Livius, Dionysios, Augustus, Machiavelli
Ein diskursanalytischer Vergleich der romischen Fruhgeschichte bei Livius und Dionysios von Halikarnassos und die Rezeption ihrer livianischen Darstellung im Werk des Niccolo Machiavelli
by Philip Haas
Paperback (Published)
(August 2015)
ISBN: 9783447104364
6.65 x 9.49 inches
Price: $61.00
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Das fruhe Rom bildete uber Jahrtausende einen politischen und moralischen Bezugspunkt fur das ‘abendlandische’ Denken. Dabei war es stets Livius, der mit seinem Werk Ab urbe condita das Bild dieses Roms pragte. Wie sehr seine Darstellung der Stadt am Tiber, ihr Entstehen und unaufhaltsamer Aufstieg aufgrund moralischer Uberlegenheit, auf Diskursen und Narrativen seiner eigenen Lebenswelt beruhte, namlich dem Rom unter dem Prinzipat des Augustus, zeigt Philip Haas’ Studie. Nicht nur wird Livius’ Narration in Diskurse der augusteischen Literatur und Kultur eingebettet, sondern auch mit alternativen Erzahlweisen der romischen Annalisten und des Dionysios von Halikarnassos verglichen, der zwar zur Zeit des Livius in Rom lebte und schrieb, aber seinen Lesern ein vollig anderes fruhes Rom prasentierte. Es war das fruhe Rom des Livius mit all seinen Besonderheiten, welches in der Folgezeit eine ungeahnte Bedeutung gewann, wie die Untersuchung seiner Rezeption und Verargumentierung durch Niccolo Machiavelli zeigt. Der Florentiner begriff die Fruhgeschichte der Stadt am Tiber als tatsachlich gemachte Erfahrungen und Erfolgsrezept gelungenen politischen Handelns eines Gemeinwesens. Einige seiner Zeitgenossen, insbesondere Francesco Guicciardini, kritisierten Machiavelli fur die einseitige Konzentration auf Livius und verwiesen auf alternative Erzahlungen. Dennoch tradierte Machiavelli zentrale Narrative und gestalterische Intentionen von Ab urbe condita und des augusteischen Roms an die Nachwelt und bereitete sie zu Maximen auf, welche das politische Denken bis heute pragen.
Das fruhe Rom bildete uber Jahrtausende einen politischen und moralischen Bezugspunkt fur das ‘abendlandische’ Denken. Dabei war es stets Livius, der mit seinem Werk Ab urbe condita das Bild dieses Roms pragte. Wie sehr seine Darstellung der Stadt am Tiber, ihr Entstehen und unaufhaltsamer Aufstieg aufgrund moralischer Uberlegenheit, auf Diskursen und Narrativen seiner eigenen Lebenswelt beruhte, namlich dem Rom unter dem Prinzipat des Augustus, zeigt Philip Haas’ Studie. Nicht nur wird Livius’ Narration in Diskurse der augusteischen Literatur und Kultur eingebettet, sondern auch mit alternativen Erzahlweisen der romischen Annalisten und des Dionysios von Halikarnassos verglichen, der zwar zur Zeit des Livius in Rom lebte und schrieb, aber seinen Lesern ein vollig anderes fruhes Rom prasentierte. Es war das fruhe Rom des Livius mit all seinen Besonderheiten, welches in der Folgezeit eine ungeahnte Bedeutung gewann, wie die Untersuchung seiner Rezeption und Verargumentierung durch Niccolo Machiavelli zeigt. Der Florentiner begriff die Fruhgeschichte der Stadt am Tiber als tatsachlich gemachte Erfahrungen und Erfolgsrezept gelungenen politischen Handelns eines Gemeinwesens. Einige seiner Zeitgenossen, insbesondere Francesco Guicciardini, kritisierten Machiavelli fur die einseitige Konzentration auf Livius und verwiesen auf alternative Erzahlungen. Dennoch tradierte Machiavelli zentrale Narrative und gestalterische Intentionen von Ab urbe condita und des augusteischen Roms an die Nachwelt und bereitete sie zu Maximen auf, welche das politische Denken bis heute pragen.
