Politik und Handel zwischen Ming und Timuriden

China, Iran und Zentralasien im Spatmittelalter

by Ralph Kauz

Book cover: Politik und Handel zwischen Ming und Timuriden

Extent: 312 pages

Publisher: Dr. Ludwig Reichert Verlag

Subjects: Islamic & Middle Eastern Studies

Series: Iran - Turan

Series volume number: 7

Language: German

(Hardback) (Published)

(May 2005)

ISBN: 9783895003882

Price: $104.00

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Sinologie und islamkundlich orientierte Philologien – hier die Iranistik – verfolgen oft mit vergleichbaren Methoden vergleichbare Inhalte, werden aber eher ausnahmsweise in einer Studie zusammengefugt. Falls zu speziellen historischen Ereignissen Quellen beider Disziplinen vorhanden sind, bietet sich eine solche Synthese an, ist bei der kritischen Analyse der Texte streng genommen sogar vorgeschrieben, konnen doch nur so die dort erzahlten Ereignisse mit denen, die die “Gegenseite” uberliefert, verglichen werden. Dennoch findet diese Zusammenschau nur selten statt.Nach dem Zusammenbruch der mongolischen Dynastien in Iran (einschliesslich des westlichen Teils Zentralasiens) und in China ubernahmen die Timuriden (im Westen) respektive die Ming (in China) deren Erbe. Beide Dynastien waren in hohem Masse nach “aussen” orientiert – die Ming allerdings nur in den ersten Jahrzehnten ihrer Herrschaft. Die nach aussen gerichteten Unternehmungen beider waren keineswegs immer friedlich – besonders gilt das naturlich fur Timur selbst, aber auch die Ming fuhrten offensive Feldzuge – etwa nach Vietnam – durch.Ein Erbe der Mongolen, das in einer langen Tradition der Kontakte zwischen Ost- und Westasien steht, ist der enge Kontakt und Austausch, der sich zwischen Timuriden und Ming nach einigen Anfangsschwierigkeiten schon am Ende des 14. Jahrhunderts entwickelte. Das Potenzial dieser Interaktionen ist schwer abzuschatzen, aber bei beiden Dynastien wurden sie fur wert gefunden, an nicht unwichtiger Stelle aufgezeichnet zu werden.Die persischen und chinesischen Aufzeichnungen der genannten Periode bilden die Quellenbasis der hier vorliegenden Politik-, Wirtschafts- und Diplomatiegeschichte Asiens im Spatmittelalter. Nach einer Einfuhrung in die aussenpolitischen Systeme der Timuriden und der Ming wird der Verlauf der Interaktionen beider Reiche beschrieben und analysiert. Die methodische Grundlage bilden Werkzeuge der Politikwissenschaft. Das reziproke politische Interesse beider Reiche dauerte nur wenige Jahrzehnte an, wichtiger war das kommerzielle Interesse und dabei vor allem das der Timuriden an der chinesischen Seite. In dieser Arbeit wird den Fragen nachgegangen, worin das Interesse der beteiligten Parteien an diesen innerasiatischen Interaktionen bestand und warum sie letztlich scheiterten.

  • By (author) Ralph Kauz

"Review - German ""Gleich vorab sei konstatiert: Bei dieser Habilitationsschrift, die im Jahre 2002 bei der Fakultat fur Kulturwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universitat Munchen angenommen worden ist, handelt es sich um eine Pionierarbeit. Ralph Kauz musste bei der Rekonstruktion von Aussenpolitik, Diplomatie- und Handelsgeschichte zwischen dem Ming-Imperium (1368-1644) und dem Timuridenreich (1363-1506) Texte erschliessen, die aus philologischen Grunden den meisten Historikern unzuganglich sind. Zum Forschungsraum China/Zentralasien existieren kaum Studien, welche die chinesischen und die persischen Referenztexte simultan und komparativ untersuchen, wenn auch sowohl einige Texteditionen als auch Untersuchungen bereits vorlagen (S. 21). So bearbeitet Kauz Ming-Regesten und Ming-Annalen sowie die persischsprachige Historiographie. Das textuelle ""Ruckgrat"" (S. 16) der Arbeit bilden die Ming-Regesten, so dass die Untersuchung im Ganzen eine ""sinologische Tendenz"" (S. 20) aufweist. (...)Die Studie bleibt uber weite Strecken deskriptiv. Dies erklart sich aus dem Charakter der Regesten und der Tatsache, dass das von Kauz bearbeitete Material bis dato nicht in einem vergleichbaren Kontext untersucht worden ist. (...) Festzuhalten ist die buchstabliche Detektivarbeit auf einem unsicheren und ungesicherten Forschungsterrain, in dem man oft auf wenig mehr als Vermutungen zuruckgeworfen ist. Kauz beleuchtet die chinesischen und die persischen Primartexte von allen Seiten und schafft auf diese Weise ein Geflecht von Hypothesen, denen er mit gebotener Vorsicht begegnet (z.B. S. 89). Dem uberaus positiven Gesamteindruck wird somit durch vereinzelte unbelegte Behauptungen (z.B. bezuglich des Zeitpunkts der Angriffsplane Timurs [S. 68, 71]) kein Abbruch getan. Erfolgreich gelost hat Ralph Kauz auch ein ""technisches"" Problem, namlich die ursprunglichen persischen Eigennamen von Gesandtschaftsvertretern zu eruieren, die in den Ming-Regesten naturgemass sinisiert worden waren.Die vorliegende Untersuchung ist somit gekennzeichnet durch eine ausgewogene Mischung aus historisch-politischer Kontextskizzierung und der Aufbereitung und Analyse von Textmaterial, so dass einzelne Gesandtschaften vor dem Hintergrund der allgemeinen politischen Situation beleuchtet werden. Aus diesem Grunde ist vorliegende Studie allen, die sich die sich mit Handel und Aussenpolitik in Zentralasien und China im Spatmittelalter auseinandersetzen, unbedingt ans Herz zu legen.In: H-Soz-u-Kult, 29.05.2007http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensione