Die Wiener Genesis im Rahmen der antiken Buchmalerei

Ikonographie, Darstellung, Illustrationsverfahren und Aussageintention

By (author) Barbara Zimmermann

Book cover: Die Wiener Genesis im Rahmen der antiken Buchmalerei

Extent: 336 pages

Publisher: Dr. Ludwig Reichert Verlag

Subjects: Classical Studies

Series: Spätantike – Frühes Christentum – Byzanz

Language: German

Hardback (Published)

(December 2003)

ISBN: 9783895003196

6.69 x 9.45 inches

Price: $73.50

Out of stock

PDF (Published)

(January 2003)

ISBN: 9783954905744

Price: $62.00

In der Spätantike entstand ein neuer Kunstzweig, die malerische Ausstattung prachtvoller Bücher für ein reiches Publikum. Anhand ausführlicher ikonographischer Analysen der einzelnen Miniaturen der weltberühmten „Wiener Genesis“ aus dem 6. Jahrhundert werden Illustrationsverfahren und Entstehungsprozess der Handschrift rekonstruiert. Vor dem Hintergrund der erhaltenen antiken Illustrationszeugen wird gezeigt, dass mit der Akzeptanz des Codex als Buchform und dessen Eindringen in große Bibliotheken im 4. Jahrhundert der Beginn der blühenden Bibelillustration im westlichen Mittelalter bzw. in Byzanz liegt.


Die 48 Miniaturen der sog. Wiener Genesis (Cod. Vind. theol. gr. 31), einer prachtvollen, illustrierten Purpurhandschrift des 6. Jhs. n. Chr., wurden jungst noch als Beleg gewertet fur die Existenz von illustrierten Bibelhandschriften in judisch-hellenistischen Kreisen; eine solche Buchrolle wurde auch als Archetyp fur den Miniaturenzyklus der Wiener Genesis angenommen.Diese Theorie beruht auf den Forschungen von Kurt Weitzmann (und in Folge der ‘Weitzmannschen Schule’), der – basierend auf der Methode des ‘picture-critiscm’ – eine bluhende Buchmalerei schon in hellenistischer Zeit postulierte, auf welche nahezu alle antiken narrativen Zyklen zuruckgingen.Eine Forschungsgeschichte mit einer ausfuhrlichen Methodendiskussion, die deutlich macht, dass der ‘Schulenstreit’ bis heute noch nicht gelost ist, leitet daher die Studie ein.Um die von Weitzmann rekonstruierte Geschichte der antiken Buchmalerei uberprufen zu konnen, enthalt der erste Teil des Buches einen Uberblick uber alle erhaltenen illustrierten Handschriften(Fragmente) und sog. Illustrationszeugen, wobei hier streng nach wissenschaftlichem und narrativem bzw. antikem und mittelalterlichem Material getrennt wird. Dieser Uberblick dient als Voraussetzung fur die den Hauptteil umfassende Analyse der einzelnen Miniaturen der Wiener Genesis. Die Resultate zu den einzelnen Miniaturen werden schliesslich in einem auswertenden Teil zusammengefasst und interpretiert. Wichtigste Ergebnisse sind: Die Wiener Genesis ist – entgegen bisheriger Annahmen – eine Neuschopfung des 6. Jahrhunderts; der Miniaturenzyklus wurde eigens fur das Codexformat geschaffen basierend auf gangigem Bildformular und in engstem Zusammenhang mit dem paraphrasierten Bibeltext. Alle Ungereimtheiten, die bislang als Beweis fur einen Archetyp in Rollenform angefuhrt und / oder mit exegetischen Texten erklart wurden, konnen aus dem engen Bild-Text-Verhaltnis innerhalb der Handschrift, aus dem Bildformular und dem zugrunde liegenden – hier rekonstruierten – Illustrationsverfahren erklart werden. Uberlegungen zu Malerhanden und Entstehungsprozess der Handschrift bekraftigen diese Ergebnisse. Die Resultate der ikonographischen Analyse zusammen mit dem Uberblick der Illustrationszeugen lassen den Schluss zu, dass erst mit der Akzeptanz des Codex als Buchform und dessen Eindringen in grosse Bibliotheken im Laufe des 4. Jahrhunderts n. Chr. ein neuer Kunstzweig entsteht: die malerische Ausstattung von Buchern diverser Gattungen fur ein reiches Publikum.

  • By (author) Barbara Zimmermann

„The author’s most important contribution is to attmept to explain the miniatures of the Vienna Genesis not in terms of an assembly of pictorial elements copied from lost sources - biblical, extra-biblical, rabbinical, and so forth - but as a sixth-century response to the demands and possibilities of a specific commission with a particular mise-en-page and a specially edited text. It may come as a surprise to those not familiar with the field, but there is still much basic work of this sort to be done even on a topic as much studied as the Vienna Genesis. Z’s study is thus a major and welcome cntribution to the early history of book illumination.“<br/><br/>In: Jahrbuch der österreichischen Byzantinistik. 55 (2005). S. 335-338.<br/><br/>----------------------------<br/><br/>„Die Analyse von Zimmermann wurde methodisch hervorragend durchgeführt. Ihr Buch ist ein wichtiger Beitrag für die Geschichte der spätantiken Buchillustration.“<br/><br/>In: Bulletin Antieke Beschaving. 80 (2005). S. 242-243.<br/><br/>----------------------------<br/><br/>„Die älteste erhaltene illustrierte Bibel ist die in Rom entstandene Quedlinburger Itala (um 400), doch die kunsthistorisch vielleicht bedeutendste ist die Wiener Genesis (24 erhaltene Blätter; 6. Jahrhundert). Sie wird hier ausführlich ikonographisch und vergleichend untersucht, mit dem Ergebnis, dass es sich um eine Auftragsarbeit handeln muss, die im syro-palästinischen Raum entstanden ist. Unterscheiden lassen sich ein Hauptmaler und vielleicht noch (maximal) fünf weitere Hände. Die zeitgenössische Exegese hat auf die narrative Bildfolge nicht eingewirkt, wohl aber ist der Einfluss von außerkanonischem Gut zu vermuten. Der Forschungsstand zur Wiener Genesis wird hier kompetent referiert, kritisiert und durch neue Gesichtspunkte weitergeführt. Ein wichtiges Buch zur frühen Geschichte der Bibelillustration.“<br/><br/>In: International Review of Biblical Studies. 50 (2003/2004). 2328.