Aizanoi, Dokimion und Anatolien

Stadt und Land, Siedlungs- und Steinmetzwesen vom späteren 4. bis ins 6. Jahrhundert n. Chr.

By (author) Philipp Niewöhner

Book cover: Aizanoi, Dokimion und Anatolien

Extent: 374 pages

Publisher: Dr. Ludwig Reichert Verlag

Subjects: Ancient Near East, Mediterranean Archaeology

Series: Archäologische Forschungen

Language: German

Hardback (Published)

(October 2007)

ISBN: 9783895005473

8.27 x 11.69 inches

Price: $117.00

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Die zentralanatolische Stadt Aizanoi spielt in zweierlei Hinsicht eine Schlüsselrolle für das Verständnis der frühbyzantinischen Epoche. Zum Einen gelingt es dort erstmals, die Siedlungsentwicklung sowohl qualitativ als auch quantitativ zu beschreiben und dabei zwischen Stadt und Umland zu unterscheiden. Die Ergebnisse, ein letzter städtischer Bauboom um 400 n. Chr. und eine Verländlichung im 5./6. Jahrhundert, lassen sich auf ganz Anatolien übertragen. Rund 500 neu vorgelegte Steinmetzarbeiten erschließen außerdem nicht nur verschiedene lokale Werkstätten, sondern auch die Produktion der zentralanatolischen Marmorbrüche von Dokimion.


1990 begann ein neuer Abschnitt der Aizanoi-Grabung mit dem Ziel, die Stadtentwicklung von den Anfangen bis zur Einbeziehung der Ruinen in das traditionelle turkische Landstadtchen Cavdarhisar zu untersuchen. Diese Untersuchungen liefern Erkenntnisse zur Erforschung des Siedlungswesens und der Kulturlandschaften im westlichen Zentralanatolien und daruber hinaus. Im Gegensatz zu anderen anatolischen Stadten hat die Lage Aizanois abseits der modernen Wirtschafts- und Tourismuszentren zahlreiche antike Hinterlassenschaften bewahrt. In vielen Dorfern finden sich Architekturteile, die offensichtlich aus christlichen Bauten stammen, aber kaum Hinweise auf antike Reprasentationsarchitektur. Philipp Niewohner analysiert jenen historischen Wandlungsprozess am Ende der Antike, indem er alle auffindbaren fruhbyzantinischen Monumente der Aizanitis dokumentiert und auswertet. Er weist uberzeugend nach, dass sich die Siedlungsbilder des stadtischen Zentrums und der landlichen Siedlungen im 5. und 6. Jh. angleichen. Die fortschreitende Vernachlassigung der Stadt geht mit einem Bauboom auf dem Land einher, der auf steigende Bevolkerungszahlen hinweist – eine Tendenz, die ganz Anatolien im 5. und 6. Jh. pragte. Ihre Ursachen liegen im komplexen Zusammenwirken von politisch-gesellschaftlichen und okonomischen Faktoren.Ein weiteres Ergebnis zeichnete sich erst im Lauf der Untersuchungen ab: Erstklassige Steinmetzarbeiten aus dem gleichen dokimischen Marmor, der in der Kaiserzeit fur die beruhmten kleinasiatischen Sarkophage verwendet wurde, belegen die fortgesetzte Produktion der Bruche und Werkstatten in Dokimion. Sie entwickelten im 4. Jh. jenes charakteristische Formenrepertoire, das in theodosianischer Zeit von den hauptstadtischen Marmorbruchen auf Prokonnesos ubernommen wurde, und blieb bis ins 6. Jh. erstklassig. Diese Entdeckungen werfen ein neues Licht auf die Entwicklung der Steinmetzkunst, insbesondere in Bezug auf das Verhaltnis von Hauptstadt und Provinz. Fur die weitere Erforschung des fruhbyzantinischen Siedlungs- und Steinmetzwesens in Anatolien bieten die neu vorgelegten Befunde aus Aizanoi eine umfangreiche und in vieler Hinsicht reprasentative Materialbasis.

  • By (author) Philipp Niewöhner

"Review - German ""Niewohners Buch stellt nicht nur fur die Spezialisten fur kleinasiatische byzantinische Kunst eine wichtige Arbeit dar, sondern auch fur alle Archaologen, die sich mit antiken Marmorbruchen und -werkstatten in Anatolien beschaftigen, behandelt doch die Studie in einem Hauptteil Steinmetzerzeugnisse, die in den bcdeutenden phrygischen Marmorbruchen von Dokimeion produziert wurden.""Von: Tomas LochmannIn: Gnomon 85, 2013, 7, S. 639-642.--------------------------------------""Wa

„Niewöhners Buch stellt nicht nur für die Spezialisten für kleinasiatische byzantinische Kunst eine wichtige Arbeit dar, sondern auch für alle Archäologen, die sich mit antiken Marmorbrüchen und -werkstätten in Anatolien beschäftigen, behandelt doch die Studie in einem Hauptteil Steinmetzerzeugnisse, die in den bcdeutenden phrygischen Marmorbrüchen von Dokimeion produziert wurden.“<br/><br/>Von: Tomas Lochmann<br/><br/>In: Gnomon 85, 2013, 7, S. 639-642.<br/><br/>--------------------------------------<br/>„Wandel oder Niedergang - das sind Extrempositionen, die von der Forschung angesichts der spätantiken und frühbyzantinischen Stadt vertreten werden. Innerhalb dieses Spannungsfeldes ist die Arbeit verortet, die aus einer Aufnahme der byzantinischen Steinmetzarbeiten in Aizanoi hervorging. (...)<br/>Im Haupt- und Katalogteil der Arbeit werden die dokumentierten byzantinischen Steinmetzarbeiten vorgestellt, die zeigen, daß Dokimion, das in der Kaiserzeit ein bedeutendes Kunstzentrum mit reichsweiter Ausstrahlung war, auch weiterhin produktiv blieb und mit seinem Einfluß auf die lokalen Bildhauerwerkstätten dafür sorgte, daß Anatolien ein eigenständiges Kunstzentrum blieb.“<br/><br/>FD<br/><br/>In: Orbis Terrarum. Band 10 (2008-2011). S. 239-240.<br/>