Ohr und Auge – Klang und Form

Facetten einer musikästhetischen Dichotomie bei Johann Gottfried Herder, Richard Wagner und Franz Schreker

By (author) Arne Stollberg

Book cover: Ohr und Auge – Klang und Form

Extent: 307 pages

Publisher: Franz Steiner Verlag

Subjects: Music & Performing Arts

Series: Archiv fur Musikwissenschaft - Beihefte

Language: German

Hardback (Published)

(August 2006)

ISBN: 9783515088688

6.69 x 9.49 inches

Price: $83.00

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Dass man eine musikalische Form “uberschaubar” – und nicht etwa “uberhorbar” – nennt, mutet ebenso selbstverstandlich an wie der immer wieder formulierte Vergleich zwischen Musik und Architektur. Doch verbirgt sich hinter diesem Transfer optischer Kategorien auf akustisch wahrnehmbare Klangereignisse eine Traditionslinie, die bereits im 18. Jahrhundert Widerspruch hervorrief. So kritisierte Johann Gottfried Herder den von der Architektur entlehnten Formbegriff klassizistischer Autoren als Kolonialisierung des Ohrs durch das Auge – ein Gedanke, den Richard Wagner aufgreifen und gegen Eduard Hanslicks Asthetik des “Musikalisch-Schonen” verteidigen sollte. In diesem Sinne wird Wagners “unendliche Melodie” neu als Versuch interpretiert, eine “unanschauliche”, von der Vorherrschaft des Auges weitgehend befreite Musik zu schaffen. Klang und Form treten dabei in ein Verhaltnis, das sich mit Begriffspaaren wie “dionysisch/apollinisch” (Nietzsche) oder “Es/Ich” (Freud) verbindet und auf dieser Grundlage sogar musikdramatische Gestalt gewinnt: in Wagners Meistersingern von Nurnberg und noch am Ende der 1910er Jahre in Franz Schrekers Die Gezeichneten.

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