Schinkels Brunnen und das Königsgrab an der Saar.

Eine Gedächtnisgeschichte und politische Affäre Preußens.

By (author) Heinz-Dieter Heimann

Book cover: Schinkels Brunnen und das Königsgrab an der Saar.

Hardback (Published)

(May 2022)

ISBN: 9783428183852

6.18 x 9.17 inches

Price: $51.00

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Welche Bedeutung ein mittelalterlicher Held für das Selbstverständnis moderner Gesellschaften besitzt, zeigt der Streit zwischen Patrioten, Monarchen sowie nationalen Eliten um den Besitz der Gebeine König Johanns von Böhmen (1296–1346) und um die Deutungshoheit über sein Grabmal. Begründet in den Folgen der Französischen Revolution endete dieser Streit nur vordergründig 1946. Die neue Deutung des Denkmalbrunnens und der Königsgrablege führen zu neuen Antworten über »Mittelalter« und »Moderne«.


Kann ein mittelalterlicher Held die Bedeutung der Franzosischen Revolution fur die Geschichte moderner Gesellschaften korrigieren? Deshalb stritten Patrioten, Monarchen sowie nationale Eliten seit dem fruhen 19. Jahrhundert um den Besitz der Gebeine Konig Johanns von Bohmen (1296-1346) und um die Deutungshoheit uber sein Grabmal. Die Stiftung eines Totengedachtnisses fur diesen Ritter verband Konig Friedrich Wilhelm IV. von Preuaen, Karl Friedrich Schinkel und den luxemburgisch-deutschen Unternehmer Jean Francois Boch-Buschmann. Der Streit schrieb sich der Geschichte Preuaens, der Hohenzollern sowie der deutsch-luxemburgisch-bohmischen Nachbarschaft ein. Er endete nur vordergrundig 1946. Im Zentrum des hier in seinen Denkmalern und Denkformen neu gedeuteten Helden-Mythos Johanns von Bohmen stehen dynastische Traditionen und aktualisierte “Mittelalter”-Vorstellungen als Merkmale moderner Geschichtskultur. Sie fuhren in eine neu erschlossene Erinnerungslandschaft in der Mitte Europas.

A. Gedeutete Geschichte: Annäherungen
Mittelaltergegenwarten – Der Tod eines Königs
B. König Johann von Böhmen – Der Streit um seine Gebeine und Grablege im Europa der Dynastien: Eine Gedächtnisgeschichte und politische Affäre Preußens
»Sattelzeit« – Ein neues Zeitalter des Rittertums und die Aktualität des Mittelalters – Der patriotische Ritter und die Nähe Preußens im Westen – Der Ritter der Ritterlichkeit: Ein mittelaltergeschichtliches Ideal im Eisernen Zeitalter – Der dynastische Ahnherr und sein Zeugniswert für die Monarchie der Hohenzollern – Das Königsgrab als politisches Zeichen: Hohenzollernnahe Saar-Romantik und nationale Geltungsanstrengungen – »In Kastel wartet seit einem Jahrhundert einer auf uns.« Das politische Ende der Gedächtnisgeschichte als erinnerungsgeschichtlicher Neubeginn: 25. August 1946 – Dynamik und Dissens historischen Wissens: Johann von Böhmen unter dem Mikroskop und der erneuerte Denkmalbrunnen – Mittelaltergegenwart – eine Geschichte mit Zukunft: Was bleibt?
Ausgewähltes Quellen- und Literaturverzeichnis
Dank und Widmung, Sachregister

  • By (author) Heinz-Dieter Heimann

»Das Werk bringt wesentliche neue Erkenntnisse zum Zusammenhang der Erinnerungsinteressen unterschiedlicher Akteure und politischer Systeme mit den jeweiligen zeitpolitischen Anforderungen an dynastische Identifikationen und Nationalismus. Heimann zeigt in seiner fundierten Analyse die Wandelbarkeit von Kontinuitätsansprüchen angesichts veränderter sozialer und politischer Räume auf und plädiert für eine künftige Neubewertung des Denkmalkomplexes an der Saar als transnationaler Erinnerungsort.« Dr. Carola Fey, in: Archiv für Kulturgeschichte, Bd. 106, 1/2024

»Heinz-Dieter Heimanns Buch bietet sowohl für eine historisch-kulturhistorisch interessierte Leserschaft als auch für ein Fachpublikum eine lohnende Lektüre. Besonders beeindruckend ist das breite kulturhistorische Interesse des Autors am Gesamtthema: Analysen historischer Schriftquellen verschiedenster Gattungen werden ebenso leicht in die Argumentation eingeflochten wie Beschreibungen von Kunstobjekten und Architektur sowie passende Querverweise auf literarische Werke. Dass Leserinnen und Leser das eingearbeitete Quellenmaterial als wohldosiert wahrnehmen, liegt nicht daran, dass Heimann sparsam damit umgeht. Im Gegenteil: die an sich erdrückende Menge an quellenbasierten Informationen erhält erst durch seinen kritisch reflektierten Umgang mit diesem Material und die erzählerische Leichtigkeit der Präsentation ausgesprochen leserfreundliche Qualitäten.« Orsolya Szender, in: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands, Bd. 69/2023

»In sum, Schinkels Brunnen is an impressive interdisciplinary contribution to a number of fields ranging from art and architecture to medieval studies and European history, as it weaves together an impressive array of sources (French, German, Czech) from across Europe from the fourteenth to the twentieth centuries. A particular achievement of this book is its focus on sometimes marginalized geographical and historical areas (Luxembourg, Bohemia) to highlight the unexpected centrality of John of Bohemia to Prussian dynastic ambitions, where John’s story became a powerful way to leverage medievalism in the formation of emerging national identities in nineteenth- and twentiethcentury Europe.« Dr. Alexandra Sterling-Hellenbrand, in: Central European History, Vol. 57, 2/2024

»Ausgestattet mit zahlreichen Abbildungen zu Entwürfen und Details der beiden Erinnerungskultur-Beispiele, einem guten Druck auf schönem Papier, einem sachlich-formvollendeten Einband mit wunderschön gestalteten Schutzumschlag, endet das wissenschaftliche Werk mit der Frage: ›Das Mittelalter endet gestern?‹ Angesichts aktueller Beispiele bürgerlichen Willens nach Erinnerungskultur verbietet sich eine Befürwortung. Dafür aber ist ›alle Vergangenheit Geschichte und Gegenwart‹. ›Daran erinnern Schinkels Brunnen und das Königsgrab an der Saar!‹ Für jeden Schinkel-Kenner und/oder -verehrer, für jeden, der sich für preußische Architektur interessiert und/oder Parallelen und/oder Antworten zum Leben und Wirken des zeitlos arbeitenden preußischen Baukünstler Karl Friedrich Schinkel sucht, ist dieses äußerst wissenswerte, detailversessene Buch ein Muss.« Irina Rockel, in: SchinkelPlus, 28. August 2024

»Fazit: Das neue Buch von Heinz-Dieter Heimann ist nicht nur aus fachwissenschaftlicher Sicht überaus gelungen, sondern der Autor hat es verstanden, den Leser auf eine vielfältige und auch psychologisch interessante Reise zur Gedächtnis- und damit auch Kultur- und sich entfaltender Nationalgeschichte des 19. Jahrhunderts mitzunehmen, die einen weiteren Bück auf die Geschichte der nationalen Identität europäischer Völker wirft; sowohl in ihrer jeweiligen nationalen Identität als in einem kollektiven europäischen Gedächtnis.« Christoph Goldt, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, Bd. 86, 3/2023