Der Sasanidische Archetypus
Untersuchungen zu Schreibung und Lautgestalt des Avestischen
By (author) Johanna Narten By (author) Karl Hoffmann
Hardback (Published)
(April 1990)
ISBN: 9783882264708
6.69 x 9.45 inches
Price: $50.00
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Die Erstaufzeichnung des Avesta-Corpus, von den Verfassern hier als „Sasanidischer Archetypus“ bezeichnet, wird erstmals in einer zusammenhängenden Darstellung untersucht. Es handelt sich um die Frage, wie sich die eigenartige Überlieferung erklärt, in der die avestischen Schriften Zarathustras und seiner Anhänger vorliegen. Einzelheiten über die Modalitäten der mündlichen wie der schriftlichen Überlieferung des Avestischen werden aufgedeckt und so eine Lücke innerhalb der Avesta-Forschung geschlossen.
Die heiligen Schriften der Zarathustra-Anhanger, das Avesta, geht in seinen wesentlichen Bestandteilen wohl auf die erste Halfte des ersten Jahrtausends v. Chr. zuruck. Die Handschriften, in denen das Avesta aufgezeichnet ist, stammen dagegen aus dem spaten Mittelalter (um 1300) und reichen bis in die Neuzeit. Sie sind in einer eigenen Schrift geschrieben und enthalten in auffalliger Fulle Varianten, Verderbnisse und Absonderlichkeiten, die haufig das Verstandnis erschweren. Die Avesta-Schrift ist jedoch wesentlich alter als die altesten Handschriften. Sie wurde vielleicht um 400 n.Chr., also zur Zeit der Sasanidenherrschaft im Iran, ausgebildet. Mit ihrem reichhaltigen Zeicheninventar wurde sie offensichtlich zu dem Zweck geschaffen, die jahrhundertelang mundlich tradierten Texte in ihrer inzwischen erreichten Lautgestalt so genau wie moglich aufzeichnen zu konnen. Die Erstaufzeichnung in Avesta-Schrift durfte nur wenig spater als die Schrifterfindung erfolgt sein, als Bezeichnung bietet sich hierfur “Sasanidischer Archetypus” an. Durch die Rekonstruktion des Sasanidischen Archetypus, auf den letztlich die gesamte schriftliche Uberlieferung des Avesta zuruckgeht, lasst sich nun eine grosse Zahl der seltsamen und falschen Schreibungen, die die Beurteilung vieler sprachlicher und mithin auch inhaltlicher Gegebenheiten problematisch machen, erklaren. Andererseits bildet der Sasanidische Archetypus das Bindeglied zwischen der handschriftlichen Uberlieferung des 2. Jahrtausends n. Chr. und der Sprache der Textverfasser aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. Das Avesta hat in seiner langen Uberlieferung viele Etappen durchlaufen, die ihre unterschiedlichen Spuren im Text hinterlassen haben. Die Zwischenstufe des Sasanidischen Archetypus ermoglicht es weitgehend, den Ablauf der Entwicklung nachzuzeichnen, d.h. Lucken in der Geschichte des Avestischen und der Avesta-Uberlieferung auszufullen und die sprachliche Richtigkeit des Textes wiederherzustellen.
- By (author) Johanna Narten
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