Der Staat der Klassischen Moderne.
By (author) Daniel Damler
Paperback (Published)
(November 2012)
ISBN: 9783428139569
5.31 x 8.31 inches
Price: $51.00
In stock
Damler legt in seiner Studie das fein gesponnene Gewebe zwischen materieller und geistiger Kultur frei, indem er am Beispiel der Neuen Sachlichkeit zeigt, wie radikale Veränderungen in der Formen- und Materialsprache der Dinge neue politische und juristische Leitbilder generierten. Damals – in der Achsenzeit der neuzeitlichen Architektur- und Designgeschichte – begann man damit, ästhetische Maxime wie »Funktionalität« und »Klarheit« auf den Staat zu beziehen und sie rechtspolitisch zu deuten. Damler spürt solchen eigentümlichen sinnlichen Bezügen nicht nur in den Werken namhafter Staatsrechtslehrer nach, sondern gewährt auch Einblicke in die proto-juristischen Imaginationsräume herausragender Architekten wie Le Corbusier oder Bruno Taut.
Wir denken mit den Räumen, in denen wir leben. So sehr wir auch von der Sinnlichkeit abstrahieren mögen, so hängen wir doch zuletzt immer bildlichen Vorstellungen an, um das Unbegreifliche »zum Erfahrungsgebrauche tauglich zu machen«. Wenn wir die von Kant diagnostizierte ästhetische Verstrickung unserer Geistestätigkeit ernst nehmen, müssen wir der sinnlich erfahrbaren, materiellen Kultur weit mehr Beachtung schenken, als dies gewöhnlich geschieht. Allen voran die Staats- und Rechtswissenschaft, die fortwährend mit abstrakten und zugleich sinnlich unterlegten Begriffen operiert, hat Anlass dazu, einzutauchen in das Schattenreich der Dinge, das als eine gestaltende Macht unser Denken manipuliert.
Damler legt in seiner Studie das fein gesponnene Gewebe zwischen materieller und geistiger Kultur frei, indem er am Beispiel der Neuen Sachlichkeit zeigt, wie radikale Veränderungen in der Formen- und Materialsprache der Objekte neue politische und juristische Leitbilder generierten. Damals – in der Achsenzeit der neuzeitlichen Architektur- und Designgeschichte – begann man damit, ästhetische Maxime wie »Funktionalität« und »Klarheit« auf den Staat zu beziehen und sie rechtspolitisch zu deuten. Wenn wir noch heute wie selbstverständlich von Regierungen und Parlamenten »Transparenz« einfordern (ohne recht zu wissen, was wir damit meinen), so stehen wir in dieser Tradition.
Nach der Zäsur von 1914 dienten die mit Glas, Stahl und funktionalen Formen assoziierten »Tugenden« gleichsam als Surrogat für den abhanden gekommenen weltanschaulichen Konsens. Von der Anmut vermeintlich belangloser Dinge handelt diese Studie, weil gerade das unscheinbare häusliche Inventar die Botschaften der modernen Designtheologie am wirkungsvollsten transportierte. Damler spürt solchen eigentümlichen ästhetischen Bezügen nicht nur in den Werken namhafter Staatsrechtslehrer nach, sondern gewährt auch Einblicke in die proto-juristischen Imaginationsräume herausragender Architekten wie Le Corbusier oder Bruno Taut.
I. Die Neue Fassade – Prolog
II. Designtheologie: Katechismus der Moderne
III. Material- und formengebundene Staatsutopien
Bruno Tauts »Stadtkrone« – Jewgeni Samjatins »Mы« – Le Corbusiers »Ville Radieuse«
IV. Hans Kelsens Leuchtkörper: Progressive Sachlichkeit
V. Carl Schmitts Heizkörper: Reaktionäre Sachlichkeit
Stil 1930 – Modernisierte Feindbilder
VI. Sinnliches Staatsdenken – Epilog
Abbildungsnachweise
Quellen- und Literaturverzeichnis
Daniel Damler, geboren 1975, studierte Rechtswissenschaft, Neuere und Mittelalterliche Geschichte an den Universitäten Tübingen, Frankfurt a.M. und Madrid. Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Doktorand am Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt a.M. 2001 Erstes Juristisches Staatsexamen. 2006 Promotion. 2007 Zweites Juristisches Staatsexamen. Seither Habilitand an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und Rechtsanwalt bei SZA Schilling, Zutt und Anschütz in Mannheim und Frankfurt a.M. Veröffentlichungen u.a.: »Imperium Contrahens. Eine Vertragsgeschichte des spanischen Weltreichs in der Renaissance« (2008), »Wildes Rechts. Zur Pathogenese des Effektivitätsprinzips in der neuzeitlichen Eigentumslehre« (2. Aufl. 2010).
