Wissenschaft und Politik.

Der Fall des Münchner Historikers Ulrich Crämer (1907–1992).

By (author) Karsten Jedlitschka

Book cover: Wissenschaft und Politik.

Extent: 482 pages

Publisher: Duncker & Humblot

Subjects: Business & Economics

Series: Ludovico Maximilianea. Forschungen

Series volume number: 21

Language: German

Paperback (Published)

(May 2006)

ISBN: 9783428118618

6.18 x 9.17 inches

Price: $139.00

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Im Jahr 1940 hatte es der schon fruh zur nationalsozialistischen Bewegung gestoaene Historiker Ulrich Cramer geschafft: Mit nur 33 Jahren erhielt das SA- und SS-Mitglied eine ordentliche Professor an der Munchner Universitat. Nach dem Krieg wurde diese steile Karriere dann allerdings zum Stolperstein. Trotz jahrelangen juristischen Ringens bot ihm die ansonsten oft zu groazugigen vergangenheitspolitischen Schlussstrichen bereite Wiederaufbaugesellschaft keine zweite Chance. Verbittert verbrachte er seine letzten Berufsjahre als Lexikonredakteur beim Brockhaus-Verlag. Der Aufstieg und Fall Cramers ist ein Lehrbeispiel fur das heikle Verhaltnis von Wissenschaft und Politik im Dritten Reich. Die Darstellung bietet facettenreiche Einblicke in die Geschichte der Munchner Universitat in Diktatur wie Republik. Dabei werden institutionen- und disziplingeschichtliche Aspekte behandelt, personelle Netzwerke in Hochschule und Politik rekonstruiert und bislang vernachlassigte Kapitel akademischer Vergangenheitspolitik ausgeleuchtet.

Einleitung 1. Jugend und Studienjahre. Sozialisation im Zeichen bundisch-volkischer Pragung (1907-1929) 2. Nationalsozialismus als Chance. Karriere durch die Nahe zur Macht (1930-1936) Weimar. Im Dienste zweier Herren: Carl-August-Werk und Einsatz fur die nationale Revolution (1930-1933) - Berlin. Politikberater der braunen Macht: Referent fur die Reichsreform (1934/1935) - Jena. Akademische Karriere an der Thuringischen Trutz-Universitat (1934-1936) - Erste Spannungen im Carl-August-Werk - Dienst mit der Feder. Cramers Politische Schriftstellerei - Weimar, Berlin, Jena. Stationen des SS-Intellektuellen 3. Munchen. Hohepunkt der akademischen Karriere in der Hauptstadt der Bewegung (1936-1945) Die Vorgeschichte. Der Fall Oncken und die Folgen: Ein Lehrstuck nationalsozialistischer Hochschulpolitik - Machtprobe in Munchen. Der Kampf um die Berufung - Die Vertretungszeit an der Munchner Universitat - Professor von Hitlers Gnaden. Die Berufung auf das Munchner Ordinariat 4. Cramers Schrifttum. Historia magistra vitae - Politikberatung als Ruckwartsgewandter Prophet Die Reichsstadt Strassburg und verwandte Themen - Synthese Weimar, Potsdam. Arbeiten zum Zeitalter des Absolutismus - Konzept einer volksgeschichtlichen Geopolitik - Der Historiker als Politikberater. Grundlinien der Cramerschen Geschichtsinterpretation 5. Ende des Dritten Reiches - Ende einer Karriere (1945-1950) Internierung und Entnazifizierung - Self-made-man in der Wiederaufbaugesellschaft. Der steinige Weg vom Topfer zum Verlagslektor 6. Exkurs. Neue Hoffnung - Der Verband der nicht-amtierenden (amtsverdrangten) Hochschullehrer Grundung und Profil im Kontext der Neuorganisation von Beamten- und Hochschulverbanden - Bayern und der Kampf der Amtsverdrangten. Der Bayerische Landesverband des VNAH - Resumee und Ausblick 7. Comeback? (1951-1959) Ein unerwunschter Bewerber. Ruckkehrversuche nach Munchen - Werke aus der Nachkriegszeit 8. Gerichtlicher Kampf mit Universitat und Ministerium (1960-1965) 9. Die Causa Cramer. Akademische Vergangenheitspolitik in Bayern Wille zur Aufarbeitung? Das Verhalten von Universitat, Ministerien und Gerichten - Helfer in der Not? Personen und Motive - Resumee: Akademische Vergangenheitspolitik und ihre Grenzen 10. Brockhaus und Homer. Refugium und Weltabkehr (1966-1992) Schlussbetrachtung Anhang Kurzbi, Einleitung

1. Jugend und Studienjahre. Sozialisation im Zeichen bündisch-völkischer Prägung (1907–1929)

2. Nationalsozialismus als Chance. Karriere durch die Nähe zur Macht (1930–1936)

Weimar. Im Dienste zweier Herren: »Carl-August-Werk« und Einsatz für die »nationale Revolution« (1930–1933) – Berlin. Politikberater der braunen Macht: Referent für die »Reichsreform« (1934/1935) – Jena. Akademische Karriere an der Thüringischen »Trutz-Universität« (1934–1936) – Erste Spannungen im »Carl-August-Werk« – Dienst mit der Feder. Crämers »Politische Schriftstellerei« – Weimar, Berlin, Jena. Stationen des SS-Intellektuellen

