Die deutsche Archivwissenschaft und das “Dritte Reich”.

Disziplingeschichtliche Betrachtungen von den 1920ern bis in die 1950er Jahre.

By (author) Tobias Winter

Book cover: Die deutsche Archivwissenschaft und das “Dritte Reich”.

Extent: 606 pages

Publisher: Duncker & Humblot

Subjects: Religious Studies

Series: Veröffentlichungen aus den Archiven Preussischer Kulturbesitz. Forschungen

Series volume number: 17

Language: German

Hardback (Published)

(August 2018)

ISBN: 9783428154845

6.18 x 9.17 inches

Price: $152.00

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Die von der institutionalisierten Geschichtswissenschaft meis tignorierte Geschichte der oft bloß als »Hilfswissenschaft« wahrgenommenen Disziplin der Archivwissenschaft stellte zu lange ein Desiderat der Forschung dar. Besonders gilt dies für die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der Disziplin. Deren intensive Untersuchung wird in der vorliegenden Studie zudem in ein Narrativ einer Archivgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingebettet, wodurch erstaunliche Kontinuitäten zutage treten.


Es ist inzwischen hinlanglich bekannt, dass Untersuchungen von NS-Vergangenheiten sich nicht auf die Jahre 1933 bis 1945 beschranken durfen, sondern durch die Berucksichtigung der jeweiligen Vor- und Nachgeschichte auch potentiellen Pfadabhangigkeiten, Kontinuitaten wie auch Bruchen nachspuren sollten. Die vorliegende Studie nimmt deshalb die Disziplin der Archivwissenschaft vom Ende des Ersten Weltkriegs bis in die fruhen Jahre von Bundesrepublik und DDR in den Blick. Dabei werden nicht ausschliealich disziplininterne Konstellationen und Diskussionen, Institutionen und Personen berucksichtigt, sondern diese in einem breiten wissenschaftspolitischen wie auch gesellschaftlichen Kontext betrachtet. Im so entstandenen Narrativ einer deutschen Archivgeschichte der ersten Halfte des 20. Jahrhunderts werden erstaunliche Kontinuitaten sowohl personeller wie auch institutioneller Art deutlich.

A. Einleitung, Fragestellung, Forschungsstand, Methodik

B. Rahmenbedingungen, Weichenstellungen und Wendepunkte. Archivwesen und -wissenschaft über das ›lange 19. Jahrhundert‹ bis zum Ende des Ersten Weltkriegs

Die Vorgeschichte bis zum Ende des ›langen 19. Jahrhunderts‹ – Der Erste Weltkrieg, 1914–1918

C. Krisenerfahrungen und Aufschwung in Republik und Diktatur – Die Zwischenkriegszeit

Hypotheken des Krieges, Aufschwung und interdisziplinäre Forschung. Das erste Jahrzehnt der Weimarer Republik, 1919–1929 – Professionalisierung und Ausrichtung gen Osten. Der Beginn der Ära Brackmann in der späten Weimarer Republik, 1929–1933 – Erzwungene Kollaboration oder Selbstindienststellung? Arbeiten in den ersten Jahren der Diktatur, 1933–1936 – Radikalisierung und Mobilmachung? Vom Vierjahresplan bis zum Beginn des Weltkriegs, 1936–1939

D. »Mit einem Schlage alle technischen Schwierigkeiten und Rücksichten beiseite geräumt« – Deutsche Archivare im Zweiten Weltkrieg

Osteinsatz I: »Nicht wissenschaftliche oder fachliche«, sondern »vornehmlich politische Richtlinien«. Deutsche Archivare in Polen und im Baltikum, 1939–41 – »Höhere Formen des Plünderns«? – Archivare in den besetzten Gebieten des Westens – Osteinsatz II: Neue Herausforderungen und zwiespältige Erfolge im Ostkrieg, 1941–1945 – Kriegsalltag in Archivwesen und -wissenschaft: Archivare an der Heimatfront

E. ›Stunde Null‹, Entnazifizierung und Wiederaufbau

Desillusionierung – Entnazifizierung – Neuformierung. Die frühe Nachkriegszeit, 1945–1949 – Ausblick: Die ›doppelte Staatsgründung‹. Archivwesen in Bunderepublik und DDR, 1949–1952

F. Schluss: Fazit und Ausblick

G. Anhang: Quellen und Literatur – Personenverzeichnis

  • By (author) Tobias Winter

»Lange hat es gedauert, bis nun erstmals eine umfassende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der deutschen Archivwissenschaft für den Zeitraum ›von Weimar bis Bonn und Ostberlin‹ (S.493) vorliegt.[…] Am Ende ist zu konstatieren, dass der Autor mit der vorliegenden Arbeit eine sehr belastbare Brücke von der Weimarer Republik bis in die Anfangsjahre beider Deutscher Nachfolgestaaten geschlagen hat. Dieser Verdienst ist umso bedeutender, als das entsprechende archivische Quellen über das gesamte Bundesgebiet verteilt und teilweise erst seit wenigen Jahren zugänglich sind und er zudem vorhandene Detailstudien oder Einzelbiographien erstmals in einem Gesamtkontext verknüpft.[…]« Thomas Hacker, in: ARCHIVAR, Jg. 72, Heft 1/2019

»Besonders interessant ist Winters Darstellung für die Zeit nach dem 8. Mai 1945, für die er anhand verschiedener Briefwechsel zeigen kann, wie sich unter den oft aus ihren Ämtern entlassenen Staatsarchivaren braune Seilschaften zur Persilschein-Ausstellung bildeten. […]« Jörg Ludwig, in: Sächsisches Archivblatt, Heft 1/2019

»Winter hat eine gründlich recherchierte, geschickt disponierte, sprachlich ausgefeilte und durch Einbeziehung einschlägiger Arbeiten [...] abgesicherte Untersuchung vorgelegt.« Prof. Dr. Frank-Rutger Hausmann, in: Informationsmittel für Bibliotheken, 26 (2018), 3 [9]