Selbstbelastung und Verfahrenstrennung.
Das Verbot des Zwangs zur aktiven Mitwirkung am eigenen Strafverfahren und seine Ausstrahlungswirkung auf die gesetzlichen Mitwirkungspflichten des Verwaltungsrechts.
By (author) Heinrich Amadeus Wolff
Paperback (Published)
(February 1997)
ISBN: 9783428087143
6.18 x 9.17 inches
Price: $114.00
Out of stock
Wie kaum ein anderer verfahrensspezifischer Grundsatz wirkt sich die strafprozessuale Aussagefreiheit auch auf andere Rechtsgebiete aus. Der gesamte Wirkungskreis dieser Garantie kann nur dann richtig erfaßt werden, wenn man die strafprozessuale Garantie selbst (der Grundsatz nemo tenetur se ipsum accusare) von ihrer Ausstrahlungswirkung auf andere Verfahren trennt. In der vorliegenden Untersuchung wird der nemo tenetur Grundsatz hinsichtlich seiner Geschichte, seiner verfassungsrechtlichen Verbürgung und seiner Verwirklichung durch die StPO behandelt.
Zum ersten Mal wird die Ausstrahlungswirkung in ihren allgemeinen Grundlagen dargestellt. Hierauf folgt eine Umsetzung der im Rahmen des “Allgemeinen Teils” der Ausstrahlungswirkung entwickelten Grundsätze bei den Mitwirkungspflichten im Verwaltungsrecht. Entscheidend ist dabei die Frage, ob der Pflichtige seine verwaltungsrechtliche Mitwirkungspflicht mit dem Hinweis verweigern darf, eine Erfüllung würde zu einer strafrechtlichen Selbstbelastung führen. Untersucht werden die Auskunfts-, Vorlage-, Melde-, Erscheinungs-, Kennzeichnungs-, Ausweis- und Duldungspflichten sowie die Pflichten zur Eigenüberwachung und zur Bestellung eines Betriebsbeauftragten.
Die Ausstrahlungswirkung des nemo tenetur Prinzips beruht, wie am Steuer-, Sozial- und Statistikgeheimnis und der Zweckbindung des § 7 III G 10 zu sehen ist, auf einem allgemeinen rechtsstaatlichen Prinzip der Verfahrenstrennung. Das Trennungsgebot setzt die Rechtspraxis durch das Recht auf informationelle Selbstbestimmung um. Dessen fehlende Eignung als Grundlage eines allgemeinen Prinzips der Verfahrenstrennung erkennt man aber daran, daß das Recht auf informationelle Selbstbestimmung hinsichtlich der Trennung von Schutzbereich und Eingriffsrechtfertigung und dem Eingriffsbegriff erheblich von der überkommenen Dogmatik abweicht. Entscheidend für das Prinzip der Verfahrenstrennung ist nicht die Art der Informationen als personenbezogene Daten, sondern umfassende
- By (author) Heinrich Amadeus Wolff
»Die Untersuchung von Wolff zeigt, wie gelungen man vom Konkreten zum Abstrakten gelangen kann und dadurch auch teilweise schon bekannte Ergebnisse profunder zu begründen vermag, ohne den dogmatischen Rahmen sprengen zu müssen: Die Basis des nemo-tenetur-Prinzips ist der Schuldgrundsatz, der in Menschenwürde und Rechtsstaatsprinzip – also sowohl in subjektiv- als auch in objektivrechtlichem Boden – wurzelt; über die Ausstrahlungswirkung kommt er auf der nächsten Abstraktionsstufe zum allgemeinen Grundsatz der Verfahrenstrennung, den er nunmehr infolge seiner Herleitung von der Leine der Grundrechte lassen kann. Mit der Verortung von Freiheitssicherungen in objektivrechtlichen Prinzipien bietet der Verf. einen Anknüpfungspunkt für vielfältige weitere Überlegungen. Die klare Sprache, der leicht zu übersehende Aufbau und die – nicht zuletzt von über 700 Fundstellen dokumentierte – wissenschaftliche Gründlichkeit ermöglichen und erleichtern diesen Erkenntnisgewinn.« Christoph Brüning, in: Der Staat, 3/2000
—
Other Titles in this Series
Richterliche Rechtserkenntnis.
