Kampf ums Da(bei)sein
Darwin-Diskurse und die polnische Literatur bis 1900
By (author) Daniel Schümann
Hardback (Published)
(October 2015)
ISBN: 9783412225049
6.34 x 9.25 inches
Price: $99.00
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Den Ausgang der Studie bildet eine Diskursgeschichte der polnischen Auseinandersetzung mit Charles Darwins Theorien wahrend der ersten vier Jahrzehnte. Anschliessend untersucht der Autor im Hauptteil (5 von 10 Kapiteln) die Adaption und Weiterentwicklung der darwinschen Ideenwelt auf dem Gebiet der polnischen Belletristik bis 1900. Gerade hier zeigen sich die verschlungenen Wege eines geistesgeschichtlichen Osmoseprozesses, der in wenigen Jahrzehnten vom oft mit harten Bandagen gefuhrten Schlagabtausch uber die neue evolutionistische Weltsicht hin zu einer kreativen Umschreibung (bzw. Umschreibung) darwinschen Gedankenguts fuhrte. Die fur Polen zentrale Metapher – diejenige vom ‘Kampf ums Dasein’ (polnisch: walka o byt) – wurde durch namhafte und weniger bekannte Schriftsteller der im 19. Jahrhunderts dreigeteilten polnischen Literatur weiterentwickelt. In der Kombination einer dualen, wissenschaftshistorischen und textinterpretatorischen Perspektive betritt die Arbeit Neuland. Der gewahlte Ansatz entspricht dem Horizont der behandelten Belletristen, die – wie z. B. Adolf Dygasinski, Boleslaw Prus und Henryk Sienkiewicz – selbst eine ‘Evolution’ vom publizistischen Schreiben uber Darwins Ideen zu einem fiktionalen Schreiben mit und nach Darwin vollzogen. Bereits fruh zeigte sich auf dem Gebiet der Literatur, wie gefahrlich die Ubertragung sozialdarwinistischer Lesarten des Evolutionsgedankens sein konnten. Gerade die deutschsprachige Darwin-Exegese mit Protagonisten wie Ernst Haeckel, Ludwig Buchner und anderen, heute in Vergessenheit geratenen ‘Darwinisten’ fiel in den nach intellektueller Neuorientierung suchenden und dabei zunehmend in nationale Antagonismen verfallenden polnischen Teilungsgebieten auf fruchtbaren Boden. Daniel Schumann zeigt auf, wie die kunstlerische Auseinandersetzung mit Darwin – und parallel dazu auch die politologische und gesellschaftstheoretische – um 1900 zunehmend im fur Nicht-Polen nur noch bedingt zuganglichen Reich nationaler Mythen und Fiktionen aufging.
Daniel Schümann ist Privatdozent an der Universität Bamberg. Nach einem Doppelstudium (Magister und Lehramt an Gymnasien) der Slavistik, Germanistik und Anglistik war er vierzehn Jahre als Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Vertretungsprofessor und Lehrbeauftragter an verschiedenen Universitäten tätig (u. a. Bamberg, Köln, Bochum, Bremen). Seine Arbeitsschwerpunkte sind die deutsch-russischen und englisch-russisch-polnischen Literaturbeziehungen, der polnische Sibirienmythos, die Wechselwirkung von Evolutionstheorie und Literatur in Polen sowie Italienbilder in slavischen Literaturen. Forschungen u. a. zum Werk von I. A. Gonč
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