Rechtsdogmatik und Wissenschaftstheorie
Möglichkeiten und Grenzen eines interdisziplinären Diskurses
By (author) Johannes Herb
Paperback (Published)
(June 2026)
ISBN: 9783162000255
6.1 x 9.13 inches
Price: $137.00
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To what extent can legal doctrine benefit from the theory of science? On the basis of three influential currents of the 20th century – logical empiricism, falsificationism and historical epistemology – Johannes Herb analyzes how legal knowledge moves in the conflicting fields of normativity and context.
English summary: The scientific status of law has long been a source of unease within legal scholarship. This interdisciplinary study offers a systematic exploration of what jurisprudence can learn from the philosophy of science. Adopting a historical and contextual approach, the author engages with three major theoretical traditions of the twentieth century: logical empiricism, Karl Popper’s falsificationism, and Thomas Kuhn’s historical epistemology. Popper’s critical rationalism profoundly shaped legal thought, yet it addresses questions that do not arise within the domain of legal doctrine. The empiricists’ critique of metaphysics, by contrast, reveals striking parallels to Hans Kelsen’s Pure Theory of Law. Both, however, fall short of achieving the conceptual purification they envision. In this respect, Thomas Kuhn’s re-evaluation of the distinction between validity and genesis marks a decisive shift. His model of paradigm change, though imperfect as historiography, exposes the deep contextuality of all knowledge practices – including legal reasoning. The study concludes that the pursuit of a purely “scientific” legal method is misguided if it seeks to emulate an idealised image of empirical science that even the natural sciences themselves do not uphold. Instead, the conceptual resources of historical epistemology allow for a more productive reflection on how legal doctrine negotiates its social, cultural, and historical contexts while preserving its normative autonomy. German description: Die Frage nach der Wissenschaftlichkeit des Rechts gehort zu den Grundproblemen juristischen Denkens. Johannes Herb geht dieser Frage nach und untersucht, inwieweit sich zentrale Konzepte der Wissenschaftstheorie fur das Verstandnis der Rechtsdogmatik fruchtbar machen lassen. Im Mittelpunkt stehen drei einflussreiche theoretische Bewegungen des 20. Jahrhunderts: der Logische Empirismus, Karl Poppers Falsifikationismus und Thomas Kuhns Historische Epistemologie. Der Falsifikationismus hat in der Rechtswissenschaft eine besonders breite Rezeption erfahren. Gleichwohl zeigt die Analyse, dass er Problemstellungen aufgreift, die im juristischen Kontext gar nicht entstehen, und Antworten bietet, die fur die Rechtsdogmatik wenig tragfahig sind. Der Logische Empirismus, dessen Metaphysikkritik markante Parallelen zu Hans Kelsens Reiner Rechtslehre aufweist, bietet einen produktiven Ansatz, auch wenn beide Programme ihre “metaphysische Reinigung” nicht konsequent umsetzen konnen. Thomas Kuhn schliesslich bricht mit der Vorstellung, Wissenschaft lasse sich allein durch objektive Geltungsanspruche definieren. Seine Kritik an der Trennung von Geltung und Genese eroffnet neue Perspektiven fur die Rechtswissenschaft: Auch juristische Erkenntnis entsteht in historischen, kulturellen und sozialen Kontexten. Johannes Herb zeigt, dass die Rechtsdogmatik nicht durch die Nachahmung naturwissenschaftlicher Modelle, sondern durch die reflektierte Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Erkenntnisform gewinnt. Das Instrumentarium der Historischen Epistemologie erweist sich dabei als besonders geeignet, um die Kontextabhangigkeit rechtlicher Rationalitat systematisch zu erfassen, ohne in Relativismus zu verfallen.
Einleitung: America und das Astrolabium
Kapitel 1: Annäherung an den Begriff der Rechtsdogmatik
Kapitel 2: Das Induktionsproblem
Kapitel 3: Der Logische Empirismus
Kapitel 4: Der Falsifikationismus
Kapitel 5: Einwände gegen die Übertragung des Falsifikationismus auf die Rechtsdogmatik
Kapitel 6: Verbleibende Impulse der frühen Wissenschaftstheorie
Kapitel 7: Vom Pfeil zum Kreis - und wieder zurück
Kapitel 8: Schluss - Asche zu Asche
- By (author) Johannes Herb
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