Amicitia sanctissime colenda. Freundschaft und soziale Netzwerke in der Späten Republik
By (author) Christian Rollinger
English summary: The Roman concept of friendship has been widely discussed, both in ancient times and in the context of modern academic study. During the past decades, research has focused particularly on the meaning and role of aristocratic amicitiae in the functioning of republican politics. This study sets new priorities and asks new questions within this well-researched field: according to which rules and standards were friendships amongst people in the upper class established and maintained? What kinds of expectations were associated with these personal relationships? Here, for the first time, the existence of this upper class network is not only described metaphorically, but is empirically proven and analyzed using methods for analysis of social networks that have already applied in other historical disciplines. German description: Romische Vorstellungen von Freundschaft sind sowohl in der Antike als auch in der modernen Wissenschaft viel diskutiert worden, wobei in der Forschung der letzten Jahrzehnte vor allem nach der Bedeutung und Funktion aristokratischer amicitiae fur das Funktionieren der republikanischen Politik gefragt wurde. Die vorliegende Studie setzt in diesem gut bearbeiteten Feld neue Schwerpunkte und verfolgt andere Fragestellungen: Nach welchen Regeln und Maastaben wurden Freundschaften in der Oberschicht geschlossen und gepflegt? Welche Erwartungshorizonte waren mit diesen personlichen Beziehungen verbunden? Spatrepublikanische Nahbeziehungen waren konstitutiver Bestandteil eines die gesamte Oberschicht umfassenden Netzwerkes, dessen Mitglieder einander durch Freundschaft und die sich daraus ergebenden Handlungshorizonte und Beziehungsgeflechte verpflichtet waren. Innerhalb dieses Netzwerkes wurden Hierarchien und Positionen bestimmt, wurde Ressourcenverteilung sowohl im okonomischen als auch im gesellschaftlichen Sinn (?soziales Kapital?) verhandelt und durchgefuhrt. Schliealich konnte der kluge politische Kopf versuchen, diese personlichen Netzwerke auch im offentlichen Leben zu aktivieren und zu instrumentalisieren. Dieses Oberschichtennetzwerk wird hier erstmals nicht nur metaphorisch beschrieben sondern durch die in anderen historischen Fachrichtungen bereits etablierte Methode der Analyse sozialer Netzwerke empirisch nachgewiesen und analysiert.
Danksagung 1. Einleitung 2. Kulturelle und moralphilosophische Voraussetzungen 2.1 Annaherungen an romische Treu- und Nahverhaltniss 2.1.1 Begrifflichkeiten 2.1.2 Ein vorlaufiges Resumee 2.2 Freundschaft als idealer Wert bei Cicero 2.3 Verhaltensregeln der romischen Freundschaft 2.3.1 Officium - beneficium 2.3.1 Gratia, fides und der Druck der Gegenseitigkeit 2.4 Inimicitia und die Umkehr der gesellschaftlichen Normen 3 Die heilige Pflicht der Freundschaft 3.1 Symbolische Kommunikation innerhalb der amicitia 3.1.1 Die salutatio 3.1.1.1 Salutatores 3.1.1.2 Standesunterschiede und Unterschiede im Verhalten 3.1.2 Das convivium 3.1.2.1 Standesunterschiede beim Gastmahl 3.1.2.2 Gastmahler als Element aristokratischen Zusammenlebens 3.2 Cum quasi tecum loquor - Briefverkehr in der Oberschicht 3.2.1 Absentes adsunt - Der Brief als Anwesenheit des Abwesenden 3.2.2 Hoflichkeit und Schmeichelei im aristokratischen Brief 3.3 Litterae commendaticiae 3.3.1 Form und Inhalt 3.3.2 Die soziale Dimension der commendatio 3.4 Formen der Unterstutzung in der Oberschicht 3.4.1 Die cohors der Statthalter und militarische Funktionsstellen 3.4.1.1 Die tribuni militum 3.4.1.2 Die praefecti fabrum 3.4.1.3 Die legati 3.4.2 Der Gerichtspatronat 3.4.3 Finanzielle und wirtschaftliche Aspekte von amicitia 3.4.3.1 Darlehen, Kredite, Burgschaften 3.4.3.2 Mitgiften und Erbschaften 4. Das Oberschichtennetzwerk 4.1 Methodologische Annaherungen 4.1.1 Der Netzwerkbegriff als paradigmatische Neuerung 4.1.2 Historische Netzwerkforschung und antike Netzwerke 4.1.3 Fragmentarische Quellenlage und Datenerhebung 4.1.4 Vorgehen 4.2 Senatorische Netzwerke 4.2.1 Salutationes und convivia 4.2.2 Commendationes 4.2.3 Militarische Funktionen 4.2.4 Gerichtspatronat, finanzielle/testamentarische Verbindungen 4.2.5 Gesamtnetzwerk 5. Schlussbetrachtungen 6.1 Siglen 6.2 Quellen 6.2.1 Textausgaben 6.2.2 Ubersetzungen 6.3 Literaturverzeichnis 6.3.1 Grundlegende Werke zur Netzwerkforschung 6.3.2 Historische Netzwerkforschung 6.3.3 Allgemeine Bibliographie 7 Anhang 1 - Datensatze 7.1 Salutationes und convivia 7.2 Commendationes 7.3 Militarische Funktionen 7.4 Gerichtspatronat 7.5 Finanzielle Verbindungen 7.6 Testamentarische Verbindungen 8. Testamentarische Verbindungen 8.1 Salutationes und convivia 8.2 Commendationes 8.3 Militarische Funktionen 8.4 Gerichtspatronat 8.5 Finanzielle Verbindungen 8.6 Testamentarische Verbindungen 8.7 Gesamtnetzwerk 9. Anhang 3 - Register 9.1 Personenregister 9.2 Sachregister 9.3 Quellenregister
Christian Rollinger ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Johannes Gutenberg-Universitat Mainz und wurde mit der vorliegenden Arbeit an der Universitat Trier promoviert. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehoren neben der Sozial- und Kulturgeschichte der Spaten Republik insbesondere die fruhe hellenistische Welt und das antike Zeremonialwesen.
