Anthropogeographische Beiträge. – Zur Gebirgskunde,
vorzüglich Beobachtungen über Höhengrenzen und Höhengürtel. Hrsg. im Auftrage des Vereins für Erdkunde und der Carl Ritter-Stiftung zu Leipzig. (Wissenschaftliche Veröffentlichungen des Vereins für Erdkunde zu Leipzig, Band II).
Edited by Friedrich Ratzel
Paperback (Published)
(February 2014)
ISBN: 9783428170609
6.18 x 9.17 inches
Price: $232.00
On back order
Im Rahmen des Projekts »Duncker & Humblot reprints« heben wir Schätze aus dem Programm der ersten rund 150 Jahre unserer Verlagsgeschichte, von der Gründung 1798 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. Lange vergriffene Klassiker und Fundstücke aus den Bereichen Rechts- und Staatswissenschaften, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Geschichte, Philosophie und Literaturwissenschaft werden nach langer Zeit wieder verfügbar gemacht.
»Geograph, * 30.8.1844 Karlsruhe, † 9.8.1904 Ammerland/Starnberger See. (evangelisch)
R. absolvierte eine Apothekerlehre in Eichtersheim (Kraichgau) und studierte seit 1866 Naturwissenschaften in Karlsruhe und Heidelberg, wo er 1868 bei Heinrich Alexander Pagenstecher promoviert wurde (Btrr. z. anatom. u. systemat. Kenntniss d. Oligochaeten). Danach unternahm er zunächst privat, dann als Reisekorrespondent der ›Kölnischen Zeitung‹ zahlreiche Forschungsreisen in die Alpen und den Mittelmeerraum (Wandertage e. Naturforschers, 1873/74), unterbrochen durch die Teilnahme am Dt.-Franz. Krieg 1870/71. 1873–75 bereiste R. die USA, Mexiko und Kuba und berichtete darüber in mehreren Publikationen (Die chines. Auswanderung, Ein Btr. z. Kultur- u. Handelsgeogr., Habil.schr., 1876; Städte- u. Culturbilder aus Nordamerika, 1876; Aus Mexico, Reiseskizzen 1874 u. 1875, 1878; Die Vereinigten Staaten v. Nord-Amerika, 2 Bde., 1878/80).
1876 wurde R. ao. und 1880 o. Professor für Geographie an der TH München, leitete die Zeitschrift ›Das Ausland‹ (1882–84) und organisierte den IV. Dt. Geographentag 1884 in München. In seiner von Moritz Wagner angeregten ›Anthropo-Geographie oder Grundzüge der Anwendung der Erdkunde auf die Geschichte I‹ (1882, 1899) wie in seinem grundlegenden Werk ›Völkerkunde‹ (3 Bde., 1885–88, 1894/95) konstatierte er eine ›Abhängigkeit der geschichtlichen Entwicklung der Menschheit von den Naturbedingungen ihres Bodens, des Klimas, der Pflanzen- und Tierwelt‹ und versuchte, diese Zusammenhänge zu beweisen. R. sah die Erde und ihre Lebensformen als Ganzheit, die er ›hologäische Erdauffassung‹ nannte. Die daraus entwickelte ›Politische Geographie‹ (1897, 1903) trug zum Verständnis und zur Beurteilung historischer und politischer Verhältnisse und Entwicklungen bei.
