Italische Terra Sigillata aus Iuvavum/Salzburg

Untersuchungen zur Siedlungs- und Handelsgeschichte des augusteischen vicus und des municipium Claudium Iuvavum

By (author) Sebastian Schmid By (author) Markus Gschwind

Book cover: Italische Terra Sigillata aus Iuvavum/Salzburg

Extent: 320 pages

Publisher: Dr. Ludwig Reichert Verlag

Subjects: Art & Art History, Classical Studies

Series: Münchner Beiträge zur Provinzialrömischen Archäologie

Series volume number: 9.0

Language: German

Hardback (Published)

(June 2020)

ISBN: 9783954904501

Price: $89.00

Out of stock

PDF (Published)

(September 2020)

ISBN: 9783954907441

Price: $74.00

Im Zuge der archäologischen Untersuchungen und Beobachtungen, die während der letzten über 200 Jahre in Salzburg durchgeführt wurden, kam eine große Menge italischer Terra Sigillata zutage. Der umfangreiche Fundbestand wird im vorliegenden Band analysiert. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Frage der Entwicklung Salzburgs von augusteischer Zeit bis in das mittlere 1. Jahrhundert n. Chr., als die Siedlung unter Kaiser Claudius zur Stadt (municipium) erhoben wurde. Darüber hinaus werden die Verkehrsverbindungen und Belieferungsstrukturen untersucht, über die diese Keramik von Italien über die Alpen an die Salzach gelangte.


