Politische Köpfe und schöne Seelen.

Affekt, Moral, Gesellschaft im Alltagsdenken der weltlichen Oberschichten des Abendlandes – Eine biologisch-psychologisch-soziologische Synthese.

By (author) Gerhard Vowinckel

Book cover: Politische Köpfe und schöne Seelen.

Extent: 219 pages

Publisher: Duncker & Humblot

Subjects: Philosophy

Series: Soziologische Schriften

Series volume number: 83

Language: German

Paperback (Published)

(August 2012)

ISBN: 9783428138241

6.18 x 9.17 inches

Price: $114.00

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In den europäischen Oberschichten kursierende Normen und moralische Denkmittel zur Kontrolle der Affekte und ihres körperlichen Ausdrucks unterliegen einem zweifachen Paradigmenwechsel.
Auf Begriffe einer soziozentrischen Gefühlsmoral im Mittelalter folgen im 16./17. Jh. Denkmittel einer relativierenden Nützlichkeitsmoral, die im 18. Jh. wieder von gefühlsmoralisch-soziozentrischen Moralbegriffen verdrängt werden. Der Wandel der Denkweisen folgt dem Wandel der sozialen Lebensbedingungen der Oberschichten.


Manierenschriften für Angehörige der europäischen Oberschichten fordern stets: Mienen, Gesten und Tonfall sollen die Übereinstimmung der Gefühle mit dem moralisch konformen Verhalten ausdrücken. Mittelalterliche Lehrer höfischer Sitte und bürgerliche Anstands- und Tugendlehrer des 18./19. Jh. verlangen zudem die Übereinstimmung des Affektausdrucks mit den wahren Gefühlen. Politische Klugheitslehrer des 17./18. Jh. warnen hingegen vor Offenherzigkeit. Diese Beobachtung ist Ausgangspunkt einer Rekonstruktion der ethischen Alltagstheorien und Gesellschaftsbilder, die so unterschiedliche Grundsätze verständlich machen. Die Rekonstruktion bedient sich begrifflicher Mittel aus der Psychologie der kognitiv-moralischen Entwicklung (Piaget, Kohlberg). Ritter und Bürger kultivieren gleichermaßen soziozentrische Moralbegriffe, die auf moralisch konformen Gefühlen beruhen und moralische Werte zu (metaphysischen) Tatsachen machen. Aristokraten des 17. Jh. relativieren moralische Werte als Zuschreibungen und rekonstruieren Normen als Mittel zur Beförderung der »Glückseligkeit« der Menschen. Die soziologische Deutung bezieht die Abfolge moralischer Paradigmen auf den Übergang von der ständischen zur staatlichen Verfassung der Gesellschaft und den damit verbundenen Wandel der Lebensbedingungen der Oberschichten.

I. Einleitung

II. Der hüfsche muot

III. Cortigiano und St. Grobian

IV. Die politische Klugheit

V. Die schöne Seele

VI. Denkmittel und Lebensräume

VII. Gedankliche Arbeitsmodelle affektiver Selbststeuerung

VIII. Über den Begriff der Zivilisation

IX. Nationale Besonderheiten

X. Wandel der Sozialstruktur – Wandel der Denkmittel

Literaturverzeichnis

Sach- und Personenverzeichnis

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