Das Tafelbild aus der Kathedrale von Trogir

Kunsttechnologische Studien zur Tafelmalerei Dalmatiens des 13. Jahrhunderts

By (author) Cristina Thieme

Book cover: Das Tafelbild aus der Kathedrale von Trogir

Extent: 292 pages

Publisher: Dr. Ludwig Reichert Verlag

Subjects: Classical Studies

Series: Spätantike – Frühes Christentum – Byzanz

Language: German

Hardback (Published)

(April 2008)

ISBN: 9783895005626

8.86 x 12.4 inches

Price: $132.00

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The panel of Trogir was created as a retabel for the high altar in the cathedral of the small Dalmatian town of Trogir at the Adriatic sea. It is considered a unique amalgation of the cultures and arts of East and West and reflects the prime of this encounter. The author describes in detail the panel itself, the wood technology and preparation, painting technique, questions of style and quality.


English summary: In 1990, the fragment of a panel dating back to the 13th century was found in the choir stalls of the cathedral of Trogir. Technological aspects of this work of art have been examined and the importance of the panel has been discussed against the background of its creation in the Dalmatian seaside town which was then under the influence of Byzantium and the West. Studies on the history of the city of Trogir, on its cathedral and on its local adoration of saints are the basis for these studies. The panel is special because it has been spared from later treatment, thanks to the fact that it has been built into the choir stalls. Therefore it was possible to study the medieval painting technique in a unique way. Comparisons with artwork from the western sphere illustrate the isolated status of the panel. Its sumptuous and ingenious painting technique is bound to originate from the Byzantine East. Studies regarding the reconstruction and proportion of the original design, form and size of the panel have been made and they delivered important basic information both regarding the typological classification and function and the original installation site of the panel at the cathedral of Trogir. German description: Das Tafelbild von Trogir, als Hochaltarretabel fur die Kathedrale des kleinen dalmatinischen Stadtchens an der ostlichen Adriakuste geschaffen, stellt ein einzigartiges kulturelles und kunstlerisches Zeugnis der fruchtbaren Begegnung von Osten und Westen dar. Das Tafelbild entspricht formal der westlichen Kunstgattung, folgt aber in Planung und Ausfuhrung ostlichen Konventionen und spiegelt somit die lebendige Spannung zwischen der ostlichen hoch-byzantinischen und der neu entstehenden westlichen Tafelmalerei wider.Der erste Teil der Arbeit beschaftigt sich mit der Geschichte Dalmatiens und der Stadt Trogir, die politisch und kulturell im Spannungsfeld zwischen Byzanz und Rom, zwischen dem ungarischen Konigreich und Venedig lag. Daran schliessen sich Studien zur Kult- und Liturgiegeschichte der Stadt Trogir an, die trotz der geographischen Nahe zur Ostkirche an die romische Kirche gebunden war. Neben den Fragen aus dem Kontext des Fundortes bilden Untersuchungen am Tafelbild selbst den Kern der Arbeit. Nach einer Beschreibung der Darstellung werden Holztechnik, vorbereitende Massnahmen fur die Malerei und die Maltechniken bis ins Detail untersucht und erfasst. Daruberhinaus bezieht Cristiana Thieme stilistische und qualitative Eigenschaften der Malerei ein. Schliesslich wertet sie die umfangreiche kroatische Literatur aus, um das Tafelbild von Trogir mit der dalmatinischen Tafelmalerei des 13. Jahrhunderts vergleichen zu konnen.

