkt des Ganzen, von der schriftgemassen Verfassung der Kirche, die der Ort der Bewahrung jener Erkenntnisse sein sollte. Von diesem Zielpunkt aus und auf ihn bezogen steht das Erkenntnisproblem – konkret:die moglichst genaue Textinterpretation – im Zentrum der vorliegenden Arbeit. Dabei meint Erkenntnis nicht das theoretische Verhalten des modernen Zuschauers, sondern setzt dessen Einbezogensein, sein “Mitspielen”, also seine verantwortliche Teilnahme an der Schopfung, an dem Prozess der Versohnung und am Weg der Kirche voraus. Denn die biblische Voraussetzung, dass er, der Mensch, es in jeder Lebenslage mit dem lebendigen Gott zu tun hat und von ihm auf den Weg gesetzt wird, ist der eigentliche Lebensnerv des calvinischen Unter- richts.
- By (author) Christian Link
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