3. München. Höhepunkt der akademischen Karriere in der »Hauptstadt der Bewegung« (1936–1945)

Die Vorgeschichte. Der »Fall Oncken« und die Folgen: Ein Lehrstück nationalsozialistischer Hochschulpolitik – Machtprobe in München. Der Kampf um die Berufung – Die Vertretungszeit an der Münchner Universität – Professor von Hitlers Gnaden. Die Berufung auf das Münchner Ordinariat

4. Crämers Schrifttum. Historia magistra vitae – Politikberatung als »Rückwärtsgewandter Prophet«

Die Reichsstadt Straßburg und verwandte Themen – Synthese Weimar, Potsdam. Arbeiten zum Zeitalter des Absolutismus – Konzept einer volksgeschichtlichen Geopolitik – Der Historiker als Politikberater. Grundlinien der Crämerschen Geschichtsinterpretation

5. Ende des »Dritten Reiches« – Ende einer Karriere (1945–1950)

Internierung und Entnazifizierung – Self-made-man in der Wiederaufbaugesellschaft. Der steinige Weg vom Töpfer zum Verlagslektor

6. Exkurs. Neue Hoffnung – Der »Verband der nicht-amtierenden (amtsverdrängten) Hochschullehrer«

Gründung und Profil im Kontext der Neuorganisation von Beamten- und Hochschulverbänden – Bayern und der Kampf der »Amtsverdrängten«. Der Bayerische Landesverband des VNAH – Resümee und Ausblick

7. Comeback? (1951–1959)

Ein unerwünschter Bewerber. Rückkehrversuche nach München – Werke aus der Nachkriegszeit

8. Gerichtlicher Kampf mit Universität und Ministerium (1960–1965)

9. Die Causa Crämer. »Akademische Vergangenheitspolitik« in Bayern

Wille zur Aufarbeitung? Das Verhalten von Universität, Ministerien und Gerichten – Helfer in der Not? Personen und Motive – Resümee: »Akademische Vergangenheitspolitik« und ihre Grenzen

10. Brockhaus und Homer. Refugium und Weltabkehr (1966–1992)

Schlussbetrachtung

Anhang

Kurzbiographien

Quellen- und Literaturverzeichnis

Personenregister

  • By (author) Karsten Jedlitschka

»Jedlitschkas Buch bietet eine exzellent recherchierte und anschaulich formulierte Analyse zu Reichweite und Grenzen der ›Aufarbeitung‹ des Dritten Reiches in der Historikerzunft sowie den Schleich- und Nebenpfaden, auf denen manch Karriere außerhalb des Universitätsbetriebes voranging.« Magnus Brechtken, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, 5–6/2011

»Jedlitschkas Untersuchung gründet auf der genauen und differenzierten Auswertung der einschlägigen Archivalien und Forschungen. Sie führt eindrucksvoll vor Augen, wie sich die deutsche Geschichtswissenschaft in das nationalsozialistische Herrschaftsgefüge verwickelte und welch nachhaltige Konsequenzen sich daraus für die Zeit nach 1945 ergaben.« Helmut Zedelmaier, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, 04.05.2009

»Jedlitschka [findet] in seiner vorzüglich dokumentierten und spannend geschriebenen Untersuchung deutliche Worte.« Frank-Rutger Hausmann, in: Süddeutsche Zeitung, 06.03.2007

»Dieses Werk nötigt wegen der Breite und Vielfalt seines Untersuchungsansatzes Respekt ab. Mit ihm gab der Autor zudem wichtige Anstöße für eine inzwischen eingeleitete intensivere Beschäftigung der Ludwig-Maximilians-Universität mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit.« Bernd Jürgen Wendt, in: DIE ZEIT, 28.09.2006

»Jedlitschka ist eine ausgewogene, hoch informative und lesenswerte Monografie gelungen, die am Aufstieg und Fall eines Historikers das heikle Verhältnis von Wissenschaft und Politik im Dritten Reich und den ambivalenten Umgang damit in der Bundesrepublik thematisiert. [...] Dieses Buch ist nachdrücklich zur Lektüre empfohlen und sollte weitere, ähnlich gelagerte Untersuchungen anregen.« Thomas Keiderling, in: IASLonline, 13.09.2006

»Die [...] wissenschaftsgeschichtlich überragenden Verdienste der Arbeit liegen darin, dass der Autor erstmals exemplarisch das lange in diesen Dimensionen nicht bekannte bzw. bewusst verschwiegene Netzwerk zwischen Wissenschaft und Politik im Dritten Reich herausgearbeitet, schonungslos sichtbar und dabei bestens verständlich, ja spannend lesbar gemacht hat – eine teils beklemmende, überaus empfehlenswerte Pflichtlektüre.« Franz-Rasso Böck, in: Allgäuer Geschichtsfreund, 106/2006
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