  • By (author) Cristina Thieme

"Review - German ""Eine wertvolle Forschungsarbeit zu einem Kunstwerk aus einer unbekannten Region.""In: Restauro. 5/2009. S. 299.-----------------------------""Die mittelalterliche Tafelmalerei Dalmatiens wurde im Westen bislang kaum wahrgenommen. Erst die Ausstellungen ""Tesori della Croazia"" in Venedig 2001 und ""Il Trecento adriatico"" in Rimini 2002 lenkten nach dem Fall des eisernen Vorhangs den Blick auch auf die Malerei dieser Region und die dort bereits geleistete Forschung, die sich jedoch zumeist auf das 14.Jh. konzentrierte.Dass die Kunst Dalmatiens aber gerade im 13. Jh. ein wichtiges Bindeglied zwischen dem 1204 von Venedig eroberten Konstantinopel und dem adriatischen Italien darstellte, zeigt das hier zu besprechende Beispiel. Dabei kam der Vermittlung der Maltechnik eine besondere, bislang vernachlassigte Bedeutung zu. Die vorliegende Studie stellt auf diesem Gebiet eine Pionierarbeit dar. Die Autorin bemuht sich aber auch um die Klarung der (kirchen)historischen Zusammenhange, die fur die in Dalmatien bislang einzigartige Gestaltung des Tafelbildes von Trogir von Bedeutung sind: Das unweit von Split an der ostlichen Adriakuste gelegene Trogir war im 13. Jh. noch Sitz eines lateinischen Bistums, das dem Erzbistum Split unterstellt war; auch der Stadtheilige Bischof Johannes von Trogir (1064-1111), Giovanni Orsini, stammte aus einem romischen Geschlecht; dennoch ist das Tafelbild von Trogir alles andere als ein Derivat der italienischen Kunst, vielmehr zeigt es sich dieser kunstlerisch und technisch in mehrfacher Hinsicht uberlegen. (...)Eine bislang nicht im Westen, aber in Trogir und an zeitgleichen dalmatinischen Beispielen beobachtete Kunsttechnik ist Chrysographie (Goldmalerei) mit vergoldeten Zinnfolien, die in Dalmatien noch bis zum Ende des 13. Jh.s eine weite Verbreitung genoss. Ihre Ursprunge sind wohl in Byzanz zu suchen. Diese Technik konnte auch an vier Tafelbildern des 12. und 13. Jh.s aus Griechenland und vom Sinai beobachtet werden.Das geschilderte mathematische Teilungsverfahren bei der Anlage der Bildfelder setzt die Kenntnis des Goldenen Schnittes voraus, die im Westen schon verlorengegangen war, aber offenbar im Einflussbereich von Byzanz noch angewandt wurde. Thieme vermutet, dass es sich bei den Kunstlern um griechische Maler gehandelt hat, wie es mehrfach fur Dalmatien im 13. Jh. belegt ist, doch konnte keiner der bekannten Namen dem Werk zugeordnet werden. Die byzantinische Kunsttradition, die stilistisch insbesondere bei der Gestaltung der Engel deutlich ist, wurde allerdings bei der Anlage des Retabels von Trogir verlassen, um auf die Anforderungen westlicher Liturgie zu reagieren. Hier wurde vermutlich ein Typus gewahlt wie er in Varianten in der Toskana seit etwa 1270 feststellbar ist. Bemerkenswert ist auch, dass kunstlerische Techniken festzustellen sind, die dann in die italienische Kunstlerliteratur um 1400, namentlich Cennini, eingegangen sind.Es ist zu hoffen, dass die vorliegende Veroffentlichung zu einer weiteren Erforschung der Tafelmalerei Dalmatiens Anlass gibt, die moglichst auch die ubrige Balkanregion miteinbezieht; doch ist, wie sich auch an dieser Arbeit gezeigt hat, vor allem ein Zusammenwirken auf institutioneller Ebene notig, damit Arbeiten dieser Art entstehen konnen, die die Materialkenntnis entscheidend erweitern und wieder einmal vor Augen fuhren, wie unverzichtbar die Analyse der Maltechnik auch fur die historische Beurteilung der Werke ist.""In: Kunstchronik. Heft 9/10 (2008). S. 482-485."