1886 wurde R. als Nachfolger Ferdinand v. Richthofens nach Leipzig berufen, wo er bis zu seinem Tod wirkte. Sein Lehr- und Forschungsspektrum umfaßte die physische Geographie, die Bio- und Anthropogeographie, Verkehrs- und Wirtschaftsgeographie, Länder- und Völkerkunde, die Politische Geographie sowie die Methodik und Geschichte der Geographie, der Naturphilosophie und der Natur- und Landschaftsschilderung. R. war ein glänzender akademischer Lehrer und großer Förderer der Leipziger und dt. Hochschulgeographie. Seit 1882 gab er die Reihe ›Bibliothek geographischer Handbücher‹ heraus. In ›Die Erde und das Leben, Eine vergleichende Erdkunde‹ (2 Bde., 1901/02) versuchte er eine Gesamtschau der Mensch-Tier-Pflanzen-Bereiche im Sinne einer übergreifenden ›Allgemeinen Biogeographie‹, deren geplante und weit gediehene größere Darstellung er nicht mehr realisieren konnte. Seine Haltung zum Darwinismus reichte im Laufe seines Lebens von positiver Aufnahme über Zweifel bis zur Ablehnung. In geistiger Nachfolge Alexander v. Humboldts untersuchte R. naturästhetische Begriffe wie Landschaftsmalerei und Naturschilderung auf ihre Inhalte; Fernblick, Naturgenuß, Naturauffassung und Naturverständnis aus dem Reichtum der Beobachtungsfülle und der Wirkung der Werke Jean Pauls und Adalbert Stifters sind u.a. Themen, die er in ›Über Naturschilderung‹ (1904) unter der Prämisse ›Wissenschaft genügt nicht, um die Sprache der Natur zu verstehen‹, zusammenfaßte. R. begründete eine Schule des (bio-) geographischen bzw. des Umweltdenkens und führte den Begriff ›Umwelt‹ noch vor den Biologen seit 1899 in die Wissenschaftssprache ein. Neben seinen zahlreichen Schülern, darunter Hans Helmolt, Christian Grüber und Eugen Oberhummer, wirkte er auch auf ausländische Forscher wie Paul Vidal de la Blache, Jean Brunhes und Ellen Semple.
Zu R.s wissenschaftlicher Tätigkeit gehörte auch die Biographik. Von ihm stammen ca. 150 Beiträge für die ADB; er war Mitarbeiter bei den von Anton Bettelheim herausgegebenen ›Biographischen Blättern‹ und deren Fortsetzung ›Biographisches Jahrbuch und Dt. Nekrolog.‹
Angesichts eines gewaltigen schriftlichen Werkes (1300 Einzeltitel) und des überwiegend unbearbeiteten Nachlasses wurde R. nach 1945 von Geographen wie Historikern teils fahrlässig, teils tendenziös interpretiert, bes. im Hinblick auf seine weit über das rein Geowissenschaftliche hinausreichenden politischen Stellungnahmen. Neuere, auf sorgfältigen Analysen wesentlicher Teile seines Gesamtwerkes beruhende Untersuchungen, etwa von Mark Bassin und André-Louis Sanguin, ergeben ein objektiveres Bild. Übersetzungs- und Interpretationsfehler wurden korrigiert, sein kontrovers diskutierter Geodeterminismus als ökologisches Wechselwirkungsdenken gedeutet, die Beziehungen geopolitischer Doktrinen zum Nationalsozialismus neu analysiert und seinem philosophischen wie theologischen Denken mehr Berücksichtigung eingeräumt.«
Müller, Gerhard H., in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 186–188
- Edited by Friedrich Ratzel
Other Titles in this Series
Die kurmärkischen Stände im letzten Drittel des sechzehnten Jahrhunderts.
(Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte der Mark Brandenburg).
Ungarische Rundschau für historische und soziale Wissenschaften.
Unter Mitwirkung von Viktor Concha - Josef Hampel - Ludwig von Thallóczy hrsg. von Gustav Heinrich. 2. Jg., 3. Heft, Juli 1913 (S. 497–736).
Die Bodenreform im Lichte des Humanistischen Sozialismus.
Zum fünfundzwanzigjährigen Jubiläum der Begründung des "Bundes Deutscher Bodenreformer" 1888–1913.
Grundriß des Exekutionsrechtes.
Grundriß des Österreichischen Rechts in systematischer Bearbeitung. Zweiter Band, erste Abteilung, zweiter Teil. Hrsg. von August Finger - Otto Frankl.
Offenmarktpolitik zur Konjunkturregelung.
Erfahrungen in England, den Vereinigten Staaten und in Deutschland. (Neue Reihe staatswissenschaftlicher Arbeiten, Heft 5).
Agrarische Zustände in Frankreich und England.
Auf Grund der neueren Enquêten dargestellt. (Schriften des Vereins für Socialpolitik XXVII).
Die englischen Landarbeiter in den letzten hundert Jahren und die Einhegungen.
Mit einem Anhange über die ländlichen socialen Verhältnisse in Dänemark und Schweden von William Scharling und Pontus Fahlbeck. (Schriften des Vereins für Socialpolitik LIX).
Die Gemeindebetriebe in Ungarn.
Gemeindebetriebe – Neuere Versuche und Erfahrungen über die Ausdehnung der kommunalen Tätigkeit in Deutschland und im Ausland. III. Band, 5. Teil. Im Auftr. des Ver. für Socialpol. hrsg. von Carl J. Fuchs. (Schriften des Vereins für Socialpolitik 130
Verfassung und Verwaltungsorganisation der Städte.
Vierter Band, fünftes Heft: Die Hansestädte. Im Auftrag des Vereins für Socialpolitik herausgegeben. (Schriften des Vereins für Socialpolitik 120-V).
Neue Untersuchungen über die Wohnungsfrage in Deutschland und im Ausland.
Erster Band: Deutschland und Österreich. Erste Abteilung. Hrsg. vom Verein für Socialpolitik. (Schriften des Vereins für Socialpolitik XCIV).
Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der 26. Jahresversammlung des deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit am 3. März 1906 in Berlin.
(Schriften des deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit 76).
Die Fürsorge für Ausländer in Deutschland.
(Schriften des deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit 69).
Die schweizerische Allmend
in ihrer geschichtlichen Entwickelung vom XIII. Jahrhundert bis zur Gegenwart. (Staats- und socialwissenschaftliche Forschungen II.4).
Ulms Baumwollweberei im Mittelalter.
Urkunden und Darstellung. Ein Beitrag zur deutschen Städte- und Wirtschaftsgeschichte. (Staats- und socialwissenschaftliche Forschungen IX.5).
Die finanziellen Beziehungen der florentinischen Bankiers zur Kirche von 1285 bis 1304.
(Staats- und socialwissenschaftliche Forschungen XVII.1).
Die zentrale Finanzverwaltung im Deutschordensstaate Preußen am Anfang des XV. Jahrhunderts.
Nach dem Marienburger Treßlerbuch. (Staats- und sozialwissenschaftliche Forschungen XXIII.2).
Die Konsumvereine in Rußland.
Mit einem Geleitwort von Robert Wilbrandt. Untersuchungen über Konsumvereine. Hrsg. von Carl Johannes Fuchs - Robert Wilbrandt. Die Konsumvereinsbewegung in den einzelnen Ländern. Zweiter Teil. (Schriften des Vereins für Sozialpolitik 150-II).
Die Verteuerung der Lebensmittel in Berlin im Laufe der letzten 30 Jahre und ihre Bedeutung für den Berliner Arbeiterhaushalt.
Untersuchungen über Preisbildung. Abteilung A: Preisbildung für agrarische Erzeugnisse. Zweiter Teil. Hrsg. von Max Sering. (Schriften des Vereins für Sozialpolitik 139-II).
Pläne und Versuche zur Währungssanierung.
Geschichte der Stabilisierungsversuche, hrsg. von Melchior Palyi, zweiter Teil. Deutsche Zahlungsbilanz und Stabilisierungsfrage, im Auftrage des Vereins veranstaltet von Karl Diehl - Felix Somary. (Schriften des Vereins für Sozialpolitik 165-II).
Die Vererbung des ländlichen Grundbesitzes in der Nachkriegszeit.
Dritter Teil: Die Anerbengesetze in den deutschen und außerdeutschen Ländern. Bearb. von Gustav Wagemann. (Schriften des Vereins für Sozialpolitik, Band 178-III).
Die Entwickelung der deutschen Arbeiterkolonien.
(Schriften des deutschen Vereins für Armenpflege und Wohlthätigkeit 3).
Die Kranken- und Hauspflege auf dem Lande.
(Schriften des deutschen Vereins für Armenpflege und Wohlthätigkeit 44).
Die Lage des Haus- und Grundbesitzes
in einem sächsischen Großstadtvororte nach Grundbuch und Grundsteuerkataster. Zugleich ein Beispiel für die Bedeutung dieses Materials für nationalökonomische Untersuchungen.
Der Wiederaufbau Deutschlands.
Von Versailles bis zum Young-Plan. Einzig autorisierte Übersetzung aus dem Englischen. (Veröffentlichungen des Instituts für Finanzwesen an der Handels-Hochschule Berlin, Band II).
Wirtschaftsstil des deutschen Spätmittelalters.
Der Ausdruck der Lebensform in Wirtschaft, Gesellschaftsaufbau und Kunst von 1350 bis um 1500.
Similar Books
Diagnostic Techniques in Public Health
Analytical and Chemometric Approaches in Disease Detection and Management
Medicinal Chemistry of Plant-Derived Natural Products
A Chemical Exploration of Plants as a Source of Modern Drugs
