„Moderne“ Anstaltspsychiatrie im 19. und 20. Jahrhundert
Legitimation und Kritik
Edited by Heiner Fangerau Edited by Karen Nolte
Paperback (Published)
(September 2006)
ISBN: 9783515088053
6.69 x 9.49 inches
Price: $107.00
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Die enge Beziehung zwischen Legitimation und Kritik in der historischen Ara der “modernen” Anstaltspsychiatrie steht im Mittelpunkt dieses Sammelbandes. Die Analysen beschranken sich dabei nicht auf die Psychiatriekritik von Nicht-Psychiatern an der Einschliessungspraxis und den Verhaltnissen in psychiatrischen Anstalten, sondern erweitern die Perspektive auf die zeitgenossische (selbst)kritische Auseinandersetzung mit Psychiatrischer Wissenschaft und Wissensgenerierung. Die kritische Auseinandersetzung verschiedener Offentlichkeiten mit der psychiatrischen Profession, ihrer Wissenschaft und ihren Institutionen sowie zuletzt die subjektiven Erfahrungen von Patienten mit der Psychiatrie runden das Spektrum ab. Inhalt Karen Nolte / Heiner Fangerau: Einleitung: “Moderne” Anstaltspsychiatrie im 19. und 20. Jahrhundert – Legitimation und Kritik Vormoderne Psychiatrie: Christina Vanja: Nur “finstere und unsaubere Clostergange”? – Die hessischen Hohen Hospitaler in der Kritik reisender Aufklarer Fritz Dross: “…die Gemuse konnten fuglich irgendwo anders gereinigt werden” – Beobachtungen zur Geschichte der Anstalt als Irren- und als Krankenhaus “Moderne” Anstaltspsychiatrie: Alexandra Chmielewski: Norm und Autonomie. Legitimierungsstrategien suddeutscher Anstaltspsychiater in der ersten Halfte des 19. Jahrhunderts Emese Lafferton: What the Files Reveal. The Social Make-Up of Public Mental Asylums in Hungary, 1860s-1910s Christian Muller: Heilanstalt oder Sicherungsanstalt? Die Unterbringung geisteskranker Rechtsbrecher als Herausforderung der Anstaltspsychiatrie im Deutschen Kaiserreich Peter Sandner: Auf der Suche nach dem Zukunftsprojekt. Die NS-Leitwissenschaft Psychiatrie und ihre Legitimationskrise Petra Lutz: Herz und Vernunft. Angehorige von “Euthanasie”-Opfern im Schriftwechsel mit den Anstalten Psychiatrisches Wissen und Kritik: Brigitta Bernet: Assoziationsstorung. Zum Wechselverhaltnis von Krankheits- und Gesellschaftsdeutung im Werk Eugen Bleulers (1857-1939) Astrid Ley: Psychiatriekritik durch Psychiater. Sozialreformerische und professionspolitische Ziele des Erlanger Anstaltsdirektors Gustav Kolb (1870-1938) Torger Moller: Die psychiatrische Kritik an gesellschaftlichen Vorurteilen als medizinische Legitimationsstrategie Psychiatrie und Offentlichkeit: Marietta Meier: Der ‘Fall Hagi’ am Zurcher Burgholzli: Zur Reaktion von Psychiatrie und Behorden auf Kritik an staatlichen Anstalten Heinz-Peter Schmiedebach: “Zerqualte Ergebnisse einer Dichterseele” – Literarische Kritik, Psychiatrie und Offentlichkeit um 1900 Urs Germann: Arbeit, Ruhe und Ordnung: Die Inszenierung der psychiatrischen Moderne Bildmediale Legitimationsstrategien der schweizerischen Anstaltspsychiatrie im Kontext der Arbeit- und Beschaftigungstherapie in der Zwischenkriegszeit Thorsten Noack: Uber Kaninchen und Giftschlangen – Psychiatrie und Offentlichkeit in der fruhen Bundesrepublik Deutschland Cornelia Brink: “Keine Angst vor dem Psychiater.” Psychiatrie, Psychiatriekritik und Offentlichkeit in der Bundesrepublik Deutschland(1960 – 1980) Patientenperspektive: Thomas Roske: “Unschuldig hier eingesperrt und ausgeplundert” – Das gestickte “Staats-Album” der Emma Mohr aus Erfurt Heiner Fangerau: “Geraucherte Sulze, mit Schwarten durchsetzt, teilweise kaum geniessbar…” – Patientenkritik und arztliche Reaktion in der Volksnervenheilstatte 1903-1932 Karen Nolte: Querulantenwahnsinn – “Eigensinn” oder “Irrsinn” ?
Heiner Fangerau ist Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte der Medizinischen Diagnostik, Historische Netzwerkanalysen und die Medizin im Nationalsozialismus.
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