Die Kniga palomnik des Antonij von Novgorod

Edition, Übersetzung, Kommentar

By (author) Anna Jouravel

Book cover: Die Kniga palomnik des Antonij von Novgorod

Extent: 416 pages

Publisher: Dr. Ludwig Reichert Verlag

Subjects: Medieval Studies, Slavic Studies

Series: Imagines Medii Aevi. Interdisziplinäre Beiträge zur Mittelalterforschung

Series volume number: 47.0

Language: German

Hardback (Published)

(March 2020)

ISBN: 9783954904587

Price: $147.00

Out of stock

PDF (Published)

(September 2020)

ISBN: 9783954906703

Price: $123.00

The Kniga Palomnik, a pilgrim report written in 1200 by the Russian pilgrim Dobrynja Jadrejkovic (the future Archbishop Anthony of Novgorod) is known as the most detailed and, at the same time, most confusing description of the sacred places and relics of Constantinople on the eve of its plunder in 1204. This work provides a new commented critical edition of the text. It opposes the entrenched scientific opinion regarding the number of the text’s redactions, its dissemination or the time and date of its record. Moreover, it shows how the author’s reputedly confused modus operandi might be untangled by taking into consideration the whole manuscript tradition and the text structure. His report can hence be considered as an authoritative historical source.


English summary: The Kniga Palomnik, a pilgrim report written in 1200 by the Russian pilgrim Dobrynja Jadrejkovic (the future Archbishop Anthony of Novgorod) is known as the most detailed and, at the same time, most confusing description of the sacred places and relics of Constantinople on the eve of its plunder in 1204. The text, which is preserved in manuscript miscellanies from the 16th-18th century, however, is only known from a Russian edition prepared in 1899, which was based on about half of the manuscripts known today and hence provides a distorted image of the author as somebody whose confusing travel notes emerge from a fading memory, leading to a dislocation of churches and a contamination of travelling routes. This work provides a new commented critical edition of the text. It opposes the entrenched scientific opinion regarding the number of the text’s redactions, its dissemination or the time and date of its record. Moreover, it shows how the author’s reputedly confused modus operandi might be untangled by taking into consideration the whole manuscript tradition and the text structure. His report can hence be considered as an authoritative historical source. With its layout, the edition addresses a broader circle of recipients than it is customary for historical-critical editions. The manuscript text is presented unchanged (although accompanied by a critical apparatus). It is, however, confronted with its (German) translation, which at the same time is a reconstruction and reinterpretation of the text. The detailed explanation of the provided reconstruction proposals is to be found in the commentary which precedes the edition. The transparency of actual transmission and hypothetical reconstruction is ensured by various typographical emphases. It is thus possible to read the text in the translation as it was presumably intended by the author, and at the same time to retrace the editor’s text-critical decision by concidering the given complete and authentic textual tradition. Therefore, from the philological point of view, the edition offers a new text basis for further research into the characteristics, the transmission and reception of Russian pilgrim literature; and from the historical and archaeological perspective, it provides access to a textual source which is crucial for the reconstruction of the sacred topography of the former Byzantine capital. German description: Bei der Kniga Palomnik, einem um 1200 verfassten Reisebericht eines russischen Pilgers, des spateren Erzbischofs Antonij von Novgorod, handelt es sich um die ausfuhrlichste erhaltene Beschreibung der Heiligtumer Konstantinopels vor seiner Plunderung im Jahr 1204. So wertvoll diese Stadtbeschreibung vor allem im Hinblick auf die Rekonstruktion der sakralen Topographie der Stadt ist, so problematisch ist ihre Lekture. Der in Sammelbanden des 16.-18. Jhs. uberlieferte altrussische Text gilt seit seiner russischen Erstausgabe von 1899 als verworren und stellenweise unverstandlich. Die hier vorgelegte Arbeit bietet eine kommentierte Neuausgabe und -ubersetzung des Textes. Sie berucksichtigt alle Abschriften, die in den 120 Jahren seit seiner Erstedition bekanntgeworden sind, und ermoglicht somit ein besseres Verstandnis des Textes und seiner Uberlieferungsgeschichte. Auf dieser Grundlage stellt sie sich seiner bisherigen Interpretation und Beurteilung entgegen: So bietet die Untersuchung neue Erkenntnisse im Hinblick auf die Anzahl der Redaktionen des Textes, seinen Verbreitungsgrad und den Zeitpunkt und Ort seiner Niederschrift. Durch genaue Lekture und die innere Rekonstruktion konnte zudem der vermeintlich konfuse modus operandi des Autors widerlegt werden, was den Bericht des Antonij von Novgorod als eine zuverlassige historische Quelle ausweist. Durch ihre formale Anlage stellt die Edition auf einen breiteren Rezipientenkreis ab, als dies bei historisch-kritischen Editionen aus philologischen Kreisen ublich ist. Dem unverandert abgedruckten (und durch einen kritischen Apparat begleiteten) handschriftlichen Text wird seine Ubersetzung gegenubergestellt, die jedoch gleichzeitig eine Rekonstruktion und Neuinterpretation des Textes bietet. Die Grundlage hierfur bildet der Kommentar, der der Edition vorangestellt ist und in dem die Rekonstruktionsvorschlage ausfuhrlich erlautert werden. Die Transparenz von tatsachlicher Uberlieferung und hypothetischer Rekonstruktion wird dabei durch verschiedene typographische Hervorhebungen sichergestellt. So ist es moglich, in der Ubersetzung den Text so zu lesen, wie er vermutlich vom Autor intendiert war, und gleichzeitig die textkritische Entscheidung der Editorin anhand der vollstandigen und authentischen Uberlieferung nachzuvollziehen. In dieser Weise bietet die Edition in philologischer Hinsicht eine neue Textgrundlage fur die Erforschung der Charakteristika, der Uberlieferung und der Rezeption der Pilgerliteratur auf russischem Boden; und in historischer und sakraltopographischer Hinsicht macht sie eine Quelle zuganglich, die fur die Rekonstruktion der heiligen Statten der einstigen byzantinischen Hauptstadt von entscheidender Bedeutung ist.