Zum Zusammenhang von Recht, richtigem Urteil und Urteilsfolgen im pluralistischen Staat.
Volume 92
Die Zurückweisung der Berufung durch Beschluss.
Unter besonderer Berücksichtigung der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts.
Volume 227
Rechtskraftdurchbrechungen von Strafentscheidungen im Wechsel der politischen Systeme.
Eine rechtsvergleichend-historische Untersuchung des Strafverfahrens in Österreich, der NS-Zeit, der DDR und der Bundesrepublik unter besonderer Berücksichtigung der Nichtigkeitsbeschwerde und der Kassation.
Volume 190
Durchsetzbarkeit des Verteidigerkonsultationsrechts und die Eigenverantwortlichkeit des Beschuldigten.
Volume 171
Der italienische Zivilprozeß im europäischen Umfeld.
Eine rechtsvergleichende Studie unter Hervorhebung der richterlichen Verfahrensleitung.
Volume 136
Musterfeststellungsverfahren von Verbraucherverbänden im Zusammenspiel mit europäischen und deutschen Grundprinzipien des Prozessrechts.
Volume 287
Zugang zum Recht für Verbraucher.
Ein Vergleich der alternativen Streitbeilegung in Verbrauchersachen mit der gerichtlichen Streitbeilegung.
Volume 256
Das Recht der Wettbewerbsbeschränkungen des Gemeinsamen Marktes und die einzelstaatliche Zivilgerichtsbarkeit.
Volume 22
Zur Zulässigkeit des Teilurteils gem. § 301 ZPO.
Eine Analyse der von der Rechtsprechung entwickelten Voraussetzungen.
Volume 59
Prinzipien strafprozessualer Beweisverwertungsverbote.
Gesammelte Abhandlungen zur informationsrechtlichen Rekonstruktion der Lehre von den Beweisverwertungsverboten im deutschen Strafverfahren. Mit einer Einführung und schematischen Übersichten. Hrsg. und mit einem Vorwort versehen von Karl-Ernst Wehner
Volume 224
Streitgegenstand und Bindungswirkung im Urkundenprozess.
Zugleich ein Beitrag zur Rechtsnatur des Vorbehaltsurteils.
Volume 201
Zur strukturellen Korrespondenz zwischen den gesetzlichen Ablehnungsgründen nach § 244 Abs. 3 Satz 2 StPO und den Anforderungen an einen zulässigen Beweisantrag.
Eine Analyse der neueren Revisionsrechtsprechung unter besonderer Berücksichtigung des Merkmals der Konnexität.
Volume 182
Der O. J. Simpson-Prozeß.
Das strafprozessuale Vorverfahren und dessen Auswirkungen in rechtsvergleichender Darstellung.
Volume 148
Drittschuldnerschutz und Gläubigerrechte in der Forderungsvollstreckung.
Die Rückführung des Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses auf das materielle Recht.
Volume 244
Das englische Zivilprozeßrecht.
Eine systematische Darstellung mit einer Auswahlbibliographie.
Volume 37
Discovery und andere Mittel der Sachverhaltsaufklärung im englischen Pre-Trial-Verfahren im Vergleich zum deutschen Zivilprozeß.
Volume 80
Schöffengericht und Trial by Jury.
Eine rechtsvergleichende Untersuchung zur Entstehung, gegenwärtigen Praxis und möglichen Zukunft zweier Modelle der Laienbeteiligung an Strafverfahren in Europa.
