Das Neuenbürger Erzrevier im Nordschwarzwald als Wirtschaftsraum während der Späthallstatt- und Frühlatènezeit

By (author) Guntram Gassmann By (author) Günther Wieland By (author) Felicitas Schmitt

Book cover: Das Neuenbürger Erzrevier im Nordschwarzwald als Wirtschaftsraum während der Späthallstatt- und Frühlatènezeit

Extent: 168 pages

Publisher: Dr. Ludwig Reichert Verlag

Subjects: Cultural Studies, German Studies, Medieval Studies

Series: Forschungen und Berichte zur Archäologie in Baden-Württemberg

Series volume number: 24.0

Language: German

(Hardback) (Published)

(June 2023)

ISBN: 9783752006506

Price: $59.00

Out of stock

(PDF) (Published)

(June 2023)

ISBN: 9783752002058

Price: $49.00

Keltische Schmelzmeister produzierten während des 6. und 5. Jahrhunderts v. Chr. bei Neuenbürg im Nordschwarzwald in großem Stil Eisen. Ausgrabungen belegten in den Jahren 2004 bis 2011, dass hier während der späten Hallstatt- und frühen Latènezeit eine zentral organisierte und hoch spezialisierte Eisenproduktion betrieben wurde. Zahlreiche außergewöhnlich gut erhaltene Verhüttungsplätze gehören zu den ältesten Nachweisen der Eisentechnologie nördlich der Alpen und sind ein über Baden-Württemberg hinaus bedeutendes montanarchäologisches Denkmal.<br/>


In den Jahren 2004 bis 2011 wurden in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geforderten Projekt umfangreiche Relikte einer keltischen Eisenproduktion des 6./5. Jhs. v. Chr. bei Neuenburg im Nordschwarzwald archaologisch erforscht. Die aussergewohnlich gut erhaltenen Verhuttungsplatze stellen ein einzigartiges montanarchaologisches Denkmal in Baden-Wurttemberg dar und gehoren zu den altesten Nachweisen dieser Technologie nordlich der Alpen. Nach der Entdeckung keltischer Siedlungsspuren auf dem Neuenburger Schlossberg in den 1930er Jahren wurde ein Zusammenhang mit dem Neuenburger Erzrevier vermutet, aber erst 1995/96 durch gezielte Gelandeforschungen nachgewiesen. Der tatsachliche Umfang konnte dann im Rahmen des DFG-Projekts erfasst werden. Systematische Prospektionen in den Waldern um Neuenburg erbrachten umfangreiche und zum Teil aussergewohnlich gut erhaltene Uberreste der keltischen Eisenerzverhuttung in Form von Abfallhalden aus Rennofenschlacken und Ofenbauteilen. Mittlerweile sind uber 80 dieser Produktionsareale bekannt, sie liegen in einem ca. 5 x 6 km umfassenden Bereich sudlich und ostlich der Hohensiedlung auf dem Neuenburger Schlossberg. Anscheinend wurde hier uber einen relativ kurzen Zeitraum wahrend der spaten Hallstatt- und fruhen Latenezeit eine intensive und hoch spezialisierte Eisenproduktion betrieben. Ausgrabungen an bislang sechs Verhuttungsplatzen belegen eine sehr einheitliche Organisation und Produktionsweise. Bei den Grabungen wurden immer wieder standardisierte Ensembles der metallurgischen Produktionskette angetroffen, welche Erzaufbereitung, Verhuttung und erste Weiterverarbeitungsschritte der Stahlluppe umfassen. Mehrere Rennfeuerofen an jedem Platz lassen auf eine zentral organisierte, kontinuierliche und normierte Metallproduktion schliessen. Die Erzaufbereitung erfolgte durch Rosten und anschliessendes Zerkleinern auf Steinpodien mittels faustgrosser “Pochsteine” und Schiebemuhlen. Die in den Rennfeuerofen produzierten Stahlluppen wurden noch am Verhuttungsplatz ausgeschmiedet, die weitere Verarbeitung fand dann wohl in den Siedlungen statt. Die Kenntnis von Bergbau und Erzverhuttung ist wahrscheinlich als Technologieimport uber die Kontakte der fruhkeltischen Welt zum mediterranen Raum in den Nordschwarzwald gelangt und hat hier zur Herausbildung einer kurzfristigen uberregional bedeutenden Eisenproduktion im Neuenburger Erzrevier gefuhrt.

  • By (author) Guntram Gassmann
  • By (author) Günther Wieland
  • By (author) Felicitas Schmitt