Die Strafbarkeit des Auschwitz-Leugnens.
By (author) Thomas Wandres
Paperback (Published)
(April 2000)
ISBN: 9783428100552
6.18 x 9.17 inches
Price: $139.00
Out of stock
Deutschland mehr als ein halbes Jahrhundert nach Hitler: Rechtsextremisten marschieren auf, Nazi-Symbole werden gezeigt, Parolen skandiert. Noch mehr erschrecken die Gewalt- und Haßausbrüche, die sich gegen Ausländer und andere Minderheiten richten. Da scheinen sich die Aktivitäten der Auschwitz-Leugner, die sich selbst “Revisionisten” nennen, bruchlos einzufügen. Hierzulande hat man mit § 130 Abs. 3 StGB reagiert. Der Bestrafung revisionistischer Äußerungen als Beleidigung wird die Bestrafung als Volksverhetzung zur Seite gestellt. Der Autor widmet sich der Frage, ob die Strafbarkeit des Auschwitz-Leugnens mit straf- und verfassungsrechtlichen Grundprinzipien vereinbar ist.
Es wird erläutert, warum die Erkenntnisse der etablierten Zeitgeschichtsforschung der richtige Maßstab dafür sind, ob jemand im Bereich der Geschichte etwas leugnet. Der Stand der Zeitgeschichtsforschung zum Holocaust wird dargestellt, wobei der Schwerpunkt auf den umstrittenen Positionen liegt, den Streitpunkten. Thomas Wandres ergänzt die Erkenntnisse der Zeitgeschichtsforschung durch die Feststellungen, die bundesdeutsche Gerichte in den wenigen Strafverfahren gegen NS-Verbrecher getroffen haben. Der Autor liefert eine umfassende Darstellung des Auschwitz-Leugnens einschließlich der internationalen Verflechtung der “Szene”. Danach lassen sich die Erscheinungsformen präzise abgrenzen, was eine praxisgerechte rechtliche Würdigung erleichtert. Eine Darstellung der Rechtslage in zwölf ausländischen Staaten schließt sich an.
Die bloße Geschichtsrevision ist, was ausführlich begründet wird, keine Ehrverletzung. Auch hat sie mangels agitatorischen Gruppenbezugs nicht das Potential, eine Pogromstimmung hervorzurufen. Daher kommt Wandres zu dem Ergebnis, daß keine Bestrafung als Beleidigung oder Volksverhetzung in Frage kommt. Hingegen stellt sich die “Auschwitz-Lüge” – verstanden als Behauptung, “die Juden” hätten die Geschichte verfälscht oder profitierten davon ungerechtfertigt – regelmäßig als Sammelbeleidigung dar und erfüllt zugleich den Volksverhetzungstatbestand. Das gilt erst recht, wenn an die NS-Rassenlehre (wieder-)angeknüpft oder eine aktuelle Pogromstimmung geschürt wird.
Dieses Konzept besteht die verfassungsrechtliche Prüfung. Auch hält es den Vorgaben der personalen Rechtsgutslehre stand, die im Gegenzug eine Bestätigung erfährt. Hingegen würde eine Bestrafung der bloßen Geschichtsrevision vor allem mit der Meinungsfreiheit über Kreuz geraten. Der Autor warnt davor, das Versagen der Strafjustiz bei der Ahndung der NS-Verbrechen durch blinden Eifer bei der Bestrafung der Auschwitz-Leugner wettzumachen, deren Umtriebe durch die Versäumnisse begünstigt wurden, wenn nicht sogar erst möglich geworden sind.
- By (author) Thomas Wandres
»Dem Autor ist sicherlich beizupflichten, dass gelebte freiheitlich-demokratische Verfassung und rechtsstaatliche Prinzipientreue bei weitem geeigneter sind zur konsequenten Abwendung vom Nationalsozialismus, als dies ein Strafgesetz jemals sein könnte. Dieser Verantwortung und Herausforderung hat sich auch die Rechtswissenschaft und Justiz zu stellen. Obschon die Geschichte Deutschlands eine andere ist als diejenige der Schweiz, verdient dieses Werk auch hierzulande Beachtung, zumal hier rechtsextreme Umtriebe und öffentliche Auftritte keine Seltenheit mehr sind. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis schliesst dieses bedenkenswerte Buch ab, welches sich an eine historisch und tagepolitisch interessierte Leserschaft richtet.«
Annegret Katzenstein, in: Schweizerische Juristen-Zeitung, 20/2001
—
Other Titles in this Series
Mordtatbestand und verfassungskonforme Rechtsanwendung.