Volume 215
Bürgschaft und Prozess
Eine Untersuchung zu Drittwirkungen gerichtlicher Entscheidungen, insbesondere im Hinblick auf vom Hauptschuldverhältnis abgeleitete Rechte des Bürgen
Volume 305
Das Konzept einer allgemeinen Prozessrechtslehre in Gesetzgebung und Rechtsdogmatik.
Eine Analyse ausgewählter prozessualer Institute.
Volume 276
Der Beschuldigte als Beweismittel gegen sich selbst.
Ein Beitrag zur Geltung des Satzes 'Nemo tenetur seipsum prodere' im Strafprozeß.
Volume 49
Die Vollstreckung aus verwaltungs-, sozial- und finanzgerichtlichen Titeln zugunsten der öffentlichen Hand.
Volume 93
Die Erledigung der Hauptsache im Deutschen Verfahrensrecht. Eine vergleichende Darstellung des Prozeßinstituts der Hauptsacheerledigung vornehmlich im Zivil- und Verwaltungsprozeß
unter Berücksichtigung der Arbeitsgerichtsbarkeit, der Finanzgerichtsordnung und der Verfahrensordnung für die Freiwillige Gerichtsbarkeit, zugleich ein Beitrag zur Weiterentwicklung der systematischen Einordnung eines Zwischenstreits.
Volume 189
Similar Books
Legal Pluralism and the Tajik Experience of Xinjiang
Between Custom and the Chinese State: An Ethnographic Perspective
Liturgia semper reformanda
Adaptations and accommodations in the liturgy in light of canon 838 of the Code of Canon Law
Althochdeutsche Stabreimdichtungen
Hildebrandslied, Muspilli und kleinere Denkmaler. Von Grund auf neu ediert, mit Erschliessungshilfen versehen, ubersetzt und eingeleitet von Frank Schafer
Auf Gedeih und Verderb
Die Pestiziddebatte seit dem Kaiserreich zwischen Hunger, Profit und Massenmord
Credit Default Swap-Aktivismus
Eine ökonomische Analyse und rechtliche Bewertung der Einflussnahme von Credit Default Swap-Investoren auf Unternehmen
Die Konjunkturkomponente des Grundgesetzes
Die konjunkturbedingte Kreditaufnahme im System der Kreditermächtigungen, europarechtlichen und gesamtwirtschaftlichen Verpflichtungen der Finanzverfassung
Die Pfingstbewegung in Deutschland während der Zeit des Nationalsozialismus
Kontinuitäten und Diskontinuitäten von der Weimarer Republik bis zur frühen Bundesrepublik
Indirekte Enteignung
Verfassungsunmittelbar gebotene Entschädigungspflicht im Spiegel des Mehrebenensystems
Kollektivismus und Individualismus im Aktienrecht
Zum Einfluss aktienrechtlicher Paradigmen auf die Rechtsentwicklung in Deutschland und den USA
Künstlervertragsmodelle in der Musikwirtschaft
Rechtliche Grenzen der künstlerbezogenen Nebenrechteverwertung im Erlös-, Vermittlungs-, Options- und Leistungsmodell
Mehrdimensionale Diskriminierungen
Rechtliche Erfassung von Intersektionalität und Benachteiligungsstrukturen am Beispiel von Art. 3 Abs. 3 GG
Protestantische Identitäten und evangelische Texte um 1900
Schriften und Biografica der Pfarrer Julius Antonius, Julius Ergenzinger, Alfred Formey, Cornelius Wilkens und Paul von Zimmermann. Unter Mitarbeit von Teresa Emich
Rechtssubjektivität für Künstliche Intelligenz
Eine Untersuchung von Zuerkennungsgründen für die "ePerson"
Schadensrecht im Wandel
A Turning Point for Punitive Damages? / Zeitenwende beim Strafschadensersatz? Volume II
Strukturierter Parteivortrag im digital geführten Zivilprozess
Richterliche Verfahrensleitung und Sanktionierung parteiseitigen Fehlverhaltens
