Handelspolitik.
Vorträge, gehalten in Hamburg im Winter 1900-01 im Auftrag der Hamburgischen Oberschulbehörde.
By (author) Karl Helfferich
Paperback (Published)
(July 2013)
ISBN: 9783428164356
6.18 x 9.17 inches
Price: $102.00
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Im Rahmen des Projekts »Duncker & Humblot reprints« heben wir Schätze aus dem Programm der ersten rund 150 Jahre unserer Verlagsgeschichte, von der Gründung 1798 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. Lange vergriffene Klassiker und Fundstücke aus den Bereichen Rechts- und Staatswissenschaften, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Geschichte, Philosophie und Literaturwissenschaft werden nach langer Zeit wieder verfügbar gemacht.
»Nationalökonom, Bankier und Politiker, * 22.7.1872 Neustadt/Haardt, † 23.4.1924 bei Bellinzona (Eisenbahnunglück). (evangelisch)
Nach dem Besuch des Gymnasiums in Neustadt studierte Helfferich 1890–94 in Berlin, München und Straßburg Rechts- und Staatswissenschaften bei Gustav Schmoller, Lujo Brentano, Georg Friedrich Knapp (Promotion Straßburg 1894 bei Knapp; Dissertation: ›Die Folgen des deutsch-österreichisch Münzvereins von 1857‹). Anschließend arbeitete er in Berlin wissenschaftlich und publizistisch auf dem Gebiet der Geldgeschichte, Geldtheorie und Währungspolitik. Mit der Arbeit ›Die Reform des deutschen Geldwesens nach der Begründung des Deutschen Reiches‹ (2 Bände, 1898) habilitierte er sich 1899 an der Universität Berlin. Die Habilitation erfolgte gegen den Widerstand Adolf Wagners und Hans Delbrücks auf Grund der befürwortenden Voten von Schmoller, Max Sering und Theodor Mommsen. Bis 1906 hielt Helfferich nationalökonomische Vorlesungen (1902 Professor-Titel). Zwei ihm angebotene Lehrstühle (1902 TH Karlsruhe, 1904 Universität Bonn) lehnte er ab. Die Hauptfrucht seiner wissenschaftlichen Arbeit war sein Buch ›Das Geld‹ (1903, 1923). Dessen Bedeutung liegt nicht darin, daß es theoretisch originell ist, sondern in der Klarheit der Darstellung und in der Verbindung von Geldgeschichte, Geldtheorie und in Schlußfolgerungen für die Praxis. Im Gegensatz zu seinem Lehrer Knapp, der eine nominalistische, juristisch orientierte Geldtheorie vertrat, ist Helfferich in allen Auflagen seines Werkes ›Metallist‹ geblieben. Ein Geld, das bloßes Zeichen sei (Papiergeld) und dessen Wert und Volumen vom Staat nach den Kriterien der Gerechtigkeit und der wirtschaftlichen Vernunft festgesetzt werde, hielt Helfferich nur für theoretisch möglich, aber nicht für praktikabel; denn es gebe kein zuverlässiges Kriterium für die Veränderungen des Geldwertes, und es gebe auch keine Sicherheit dafür, daß bei reiner Papierwährung die Regelung der Geldausgabe lediglich nach den Erfordernissen der Gerechtigkeit und der wirtschaftlichen Vernunft erfolge: Die unbeschränkte Möglichkeit, aus nichts Geld zu machen, sei für den Staat viel zu verlockend. Ferner sei ein stabiles Verhältnis zwischen dem (Papier-) Geldwert in den einzelnen Staaten nur durch eine einheitliche, überstaatliche Zentrale herzustellen; eine solche Regelung des Geldwertes und Geldvolumens hielt Helfferich für ebenso schwierig wie die Herstellung des ewigen Friedens. Deshalb erklärte er die Verbindung des Geldwertes mit einem Edelmetall – am besten Gold – für notwendig.
Neben wissenschaftlicher Arbeit drängte es K. auch zu praktischer Wirksamkeit. So trat er seit 1895 den Forderungen der Agrarier nach einer Doppelwährung für Deutschland und nach völliger Verstaatlichung der Reichsbank publizistisch entgegen. Das brachte ihn in Verbindung mit linksliberalen Politikern (Ludwig Bamberger, Th. Barth, Th. Mommsen), mit Bankiers (Georg von Siemens, Reichsbankpräsident Koch) und mit hohen Beamten (Miquel, Rudolf/Rudolph von Delbrück). Als anerkannter Währungsfachmann wurde Helfferich 1901 in die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes berufen, um die Währungsverhältnisse in den deutschen Kolonien zu regeln. 1904 wurde er zum Legationsrat, 1905 zum Vortragenden Rat ernannt. Auf Helfferichs Vorschlag wurde 1904 in den deutschen Kolonien außer Deutsch-Ostafrika die Mark als Zahlungsmittel eingeführt. Schwieriger war die Regelung in Deutsch-Ostafrika, weil hier neben indischen Rupien minderwertige Rupien der Deutsch-Ostafrikan. Gesellschaft im Umlauf waren. Bis 1905 gelang es Helfferich, in der Kolonie eine neue Rupienwährung einzuführen, die in einem festen Wertverhältnis zur Mark stand. 1906 schied er aus dem Reichsdienst aus und wurde Direktor der Anatolisch Eisenbahngesellschaft in Konstantinopel, deren Hauptaktionär die Deutsche Bank war. 1908 wurde er Vorstandsmitglied der Deutschen Bank; seit 1910 war er daneben Mitglied des Zentralausschusses der Reichsbank. Diese Ämter legte Helfferich nieder, als er am 31.1.1915 als Staatssekretär des Reichsschatzamtes die Leitung der Reichsfinanzen übernahm.