Ein Beitrag zu den Folgen verfassungsgerichtlicher Rechtsprechung, insbesondere für das Mordmerkmal "heimtückisch".
Volume 60
Das Bundesamt für Verfassungsschutz und das strafprozessuale Ermittlungsverfahren.
Die Mitwirkung des Bundesamtes für Verfassungsschutz in strafprozessualen Ermittlungsverfahren vor dem Hintergrund des sog. Trennungsgebots.
Volume 262
Die Strafbarkeit privater Sportwettenanbieter gemäß § 284 StGB.
Zugleich eine Untersuchung zu den Grenzen der Verwaltungsakzessorietät.
Volume 214
Römischrechtliche Ausgangspunkte der strafrechtlichen Beteiligungslehre.
Täterschaft und Teilnahme im römischen Strafrecht.
Volume 178
Konstruktive Tatverarbeitung des sexuellen Missbrauchs von Kindern im Strafrecht.
Normative und empirische Überlegungen zur Bedeutung eines opferorientierten Rechtsgüterschutzes für die Strafverfolgung.
Volume 148
Beweiserhebungskontrollen des Tatgerichts und Autonomie der Verteidigung durch Präsentation von Entlastungsbeweisen in der Hauptverhandlung des Strafprozesses.
Volume 111
Gnade und Gesetz.
Zum Verhältnis des Begnadigungsrechts zu seinen gesetzlichen Alternativregelungen.
Volume 278
Politische Fernziele und Unrecht.
Ein Beitrag zur Lehre von der Strafrechtswidrigkeit unter besonderer Berücksichtigung der Verwerflichkeitsklausel des § 240 Abs. 2 StGB.
Volume 70
Erlaubte Vorteilsannahme – §§ 331 StGB, 70 BBG, 10 BAT.
Zugleich ein Beitrag zur Einheit der Rechtsordnung und zur "Rückwirkung" behördlicher Genehmigungen im Strafrecht.
Volume 89
Das strafprozessuale Verbot der reformatio in peius und die Maßregeln der Besserung und Sicherung.
Volume 122
Objektive und personale Zurechnung von Verhalten, Gefahr und Verletzung in einem funktionellen Straftatsystem.
Volume 40
Tatprovokation als Ermittlungsmaßnahme.
Rechtliche Grenzen der Beweiserhebung und Beweisverwertung beim Einsatz polizeilicher Lockspitzel im Strafverfahren.
Volume 250
Strafrechtliche Zurechnung bei Defektzuständen.
Zugleich ein Beitrag zur allgemeinen Zurechnungslehre.
Volume 139
Rasterfahndung.
Eine EDV-gestützte Massenfahndungsmethode im Spannungsfeld zwischen einer effektiven Strafverfolgung und dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung.
Volume 101
Die strafrechtliche Resonanz auf Verhaltensnormverstöße und deren Folgen
Zur Legitimation konkret-individueller Sanktionsnormen und deren Bildung im freiheitlichen Rechtsstaat
Volume 322
Similar Books
‘For You I Study, For You I Work, For You I Live, For You I Am Ready To Even Give My Life’
Essays in Honour of Francis (Frank) J Moloney, SDB
A Late Antique Harrowing of Hell and Its Medieval Reception
Eusebius of Alexandria's Sermons 15 and 17 (CPG 5524; 5526) and their Latin Rewritings
Volume 99
Ars Prophetica
Theology in the Poetry of Twentieth-Century Hebrew Poets Avraham Halfi, Shin Shalom, Amir Gilboa, and T. Carmi
Drunk the Potion, No Whit Charmed
The Doctrine of Pure and Perfect Souls from Iamblichus to Damascius
Extracanonical Traditions and the Holy Land
Texts, Rituals, and Material Culture in Late Antique Palestine
Fear, Fear of God, God-Fearers
Philological and Historical Perspectives on the World of Ancient Judaism and Christianity
Legal Pluralism and the Tajik Experience of Xinjiang
Between Custom and the Chinese State: An Ethnographic Perspective
Legal Visuality
Exegesis, Ambiguity, and Dissimulation of the Donation of Constantine in the Early Modern Period
Liturgia semper reformanda
Adaptations and accommodations in the liturgy in light of canon 838 of the Code of Canon Law
Pre-Christian Religions, Rituals, and Beliefs in Central and Northern Europe
Interdisciplinary Investigations
Volume 5
The Therapeutae as the Best Paradigm for the Contemplative Life
A Contextual Reading of Philo of Alexandria's De Vita Contemplativa
