Anspruch und Wirklichkeit.

Probleme spätantiker Richteraktivität im Spiegel des Codex Theodosianus.

By (author) Anna Theresa Leneis

Book cover: Anspruch und Wirklichkeit.

Extent: 228 pages

Publisher: Duncker & Humblot

Subjects: Law

Series: Schriften zur Rechtsgeschichte

Series volume number: 192

Language: German

Paperback (Published)

(September 2020)

ISBN: 9783428181209

6.18 x 9.17 inches

Price: $114.00

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Effizienz und Funktionalität des spätantiken Gerichtswesens hingen in entscheidendem Maße von den Statthaltern in den Provinzen ab, die sich in dem Versuch, all ihren Verpflichtungen nachzukommen, in einem Spannungsfeld zwischen Anspruch und Wirklichkeit wiederfanden. Die in dieser Studie untersuchten Kaiserkonstitutionen betreffen unrechtmäßige Handlungspraktiken bei Gericht, formulieren u.a. Vorwürfe gegen Amtsträger und ihre officia und greifen »Missstände« auf, die schlussendlich alle in den breiten Kontext von »Verfahrensverzögerung und –umgehung« zu stellen sind.


Die Rechtsprechung stellte in der vormodernen Herrschaftsorganisation des Imperium Romanum die zentrale offentliche Aufgabe dar. Herrschaftsausubung und Jurisdiktion waren dabei in der romischen Antike eng verknupft eine Gewaltenteilung war dem romischen Staat fremd. Effizienz und Funktionalitat des spatantiken Gerichtswesens hingen mithin entscheidend von den Amtstragern in den Provinzen ab, die sich in dem Versuch, all ihren Verpflichtungen nachzukommen, in einem Spannungsfeld zwischen Anspruch und Wirklichkeit wiederfanden. Die der Untersuchung zugrundeliegenden, ausgewahlten Kaiserkonstitutionen aus der Zeit von Konstantin bis zum Ende der Theodosianischen Dynastie betreffen allesamt unrechtmaaige Handlungspraktiken bei Gericht, formulieren teils Vorwurfe an den direkt angesprochenen, zustandigen Richter oder allgemein, gerichtet an iudices ordinarii und greifen Missstande auf, die schlussendlich alle in den breiten Kontext der Verfahrensverzogerung und -umgehung und fehlenden Richteraktivitat zu stellen sind.

A. Einleitung
Jurisdiktion, Herrschaftspraxis und »Missbrauch« in der Spätantike? – Zeitraum, Quellen und Zielsetzung
B. Von Macht und Zeit: Umgehung des Erkenntnis- und Vollstreckungsverfahrens
Die neglegentia iudicum – Die gratia iudicum – »Aus den Augen, aus dem Sinn« – Inhaftierung als Alternative zu Verfahrensführung und -vollstreckung?
C. Von Gewalt und Unterdrückung: Die Umgehung der Rechtsmittelinstanz
Inhaftierung und Anwendung von Gewalt zur Unterbindung der Rechtsmitteleinlegung – Iudex appellatio non recipitur – Die transmissio suppressa
D. Zusammenfassung und Ausblick
Literatur- und Stichwortverzeichnis

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