  • By (author) Anna Jouravel

„Das sog. Pilgerbuch (Kniga palomnik) des Antonios von Novgorod, das auf Aufzeichnungen um 1200 zurückgeht, gehört zu den am häufigsten zitierten Werken, wenn es um Kirchenbauten und Reliquien in Konstantinopel geht. Auch wenn eine Vielzahl älterer und neuerer Ausgaben (am zuverlässigsten S. M. Loparev, Sankt Petersburg 1899) existieren, hat die nichtrussische Forschung fast ausschließlich die französische Übersetzung einer gewissen Mme B. de Khitrowo verwendet – hinter der sich die<br/>russische Adelige Sofia Petrovna Chitrova (geb. Bachmatjeva) verbirgt –, publiziert als Auftragsarbeit der Sociéte de l’orient latin (Genf) unter dem Titel Itinéraires russes en Orient. Obwohl allen, die die Ausgabe benutzten, das topographische Chaos der Angaben und die Schwierigkeit, sie zu verwenden, auffiel, wurde das Werk wegen der Fülle seiner Mitteilungen zu Kirchen, Reliquien und Grablegen immer herangezogen und fand auch Eingang in die Handbücher, besonders in diejenigen von Raymond Janin (Constantinople byzantin und Les églises et les monastères de Constantinople). <br/>In der vorliegenden Publikation hat die Slavistin Anna Jouravel die kodikologische und philologische Erforschung des Testes ganz neu aufgenommen oder besser gesagt: erstmals überhaupt durchgeführt. Der Großteil der Arbeit (S. 1–227) ist daher dem Text, seiner Überlieferung und seiner philologischen Interpretation gewidmet. Auf den Seiten 230–347 schließt sich die Edition des Textes mit paralleler deutscher Übersetzung und Kommentar in den Fußnoten an. [...]<br/>In dieser kompilierten Form ist das „Notizbuch“ erstmals in der Handschrift Я, rund 300 Jahre nach seiner Entstehung, erhalten. Dank der gewissenhaften Arbeit der Herausgeberin, liegt nun ein Text vor, den wir für die Auswertung durch die Forschung als definitiv betrachten können, weil auch das Original (so besser als: Archetypus) kaum eine andere Form hatte, wenn die Überlegungen des Rezensenten Akzeptanz finden. Dieser Text kann nun ohne die bisherigen kodikologischen Unsicherheiten den Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen darstellen.“<br/><br/>Von Peter Schreiner<br/>In: Byzantine Review, 04/2022, S. 14-22