„Eine wertvolle Forschungsarbeit zu einem Kunstwerk aus einer unbekannten Region.“<br/><br/>In: Restauro. 5/2009. S. 299.<br/><br/>-----------------------------<br/><br/>„Die mittelalterliche Tafelmalerei Dalmatiens wurde im Westen bislang kaum wahrgenommen. Erst die Ausstellungen „Tesori della Croazia“ in Venedig 2001 und „Il Trecento adriatico“ in Rimini 2002 lenkten nach dem Fall des eisernen Vorhangs den Blick auch auf die Malerei dieser Region und die dort bereits geleistete Forschung, die sich jedoch zumeist auf das 14.Jh. konzentrierte.<br/>Daß die Kunst Dalmatiens aber gerade im 13. Jh. ein wichtiges Bindeglied zwischen dem 1204 von Venedig eroberten Konstantinopel und dem adriatischen Italien darstellte, zeigt das hier zu besprechende Beispiel. Dabei kam der Vermittlung der Maltechnik eine besondere, bislang vernachlässigte Bedeutung zu. Die vorliegende Studie stellt auf diesem Gebiet eine Pionierarbeit dar. Die Autorin bemüht sich aber auch um die Klärung der (kirchen)historischen Zusammenhänge, die für die in Dalmatien bislang einzigartige Gestaltung des Tafelbildes von Trogir von Bedeutung sind: Das unweit von Split an der östlichen Adriaküste gelegene Trogir war im 13. Jh. noch Sitz eines lateinischen Bistums, das dem Erzbistum Split unterstellt war; auch der Stadtheilige Bischof Johannes von Trogir (1064-1111), Giovanni Orsini, stammte aus einem römischen Geschlecht; dennoch ist das Tafelbild von Trogir alles andere als ein Derivat der italienischen Kunst, vielmehr zeigt es sich dieser künstlerisch und technisch in mehrfacher Hinsicht überlegen. (...)<br/>Eine bislang nicht im Westen, aber in Trogir und an zeitgleichen dalmatinischen Beispielen beobachtete Kunsttechnik ist Chrysographie (Goldmalerei) mit vergoldeten Zinnfolien, die in Dalmatien noch bis zum Ende des 13. Jh.s eine weite Verbreitung genoß. Ihre Ursprünge sind wohl in Byzanz zu suchen. Diese Technik konnte auch an vier Tafelbildern des 12. und 13. Jh.s aus Griechenland und vom Sinai beobachtet werden.<br/>Das geschilderte mathematische Teilungsverfahren bei der Anlage der Bildfelder setzt die Kenntnis des Goldenen Schnittes voraus, die im Westen schon verlorengegangen war, aber offenbar im Einflußbereich von Byzanz noch angewandt wurde. Thieme vermutet, daß es sich bei den Künstlern um griechische Maler gehandelt hat, wie es mehrfach für Dalmatien im 13. Jh. belegt ist, doch konnte keiner der bekannten Namen dem Werk zugeordnet werden. Die byzantinische Kunsttradition, die stilistisch insbesondere bei der Gestaltung der Engel deutlich ist, wurde allerdings bei der Anlage des Retabels von Trogir verlassen, um auf die Anforderungen westlicher Liturgie zu reagieren. Hier wurde vermutlich ein Typus gewählt wie er in Varianten in der Toskana seit etwa 1270 feststellbar ist. Bemerkenswert ist auch, daß künstlerische Techniken festzustellen sind, die dann in die italienische Künstlerliteratur um 1400, namentlich Cennini, eingegangen sind.<br/>Es ist zu hoffen, daß die vorliegende Veröffentlichung zu einer weiteren Erforschung der Tafelmalerei Dalmatiens Anlaß gibt, die möglichst auch die übrige Balkanregion miteinbezieht; doch ist, wie sich auch an dieser Arbeit gezeigt hat, vor allem ein Zusammenwirken auf institutioneller Ebene nötig, damit Arbeiten dieser Art entstehen können, die die Materialkenntnis entscheidend erweitern und wieder einmal vor Augen führen, wie unverzichtbar die Analyse der Maltechnik auch für die historische Beurteilung der Werke ist.“<br/><br/>In: Kunstchronik. Heft 9/10 (2008). S. 482-485.<br/>