ṭupšar lā šanān
Der Prolog des Chicago-Prismas Sanheribs von Assyrien. Intertextuelle und motivgeschichtliche Studien
By (author) Nikita Artemov
Hardback (Published)
(December 2025)
ISBN: 9783963273001
6.69 x 9.45 inches
Price: $188.00
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Fast jede(r) moderne(r) Assyriologe/-in lernt in einem vergleichsweise frühen Stadium des Studiums den Text der annalistischen Tonprismeninschriften Sanheribs mit dem Bericht über acht Feldzüge kennen. Als Basistext dient dabei das 1920 von J.H. Breasted von einem Antiquitätenhändler in Bagdad erworbene und 1924 von D. Luckenbill publizierte Tonprisma, welches im Oriental Institute in Chicago aufbewahrt und deshalb traditionell als das „Chicago-Prisma“ bezeichnet wird. Betrachtet man diesen Text jedoch aus einem traditionsgeschichtlichen Blickwinkel heraus, konkret, im Kontext der Geschichte der assyrischen Königsinschriften als Textgattung, so steht er nicht am Anfang, sondern fast am Ende der Entwicklung. Es ist zwar ein heute im Kontext des assyriologischen Studiums früh gelesener, im Makrokontext der altorientalischen Geschichte aber spät entstandener Text. Die Annalen assyrischer Könige sind ein typisches Beispiel für eine Traditionsliteratur: Texte der Vorgänger werden in Texten der Nachfolger intensiv rezipiert und prägen diese literarisch. Hinzu kommt, dass die Königsinschriften im Grunde genommen einen Überlieferungsstrom mit zahlreichen anderen Texten bilden. Um sie verstehen und würdigen zu können, muss man die Bezugnahmen erkennen, die oft in unauffälligen Wendungen versteckt sind und auf weitere Texte hinweisen, denn solche Bezugnahmen sind (wie in jeder Literatur jeder Epoche) sinnkonstitutiv. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Beitrag zum besseren Verständnis der Sanherib-Annalen in ihrem kulturgeschichtlichen Kontext durch die Erforschung ihrer intertextuellen Verbindungen zu leisten. Die Fokussierung auf die 19 Zeilen des Prologs des Chicago-Prismas hat mehrere Gründe. Zum einen ist der Prolog der Textteil, in welchem die intertextuellen Bezüge zu anderen Texten und Traditionen am dichtesten sind. Zum anderen ist er auch der Textteil, der nicht nur kompositorisch gesehen vorne steht, sondern den anschließenden Kriegs- und Baubericht literarisch vorbereitet und gewissermaßen als hermeneutische Brille für die anderen Textteile fungiert. Und schließlich scheint er der einzige Teil der annalistischen Prismeninschriften Sanheribs zu sein, der als Schultext benutzt wurde.
Fast jede(r) moderne(r) Assyriologe/-in lernt in einem vergleichsweise frühen Stadium des Studiums den Text der annalistischen Tonprismeninschriften Sanheribs mit dem Bericht über acht Feldzüge kennen. Als Basistext dient dabei das 1920 von J.H. Breasted von einem Antiquitätenhändler in Bagdad erworbene und 1924 von D. Luckenbill publizierte Tonprisma, welches im Oriental Institute in Chicago aufbewahrt und deshalb traditionell als das „Chicago-Prisma“ bezeichnet wird. Betrachtet man diesen Text jedoch aus einem traditionsgeschichtlichen Blickwinkel heraus, konkret, im Kontext der Geschichte der assyrischen Königsinschriften als Textgattung, so steht er nicht am Anfang, sondern fast am Ende der Entwicklung. Es ist zwar ein heute im Kontext des assyriologischen Studiums früh gelesener, im Makrokontext der altorientalischen Geschichte aber spät entstandener Text. Die Annalen assyrischer Könige sind ein typisches Beispiel für eine Traditionsliteratur: Texte der Vorgänger werden in Texten der Nachfolger intensiv rezipiert und prägen diese literarisch. Hinzu kommt, dass die Königsinschriften im Grunde genommen einen Überlieferungsstrom mit zahlreichen anderen Texten bilden. Um sie verstehen und würdigen zu können, muss man die Bezugnahmen erkennen, die oft in unauffälligen Wendungen versteckt sind und auf weitere Texte hinweisen, denn solche Bezugnahmen sind (wie in jeder Literatur jeder Epoche) sinnkonstitutiv. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Beitrag zum besseren Verständnis der Sanherib-Annalen in ihrem kulturgeschichtlichen Kontext durch die Erforschung ihrer intertextuellen Verbindungen zu leisten. Die Fokussierung auf die 19 Zeilen des Prologs des Chicago-Prismas hat mehrere Gründe. Zum einen ist der Prolog der Textteil, in welchem die intertextuellen Bezüge zu anderen Texten und Traditionen am dichtesten sind. Zum anderen ist er auch der Textteil, der nicht nur kompositorisch gesehen vorne steht, sondern den anschließenden Kriegs- und Baubericht literarisch vorbereitet und gewissermaßen als hermeneutische Brille für die anderen Textteile fungiert. Und schließlich scheint er der einzige Teil der annalistischen Prismeninschriften Sanheribs zu sein, der als Schultext benutzt wurde.