- By (author) Daniel Damler
»Damlers Ansatz ist ungewöhnlich und kühn.« Wolfgang Hellmich, in: Philosophisches Jahrbuch, 121. Jg., 1/2014
»Vielleicht schafft es der Autor ja mit diesem auch sprachlich eindrucksvollen Husarenritt ein zweites Mal auf die Liste der ›juristischen Bücher des Jahres‹; ein lesevergnügliches Bildungserlebnis jedenfalls ist garantiert.« Prof. Dr. Helmuth Schulze-Fielitz, in: JuristenZeitung, 12/2013
—
Other Titles in this Series
Menschenbilder im Wandel ihrer Aspekte: von Vernunft- zu Mischwesen.
Ideengeschichte einer Verfassungsanthropologie.
Volume 75
Der einzelne Akteur im demokratischen Rechtsstaat.
Symposium zum 80. Geburtstag von Edzard Schmidt-Jortzig.
Volume 107
Die Gottesfrage in der Philosophie der Neuzeit.
Aus dem Italienischen übersetzt und herausgegeben von Christian Göbel.
Volume 45
Information und Einflussnahme.
Gefährdungen der Offenheit des demokratischen Willensbildungsprozesses.
Volume 90
Souveränitätsprobleme der Neuzeit.
Freundesgabe für Helmut Quaritsch anlässlich seines 80. Geburtstages.
Volume 58
Menschenwürde – Demokratie – Christliche Gerechtigkeit.
Tagungsband zum Festlichen Kolloquium aus Anlass des 80. Geburtstags von Ernst-Wolfgang Böckenförde.
Volume 64
Von Carl Schmitt zu Hannah Arendt?
Heidelberger Entstehungsspuren und bundesrepublikanische Liberalisierungsschichten von Reinhart Kosellecks ›Kritik und Krise‹.
Volume 95
Nationalflaggen.
Bürgerdemokratische Identitätselemente und internationale Erkennungssymbole.
Volume 49
Wirtschaftsvölkerstrafrecht.
Grundlagen der völkerstrafrechtlichen Verantwortlichkeit von Unternehmen.
Volume 91
Der “Zweckverband funktioneller Integration” nach Hans Peter Ipsen.
Ein Beitrag zur Begriffsgeschichte und zur Finalitätsdebatte in der Europawissenschaft.
Volume 109
Zur Lage des deutschen Regierungs- und Parteiensystems.
Vorträge und Symposium aus Anlaß der Emeritierung von Prof. Dr. Manfred Friedrich.
Volume 27
Vergangenheitsbewältigung durch Recht.
Drei Abhandlungen zu einem deutschen Problem. Hrsg. von Josef Isensee.
Volume 16
Similar Books
Drunk the Potion, No Whit Charmed
The Doctrine of Pure and Perfect Souls from Iamblichus to Damascius
Éthique, politique, religions
Superstition (XVIIe - XXIe siècles). Sémantique, histoires et cultures
La Lettre clandestine
La littérature philosophique clandestine, ses éditeurs et ses éditions
Volume 34
Libertinage et philosophie à l’époque classique (XVIe-XVIIIe siècle)
Athéisme, Modernité et Sécularisation / Atheism, Modernity and Secularization
Volume 23
Political Thought and Eleventh-Century Populism
The Meek, the Many, and the Meritorious during the Age of the Gregorian Reform
Volume 38
The Latin Hermes in Translation
Asclepius, Glosses on Trismegistus, Book of Six Principles of Things, Book of 24 Philosophers
Volume 50
‘Emergente Evolution’?
Fallstudien zur philosophischen Rekonstruktion und schopfungstheologischen Rezeption eines naturalistischen Paradigmas
Volume 40
Al-Ğābirīs Genese und Kritik der Arabischen Vernunft
On Genesis and Critique of Arab Reason by Muḥammed ʿĀbid al-Ğābirī
Geschichte der Ästhetik und Kunsttheorie
Band 1: Von der Antike bis zum 19. Jahrhundert. 2. aktualisierte Auflage