Danksagung I. Einleitung Methodische Voraussetzungen fur eine Revision der Livius-Augustus Frage Forschungsfrage und Textpensum Die Rezeption und Neukontextualisierung im Werk des Niccolo Machiavelli Gliederung der Untersuchung II. Vorbemerkungen und theoretische Grundlagen 1 Livius in der Geschichtsforschung 1.1 Die Quellenforschung 1.2 Erich Burck und Livius als Augusteer 1.3 Syme und die politische Moralisierung der Debatte 1.4 Der 'Kompromiss' am Ende der Debatte 1.5 Liviusforschung nach der Kontroverse 2 Livius' Nahe zu Augustus? Eine Sammlung von Indizien 2.1 Livius' personliche Nahe zu Augustus 2.1.1 Rom als Bezugspunkt 2.1.2 Amicitia mit Augustus 2.2 Livius der 'Pompeianer' 2.3 Livius als Teil der augusteischen Literatur und Kultur 2.3.1 Der Beginn in den 'goldenen Zwanzigern' 2.3.2 Das 'Prosaepos' als Alternative zur Kleinform 2.3.3 Ab urbe condita und die Aeneis als komplementare Werke 2.3.4 Lactea ubertas: 'Klassisches' und 'Archaisches' im Stil des Livius 2.3.4.1 Klassisches 2.3.4.2 Archaisches 2.3.5 Livius als einziger Historiograph der augusteischen Zeit? 2.4 Die Quellenfrage: Livius und die Annalistik 2.4.1 Die Problematik 2.4.2 Die Prasentation der Texte2.4.3 Eine vergleichende Interpretation von Livius und Quadrigarius 2.4.4 Von der gentilizischen zur 'Geschichte aller Romer' 2.5 Dionysios von Halikarnassos 2.5.1 Zwischen positivistischem Diskurs und konzeptionellen Unterschieden 2.5.2 Grundzuge der romische Archaologie 2.6 Die Praefatio von Ab urbe condita 2.6.1 In tanta scriptorum turba: Livius in annalistischer Tradition 2.6.2 Der Blick auf die Fruhgeschichte als Uberwindung der Burgerkriege 2.6.3 Primordia augustiora facere statt historischer Wahrhaftigkeit 2.6.4 Moralische Geschichtsschreibung: vitia et remedia 2.6.5 Der Optimismus des moralischen Wiederaufbaus 3 Ein Zwischenfazit als Basis der Methodik III. Die Analyse von Ab urbe condita 4 Buch 1: Die Konigszeit 4.1 Aeneas 4.1.1 Alleinstellungsmerkmale als Berufung zu Groaerem 4.1.2 Die erste 'Stunde Null' und die Tugenden der Grundergestalt 4.1.3 Krieg als Schmelztiegel des Volkes 4.1.4 Das Zurucktreten der gentilizischen Komponente? 4.2 Romulus 4.2.1 Bezug des Augustus zu Romulus im Allgemeinen 4.2.2 Geburt und Jugend der Zwillinge 4.2.3 Rom als Neuanfang 4.2.4 Der Brudermord 4.2.5 Herkules und Evander 4.2.6 Die Einrichtung der res publica: populus et patres 4.2.7 Die Topographie Roms 4.2.8 Der Raub der Sabinerinnen und die Vereinigung beider Volker 4.2.9 Romulus und Jupiter 4.2.10 Die drei Kriege des Romulus 4.2.11 Apotheose als Wurdigung, Sendungsbewusstsein 4.3 Numa 4.4 Tullus Hostilius 4.5 Ancus Martius 4.6 Tarquinius Priscus 4.7 Servius Tullius 4.8 Tarquinius Superbus 4.8.1 Die Uberwindung des Konigtums als narrative Notwendigkeit 4.8.2 Tyrannei als Frage des Stils 4.8.3 Lucretia 5 Buch 2: Libertas und Standekampf 5.1 Libertas 5.1.1 Immatura libertas 5.1.2 Rem publicam in libertatem vindicavi: libertas, der Prinzipat und Brutus 5.1.3 Die livianische 'Minimaldefinition' der libertas 5.1.4 Licentia als Gefahrdung und libertas als Ordnungsfaktor 5.1.5 Libertas als Bedingung der virtus 5.2 Die Standekampfe 5.2.1 Patrizier/Senatoren 5.2.2 Plebejer 5.2.3 Die Agrarfrage 5.2.4 Das zerissene Gemeinwesen 5.2.4.1 