EINLEITUNG
1. INTERTEXTUALITÄT IM CHICAGO-PRISMA SANHERIBS: EINFÜHRENDE BEMERKUNGEN
2. ZUM HISTORISCHEN KONTEXT UND INHALT DER KÖNIGSINSCHRIFTEN SANHERIBS
2.1. Geschichtlicher Überblick
2.2. Quellen
3. ZU FORSCHUNGSGESCHICHTE UND FRAGESTELLUNG
4. INTERTEXTUALITÄT: THEORETISCHE ASPEKTE
4.1. Zum Intertextualitätsbegriff und seinem Gebrauch in der vorliegenden Arbeit
4.2. Kulturgeschichtliche Aspekte von Intertextualität
4.3. Die Arten von Intertextualität
4.4. Intertextualitätssignale
4.5. Funktionen von Intertextualität
4.6. Intertextualität und Motivgeschichte
5. ZUR METHODISCHEN VORGEHENSWEISE
6. ZUM AUFBAU DER ARBEIT
7. ZU DER TERMINOLOGIE
8. WEITERE ANMERKUNGEN
TEXT
1. TRANSLITERATION UND ÜBERSETZUNG
2. ZUR LITERARGESCHICHTE DES PROLOGS
3. ZUR KOMPOSITION DES PROLOGS
TEIL 1: KÖNIGSTITULATUR
1. DIE KÖNIGSTITEL DES PROLOGS (I 1–3A)
1.1. šarru rabû
1.2. šarru dannu
1.3. šar kiššati
1.4. šar māt Aššur
1.5. šar kibrāt erbetti
2. ZUM GEBRAUCH DER KÖNIGSTITULATUR IN SANHERIB-INSCHRIFTEN
2.1. Übersicht
2.2. Auswertung
3. ZUSAMMENSCHAU UND AUSBLICK
TEIL II: KÖNIGSEPITHETA
1. ANFANGSEPITHETON (I 3b): KÖNIG ALS HIRTE
2. ERSTE EPITHETAREIHE (I 4–6): DER KÖNIG ALS LIEBLING DER GÖTTER UND HÜTER DES RECHTS
2.1. Der König als Liebling der Götter
2.2. Sanherib als Hüter der Gerechtigkeit und Beschützer der Schwachen
3. ZWEITE EPITHETAREIHE (I 7–9): DER KÖNIG ALS KRIEGER UND BEZWINGER DER FEINDE
3.1. Der König als idealtypischer Mann und Krieger
3.2. Machtepitheta mit Konnotation der Gottähnlichkeit
4. DIE KÖNIGSEPITHETA DES PROLOGS IN IHREM LITERARISCHEN PRODUKTIONSKONTEXT
4.1. Die (Varianten der) Königsepitheta in den Inschriften Sanheribs
4.2. Literarische Parallelen zu den Königsepitheta im Prolog der Annalen Sanheribs in babylonischen Königsinschriften und Götterhymnen
5. ZUSAMMENSCHAU
TEIL III: DER NARRATIVE TEIL DES PROLOGS
1. DER NARRATIVE TEIL DES PROLOGS UND SEINE KOMPOSITIONELLE STRUKTUR
2. ZWEITEILIGER LEGITIMATIONSPASSUS (I 10–15): DIE UNBESIEGBARKEIT UND WELTHERRSCHAFT SANHERIBS
2.1. Legitimationspassus als Strukturelement assyrischer Königsinschriften: eine Skizze seiner „Geschichte“ von Salmanassar I. bis Sargon II.
2.2. Erster Legitimationspassus (I 10–12): Erhöhung über alle anderen Herrscher
2.3. Zweiter Legitimationspassus (I 13–15): Unterwerfung der Weltbevölkerung
2.4. Die intertextuellen Bezüge des Legitimationspassus: Schlussbetrachtung und Fazit
3. ÜBERLEITUNG ZUM KRIEGSBERICHT (I 16–19): ANGST UND FLUCHT DER WIDERSACHER
4. ZUSAMMENSCHAU UND RÜCKBLICK
FAZIT UND BILANZ
ABKÜRZUNGEN
BIBLIOGRAPHIE
- By (author) Nikita Artemov
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