Reichenauer Buchmalerei 850-1070
by Walter Berschin and Ulrich Kuder
Spatestens um 850 n. Chr. sind auf der Klosterinsel Reichenau die ersten illuminierten Prachthandschriften hergestellt worden. Ab 960 entstehen sie in dichter Folge, die den Bedarf des Klosters bei weitem ubersteigt. Um 1000 erreicht die Buchkunst der Reichenau den Konigshof; Heinrich II. hat seine Grundung Bamberg mit vielen Reichenauer Handschriften ausgestattet. Unter Abt Bern von der Reichenau (1008-1048) steigt die Menge der auf der Reichenau fur auswartige Besteller geschaffenen Prachthandschriften nochmals an; um 1070 erlischt diese Kunst auf der Insel. Es sind insgesamt noch 58 Prachthandschriften vorhanden, uber deren Reichenauer Herkunft weitgehend Konsens besteht. Damit weist die Reichenauer Malerschule ein OEuvre auf, das von keiner anderen der Zeit erreicht oder ubertroffen wird. Das grosse Thema dieser Schule ist das Leben Christi: Unter Reichenauer Mitwirkung ist der erste ausfuhrliche Leben-Jesu-Zyklus der westlichen Buchmalerei entstanden. Daneben hat aber auch anderes Platz: das Dedikationsbild, der Evangelist, die altgeorgische Figur, das Bischofsportrait, das Herrscherbild, die Sangerschar, das Leben Johannes des Taufers. Ungewohnliche Themen innerhalb der abendlandischen Buchmalerei sind der Marientod und Christi Hollenfahrt. Hier werden byzantinische Sujets aufgenommen, wie auch der durchgehende Goldgrund, der um 985 in Konstantinopel nachweisbar ist, bald darauf auf der Reichenau erschent. Das Buch versteht sich als chronologisch geordneter Rundgang durch eine imaginare Ausstellung aller dieser weit verstreuten Handschriften. Aus jeder Prachthandschrift wird eine reprasentative Seite abgebildet und erlautert – in einem Ausnahmefall (nr. 32) sind es drei Bilder. Die Einleitung skizziert die Forschungsgeschichte der Wiederentdeckung Reichenauer Buchmalerei und fasst zusammen, was uber Themen, Formate, Empfanger, Schreiber und Maler etc. aus den Handschriften zu entnehmenist. Der weltweit bekannteste Teil des Reichenauer Weltkulturerbes soll so in seiner Gesamtheit sichtbar gemacht werden.
Spatestens um 850 n. Chr. sind auf der Klosterinsel Reichenau die ersten illuminierten Prachthandschriften hergestellt worden. Ab 960 entstehen sie in dichter Folge, die den Bedarf des Klosters bei weitem ubersteigt. Um 1000 erreicht die Buchkunst der Reichenau den Konigshof; Heinrich II. hat seine Grundung Bamberg mit vielen Reichenauer Handschriften ausgestattet. Unter Abt Bern von der Reichenau (1008-1048) steigt die Menge der auf der Reichenau fur auswartige Besteller geschaffenen Prachthandschriften nochmals an; um 1070 erlischt diese Kunst auf der Insel. Es sind insgesamt noch 58 Prachthandschriften vorhanden, uber deren Reichenauer Herkunft weitgehend Konsens besteht. Damit weist die Reichenauer Malerschule ein OEuvre auf, das von keiner anderen der Zeit erreicht oder ubertroffen wird. Das grosse Thema dieser Schule ist das Leben Christi: Unter Reichenauer Mitwirkung ist der erste ausfuhrliche Leben-Jesu-Zyklus der westlichen Buchmalerei entstanden. Daneben hat aber auch anderes Platz: das Dedikationsbild, der Evangelist, die altgeorgische Figur, das Bischofsportrait, das Herrscherbild, die Sangerschar, das Leben Johannes des Taufers. Ungewohnliche Themen innerhalb der abendlandischen Buchmalerei sind der Marientod und Christi Hollenfahrt. Hier werden byzantinische Sujets aufgenommen, wie auch der durchgehende Goldgrund, der um 985 in Konstantinopel nachweisbar ist, bald darauf auf der Reichenau erschent. Das Buch versteht sich als chronologisch geordneter Rundgang durch eine imaginare Ausstellung aller dieser weit verstreuten Handschriften. Aus jeder Prachthandschrift wird eine reprasentative Seite abgebildet und erlautert – in einem Ausnahmefall (nr. 32) sind es drei Bilder. Die Einleitung skizziert die Forschungsgeschichte der Wiederentdeckung Reichenauer Buchmalerei und fasst zusammen, was uber Themen, Formate, Empfanger, Schreiber und Maler etc. aus den Handschriften zu entnehmenist. Der weltweit bekannteste Teil des Reichenauer Weltkulturerbes soll so in seiner Gesamtheit sichtbar gemacht werden.
- By (author) Walter Berschin
- By (author) Ulrich Kuder
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