Für die Finanzierung der deutschen Kriegführung im 1. Weltkrieg wählte Helfferich anstelle einer stärkeren Ausschöpfung der Steuerkraft – wie es in Großbritannien geschah – den Weg der Anleihen. Dadurch wurde eine inflationäre Entwicklung eingeleitet, zumal seit Herbst 1916 die Anleihen zur Deckung des Defizits nicht mehr ausreichten und die Ausgabe von Banknoten erheblich vermehrt werden mußte. Neben den Anleihen als Hauptfinanzierungsmittel führte Helfferich zur Dekkung der Kriegskosten lediglich eine Kriegsgewinnsteuer und einige Verkehrs- und Verbrauchssteuern ein. Am 22.5.1916 übernahm er die Leitung des Reichsamts des Innern und wurde gleichzeitig Vizekanzler. Im Oktober 1916 gab er Bethmann Hollweg die Anregung zu einem Friedensangebot der Mittelmächte, das dann am 12.12.1916 vorgelegt wurde. Vor der Wiederaufnahme des uneingeschränkten U-Boot-Krieges warnte Helfferich: ›Wenn die Karte des rücksichtslosen U-Boot-Krieges ausgespielt wird und sie sticht nicht, dann sind wir verloren, dann sind wir auf Jahrhunderte verloren.‹ Bei der parlamentarischen Beratung des Kriegshilfsdienstgesetzes (1916) kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Helfferich und den Vertretern der Gewerkschaften. Helfferich kam aber dann deren Wünschen nach der Errichtung obligatorischer Arbeiterausschüsse entgegen. Beim Sturz Bethmann Hollwegs blieb Helfferich im Amt, mußte aber 3 Monate später beim Rücktritt des Reichskanzlers Michaelis seine beiden Ämter aufgeben (23.10./9.11.1917). Im Juli 1918 wurde Helfferich als Nachfolger des ermordeten Gesandten von Mirbach-Harff nach Moskau geschickt. Hier setzte er – im Gegensatz zur Haltung des Auswärtigen Amtes – auf die Karte der Gegenrevolution und wurde daher im August 1918 zurückberufen. Die Niederlage und ihre Folgen führten bei Helfferich, der vor 1914 den Liberalen nahegestanden hatte, zu einem politischen Kurswechsel. 1919 schloß er sich der Deutschnationalen Volkspartei an und wurde ein erbitterter Gegner der Parteien der Weimarer Koalition und der Politik der ›Erfüllung‹. Seit 1920 gehörte er als Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei dem Reichstag an und besaß als Mitglied des Parteivorstandes innerhalb seiner Partei eine unbestrittene Autorität, wie keiner seiner Nachfolger. 1919/20 griff er den Reichsfinanzminister Erzberger mit persönlichen Verdächtigungen an, so daß dieser Strafantrag stellte. Helfferich wurde zu einer Geldstrafe verurteilt; aber Erzberger wurde in dem Prozeß doch so diskreditiert, daß er zurücktreten mußte. Die von den Deutschnationalen ausgehende Hetze gegen die führenden Männer der Weimarer Republik veranlaßte den Reichskanzler Wirth nach der Ermordung Rathenaus (1922), im Reichstag, zu Helfferich gewendet, auszurufen: ›Der Feind steht rechts‹. 1923, auf dem Höhepunkt der deutschen Inflation, konnte Helfferich noch einmal als Währungsfachmann hervortreten. Nach dem Vorbild einiger Industrieunternehmen, die infolge der rapiden Geldentwertung Schuldscheine auf eine bestimmte Menge Sachgüter – statt auf Papiermark – ausgegeben hatten, schlug Helfferich im September 1923 vor, eine neue Währung zu schaffen, die durch Sachgüter, und zwar durch Roggen, gedeckt sein sollte. Eine stabile Währung wäre die ›Roggenmark‹ zwar noch nicht gewesen, da der Roggenpreis je nach Ernteausfall und Nachfrage schwankte; aber die Wertschwankungen der Roggenmark wären doch innerhalb der Höchst- und Niedrigstpreise des Roggens geblieben. Helfferichs Plan stieß auf den Widerstand des Reichsfinanzministers Luther und der Industrie, die zur Goldwährung zurückkehren wollten. Indes wurde Helfferichs Grundgedanke einer Sachwertdeckung in abgewandelter Form bei der Übergangswährung der Rentenmark verwirklicht, die durch eine Sicherungshypothek auf den gesamten deutschen Grundbesitz gedeckt wurde. Als unmittelbar nach der Stabilisierung der Reichsbankpräsident starb, wurde Helfferich vom Direktorium und vom Zentralausschuß der Reichsbank zum Nachfolger vorgeschlagen. Reichspräsident und Reichsregierung lehnten diesen Vorschlag wegen der intransigenten politischen Haltung Helfferichs ab und ernannten Schacht zum Reichsbankpräsidenten.
Born, Karl Erich, in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 470–472
- By (author) Karl Helfferich
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