- By (author) Christian Rollinger
"Der Titel dieses interessanten, reichen und anregenden Buches ist durchaus als Programm zu verstehen - und dieses Programm, wie Christian Rollinger gleich zu Beginn deutlich werden laat, ist hochst ambitioniert. (...) Kurzum: nicht alles ist neu, (...) aber vieles erscheint in neuem, interessantem Licht. Und nicht zuletzt macht uns Rollinger ein Theorieangebot, dessen analytisches Potential noch langst nicht erschopft sein durfte." Karl-Joachim Holkeskamp, sehepunkte 15 (2015), Nr. 2
—
Other Titles in this Series
Von Freundinnen und Erbschleichern
Wechselspiele des Interpersonalen in letzten Willen als Form der Kontingenzbewältigung und des Zukunftshandelns
Basileis und Goden
Gesellschaftliche Ordnung im früharchaischen Griechenland und der isländischen Freistaatzeit
Als Odysseus staunte
Die griechische Sicht des Fremden und das ethnographische Vergleichen von Homer bis Herodot
Sine fine
Die Entwicklung der römischen Außenpolitik von der späten Republik bis in den frühen Prinzipat
Potentialität durch Ambiguität
Die Dynamik politischer Handlungsspielräume als Strukturprinzip der Römischen Republik
“Um keinen Kranz, um das Leben kämpfen wir!”
Gladiatoren im Osten des Römischen Reiches und die Frage der Romanisierung
Folia ventis turbata
Sibyllinische Orakel und der Gott Apollon zwischen später Republik und augusteischem Principat
Zwischen Ansässigkeit und Mobilität
Die sogenannte Große Kolonisation der Griechen aus migrationstheoretischer Perspektive
Religiöse Vielfalt und soziale Integration
Die Bedeutung der Religion für die kulturelle Identität und die politische Stabilität im republikanischen Italien
Im Land der räuberischen Nomaden?
Die Eigenherrschaften der Ituraier und Emesener zwischen Seleukiden und Römern
Similar Books
Contesting Labeled Identities
The Sociology of Gentilics in Biblical and Northwest Semitic Literature
Drunk the Potion, No Whit Charmed
The Doctrine of Pure and Perfect Souls from Iamblichus to Damascius
Epigraphic “Shades” from Hellenistic Thrace
Contextualizing Inscriptions in Greek from Thracian Tombs
Epiphanies of the Divine in the Septuagint and the New Testament
Fifth International Symposium of the Corpus Judaeo-Hellenisticum Novi Testamenti (CJHNT), 14-17 May 2015, Nottingham
Gold, Silver and Glass: Power Networks, Cultural Identities, Technology Transfers and Agency across the Old World (7th Century BC – 1st Century AD)
Proceedings of a Conference Held at the British Museum, 16–18 June 2023
Language and Power in the Roman Empire and Early India
Hierarchy, Ambiguity, and the Art of Reading the Signs in Cosmopolitan Cultures
Late Antique villae in the Balkans (3rd–7th c. AD): Current Research Questions and Perspectives
HAEMUS Companion to the Late Antique Balkans 1
Volume 4
Nurturing the Elite
Representations of Drinking, Eating, and Religious Vessels in Palmyrene Funerary Iconography
Volume 13
Roman Copies, Collecting, and Culture in the Bay of Naples and Beyond
Papers in Honor of Eugene J. Dwyer
The Compositional History of the Book of Kings
An Analysis of the Evaluative Frameworks in 1 Kings 14–2 Kings 25
Zooarchaeology of Ancient Greek Sanctuaries in Southwestern Sicily
Faunal Analysis from Selinus and Akragas as Evidence of Differences in the Treatment of Animals for Ritual Purposes