English summary: Due to its large scale distribution and chronological relevance, Italian Terra Sigillata, which was produced in large quantities in Upper, Central and Southern Italy as well as Southern France, represents one of the most important archaeological sources for the early imperial period. It plays a decisive role in the discussion of the history of settlement and trade. From Austria and the neighbouring areas, a large quantity of this fine ware has as yet only been published from the town on the Magdalensberg (Carinthia). With more than 1500 fragments, of which more than 1000 were typologically classifiable, a representative number of Italian Terra Sigillata can now also be presented from Salzburg/Iuvavum. These were found over the course of many years of excavations in the city, especially during archaeological investigations conducted over the last two decades of the 20th century. Iuvavum was roughly equally supplied with Italian Terra Sigillata from workshops in central and northern Italy, as macroscopic investigations and chemical analyses (by G. Schneider and M. Daszkiewicz), but also more than 160 pottery stamps show. The earliest vessels are plates and bowls dating from the last decade B.C. and the first decade A.D.; however, forms of the 1st century A.D., of which more than 500 fragments are decorated with appliques, dominate the assemblage. The antiquarian analysis of the Italian Terra Sigillata from Iuvavum and the comparison of the Salzburg spectrum with those of other sites in Raetia and Noricum allow further investigations of the settlement and trade history of the town at the Salzach in the early imperial period: The earliest vessels suggest a smaller settlement founded in mid Augustan times, which was mainly supplied with products from northern Italy. Up to the middle of the 1st century A.D., when Emperor Claudius awarded the town the rank of municipium, it spread over the entire later urban area, with the majority of the Terra Sigillata now coming from central Italy. This change of origin of the Italian Terra Sigillata from Salzburg can probably be linked to a shift in supply structures and other transport routes. The north-south routes over the Tauern passes played a particularly important role. However, the westward connection towards Augsburg – at least in the early days – did obviously not influence the supply patterns of Salzburg with Terra Sigillata. German description: Aufgrund ihrer weitraumigen Verhandlung und ihrer feinchronologischen Relevanz stellt die in grossen Mengen in Ober-, Mittel- und Suditalien sowie Sudfrankreich hergestellte italische Terra Sigillata eine der wichtigsten Quellengattungen der fruhen Kaiserzeit dar. Dabei kommt ihr insbesondere in siedlungs- und handelsgeschichtlicher Hinsicht eine entscheidende Rolle zu. Aus Osterreich, aber auch aus den angrenzenden Gebieten, wurde bislang nur aus der Stadt auf dem Magdalensberg (Karnten) eine grosse Menge dieser Feinkeramik publiziert. Mit mehr als 1500 Fragmenten, von denen uber 1000 auch typologisch klassifizierbar waren, kann nun auch aus Salzburg/Iuvavum eine mehr als reprasentative Zahl italischer Terra Sigillata vorgelegt werden. Diese fanden sich im Zuge der langjahrigen Ausgrabungen in der Stadt, insbesondere wahrend archaologischer Untersuchungen der letzten beiden Jahrzehnte des 20. Jahrhundert. Iuvavum wurde zu etwa gleich grossen Teilen mit italischer Terra Sigillata aus Werkstatten in Mittel- und Oberitalien beliefert, wie makroskopische Untersuchungen und chemische Analysen (durch G. Schneider und M. Daszkiewicz), aber auch uber 160 Topferstempel zeigen. Die fruhesten Gefasse stellen Teller und Schalen dar, die in das letzte Jahrzehnt v. Chr. und das erste Jahrzehnt n. Chr. datieren; es uberwiegen jedoch Formen des 1. Jahrhunderts n. Chr., von denen uber 500 Fragmente mit Appliken verziert sind. Die antiquarische Analyse der italischen Terra Sigillata aus Iuvavum und der Vergleich des Salzburger Spektrums mit jenen anderer Fundorte in Raetien und Noricum erlaubt weitergehende Untersuchungen zur Siedlungs- und Handelsgeschichte der Stadt an der Salzach in der fruhen Kaiserzeit: Die fruhesten Gefasse belegen eine in mittelaugusteischer Zeit gegrundete, kleinere Siedlung, die vornehmlich mit Produkten aus Oberitalien versorgt wurde. Bis zur Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr., als die Stadt unter Kaiser Claudius den Rang eines municipium erhielt, breitete sie sich uber das gesamte spatere Stadtgebiet aus, wobei die Terra Sigillata nun mehrheitlich aus Mittelitalien stammte. Diese Veranderung in der Herkunft der italischen Terra Sigillata aus Salzburg ist wohl mit einem Wandel der Belieferungsstrukturen und anderen Transportwegen zu verbinden. Dabei spielten insbesondere die Nord-Sud-Routen uber die Tauernpasse eine wichtige Rolle. Die Verbindung nach Westen in Richtung Augsburg hatte – zumindest in der Fruhzeit – offenbar keine grossere Bedeutung fur die Versorgung Salzburgs mit Terra Sigillata.

  • By (author) Sebastian Schmid
  • By (author) Markus Gschwind

„Sebastian Schmid und Markus Gschwind haben mit ihrer Publikation der italischen Terra Sigillata einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Siedlungsentwicklung in Salzburg geleistet. (...) [Sie] ist eine gelungene Materialvorlage der italischen Terra Sigillata aus Salzburg, die Fragen zur chronologischen Entwicklung der Siedlung beantwortet und zu den Verkehrs- und Handelsbeziehungen anreißt. Kleinere Schwächen in den Auswertungskapiteln, wie die fehlende Gliederung bei den Appliken oder Verweise auf die Katalognummern sind wohl dem Zeitdruck geschuldet, unter dem besonders Schmid das<br/>Material abschließend bearbeitet und die Texte fertiggestellt hat. Es ist sehr erfreulich, dass das Material am Ende doch noch vorgelegt werden konnte und auch die umfangreichen Vorarbeiten (Katalog und Tafeln) von Gschwind ebenfalls zur Geltung kommen.“<br/><br/>Von Dr. Rebecca Diana Klug<br/>In: Göttinger Forum für Altertumswissenschaften Bd. 25, Nr. 1, S. 1001-1006, <a target="_blank" href="https://doi.org/10.14628/gfa.2022.1.90463">https://doi.org/10.14628/gfa.2022.1.90463</a>