Die Diagnose 5.2.4.2 Abhilfe 5.2.4.3 Ein weiteres Beispiel: Coriolanus 5.2.5 Fortuna bleibt bei Rom 5.2.6 moderatio 5.2.7 Die Beamten als Stifter der concordia 5.2.7.1 Menenius Agrippa 5.2.7.2 Die Claudier als Vertreter des Senats und T. Quinctius 6 Buch 3: Narrative Strukturen in Ab urbe condita 6.1 Tiberius Quinctius I 6.2 Livius und das 'Gottliche' 6.2.1 Livius als 'Skeptiker' 6.2.2 Livius und der renovatio-Diskurs 6.3 Die 'Erzahlkunst' des T. Livius 6.3.1 Immanente Referenz und zirkulares exemplum in Ab urbe condita 6.3.2 Die Situierung von Symbolen: das Kapitol 6.3.3 Die Einbindung der exempla veterum in die livianische Narration am Beispiel des Cincinnatus 6.4 Die decemviri 6.4.1 Licentia und libertas 6.4.2 Konsularische und tribunizische Amtsgewalt 6.4.3 Pudicitia und libertas 6.5 Tiberius Quinctius II: Die Losung nach dem Dezemvirat 7 Buch 4: Arbeit am Wertekanon 7.1 Die Rede des Canuleius 7.1.1 Die Fortsetzung des Herkunfts-Leistungs-Diskurses 7.1.2 Neuerungen: die Geschichte als dynamischer Prozess 7.1.3 Concordia, libertas und Maa: der 'staatstragende' Wertekanon 7.2 Die Effizienz eines Mannes im Krieg 7.2.1 Das Versagen kollektiver Fuhrung 7.2.2 Die Diktatur 8 Buch 5: Camillus als Kulminationspunkt der ersten Pentade 8.1 Der Staat in der Not: der dramatische Hintergrund fur Camillus 8.1.1 Die Zuspitzung der Kriege auf Veji 8.1.2 Die Entfremdung von den Gottern 8.2 Camillus als Peripetie 8.3 Camillus und das Gottliche 8.4 Camillus und die Sitten 8.5 Der Untergang Roms 8.5.1 Die Vetreibung des Camillus 8.5.2 Frevel gegen Gallier, Gotter und Schicksal als Entfremdung vom Romertum. Die Schlacht an der Allia als moralische Niederlage 8.5.3 Tyche vs. 'Heilsgeschehen': zwei Varianten der fortuna 8.6 Wiederkehr und Erneuerung 8.6.1 Die sittliche Ruckbesinnung 8.6.2 Die Wiederkehr des Camillus 8.6.3 Die zweite Grundung der Stadt 8.6.4 Die pietas-Rede als Abschluss der ersten Pentade 8.6.5 Die Zirkularitat der romischen Geschichte 9 Buch 6: Bruch oder Kontinuitat? 9.1 Triumph und Inszenierung 9.2 Der 'Prinzipat' des Camillus als Kontinuitat zur ersten Pentade und 'Typologie' IV. Livius als Ideenfundus fur Machiavelli 10 Vorbemerkungen 10.1 Forschungsstand zur Thematik und die Perspektive der Untersuchung 10.2 Die Krise Italiens als Bruch mit der Antike: Eine gewandelte Pespektive der Rezeption 11 Livius als Ideenfundus 11.1 Die Fundamente Roms 11.1.1 Die Grundung in Freiheit 11.1.2 Romulus 11.1.3 Numa und die instrumentelle Religion 11.1.4 Die Sitten und der uomo virtuoso 11.1.5 Gesetze und Einrichtungen 11.2 Der Krieg 11.2.1 Zwei Arten des Krieges: Vernichtungskrieg und Expansion 11.2.2 Das romische Burgerheer: Ordnung und Tugend 11.2.3 Der Unus vir als Fuhrer 11.3 Grundbegriffe des Livius als Grundbegriffe Machiavellis 11.3.1 Extreme statt Mittelweg 11.3.2 Der Zirkel der Geschichte und die renovatio als rinnovazione 11.3.3 Produktive Konkurrenz und destruktive Zwietracht 11.3.4 Das gute Volk als Basis der Republik 11.3.5 Virtu, occasione und Fortuna 11.3.6 Armut 11.3.7 Freiheit 11.3.8 Negative Anthropologie 11.3.9 Patriotismus, notwendige Gewalt und 'Staatsrason' V. Fazit VI. Literaturverzeichnis
- By (author) Philip Haas
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