Wildes Recht.
Zur Pathogenese des Effektivitätsprinzips in der neuzeitlichen Eigentumslehre.
By (author) Daniel Damler
Paperback (Out of print)
(August 2008)
ISBN: 9783428128587
6.18 x 9.17 inches
Price: $99.00
On back order
Die Lehre von der vorstaatlichen Begründung und Sicherung des Eigentums, die Überzeugung, dass die Einwirkung auf den zu erwerbenden Gegenstand selbst – ohne anderer Menschen Mitwirkung – das Mein und Dein erzeuge, zählt zu den wirkungsmächtigsten Annahmen des Liberalismus und wohl der westlichen Moderne schlechthin. Da sie nicht naturgegeben ist, sondern historisch gewachsen, stellt sich die Frage, welche Impulse es waren, die dem Gedanken zu einer solchen Präsenz und Entfaltung verhalfen. Nach einer gängigen Deutung soll der Anspruch des aufstrebenden Bürgertums auf Teilhabe und Anerkennung entscheidend die Entwicklung befördert haben.
Der Autor unternimmt den Versuch, sich von dieser perspektivischen Verengung auf eine selbstbezogene europäische Gesellschaft zu lösen und stattdessen die Aufmerksamkeit auf die kolonialen Kontexte dieser Gesellschaft zu lenken. Im Einklang mit neueren Forschungen, die zeigen, in welchem Ausmaß die Ikonen des politischen Liberalismus und des Naturrechts persönlich mit den Angelegenheiten in Übersee befasst waren, lässt sich nachweisen, dass eben jenes Engagement das Nachdenken über die philosophischen Grundlagen des Mein und Dein wesentlich beeinflusst hat. Freilich gab es nicht “die” koloniale Erfahrung, sondern ganz unterschiedliche Prägungen. Die Differenzen sichtbar zu machen ist eines der Hauptanliegen des Verfassers, der zuerst die spanischen, dann die englischen und die niederländischen Unternehmungen und ihre geistesgeschichtlichen Rückwirkungen beleuchtet. Er nimmt zum Vergleich überdies die Verhältnisse in Mitteleuropa in den Blick, einer Region, die lange Zeit keine nennenswerten Ambitionen hegte, in der außereuropäischen Fremde Fuß zu fassen.
Um die Geburt der modernen Eigentumstheorie aus dem Geist der europäischen Expansion zu rekonstruieren, dienen als Quellen neben den maßgeblichen theoretischen Abhandlungen der fokussierten Autoren (u. a. Vitoria, Locke, Grotius, Kant) auch Reiseberichte und Landesbeschreibungen, die auf das Bild von Mensch und Welt – nach ihrer “Entdeckung” – Einfluss nahmen.
- By (author) Daniel Damler
»Das Buch sei jedem, der an einer kurzweiligen, scharfsinnigen und klugen Studie interessiert ist, ans Herz gelegt.«
Thomas Finkenauer, in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germ. Abt., Bd. 128/2011»Was mich am meisten gefreut hat: Die Studie ›Wildes Recht‹ des Rechtshistorikers Daniel Damler, in der ihm der Nachweis gelang, dass historische Kenntnis, philosophische Schärfe und literarische Kürze miteinander vereinbar sind. [...] Damler braucht nur 122 Seiten für ein Feuerwerk an Idee und historischen Berichten, um das Gegenteil zu beweisen. Unbedingt lesen!«
Jürgen Kaube, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 27.12.2010»Der Rechtshistoriker Daniel Damler erzählt jetzt in einer ebenso klugen wie schwungvollen und thesenreichen Abhandlung eine ganz andere Vorgeschichte des modernen Eigentumsbegriffs. Er sieht seine Ursprünge nicht nur im Privatrecht und der bürgerlichen Gedankenwelt, sondern in Kontroversen um das Recht von Staaten zur Kolonisation.«
Jürgen Kaube, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.03.2009»Die knappe, aber inhaltsreiche Studie Daniel Damlers zu einem historisch wesentlichen Aspekt der neuzeitlichen Eigentumslehre erfreut den Leser. Denn sie ist so lehrreich, daß sie auch eine nochmalige Lektüre verdient.«
Till Kinzel, in: IFB, Juli 2010
—
Other Titles in this Series
Teleologisches Rechtsverständnis.
Wissenschaftstheoretische und geistesgeschichtliche Grundlagen einer zweckorientierten Rechtswissenschaft.
Volume 130
Rechtsmetaphorologie – Ausblick auf eine Metaphorologie der Grundrechte.
Eine Untersuchung zu Begriff, Funktion und Analyse rechtswissenschaftlicher Metaphern.
Volume 281
Recht aus Freiheit.
Die Gegenüberstellung der rechtstheoretischen Ansätze der Wertungsjurisprudenz und des Liberalismus mit der kritischen Rechtsphilosophie Kants.
Volume 244
Überlegungen zu einer positivistischen Integrationslehre.
Die Bedeutung menschlicher Wertvorstellungen für die Interpretation des nationalen und europäischen Verfassungsrechts.
Volume 307
Die Vorstellung der Eigenständigkeit in der Rechtswissenschaft.
Ein Beitrag zur juristischen Systematik und Terminologie.
Volume 11
Zur Methode der Rechtsfindung.
Aus dem Schwedischen und Englischen übertragen von Joachim Heilmann.
Volume 48
Der Mensch und sein Recht.
Ausgewählte rechtstheoretische Schriften. Hrsg. und eingel. von Urpo Kangas.
Volume 143
Recht und Rechtskommunikation in modernen Rechtssystemen.
Zur rechtstheoretischen Standortbestimmung des russischen Zivilrechts im Kontext der deutschen und europäischen Rechtsordnung.
Volume 254
Methodik, Theorie, Linguistik des Rechts.
Neue Aufsätze (1995 - 1997). Hrsg. von Ralph Christensen.
Volume 181
Die Rechtsfiguren einer “Normativität des Faktischen”.
Untersuchungen zum Verhältnis von Norm und Faktum und zur Funktion der Rechtsgestaltungsorgane.
Volume 24
Freiheitsrechte und soziale Emanzipation.
Ernst Blochs Kritik der marxistisch-leninistischen Rechtstheorie.
Volume 122
Strafe und Versöhnung.
Eine moral- und rechtsphilosophische Analyse von Strafe und Täter-Opfer-Ausgleich als Formen unserer Praxis.
Volume 261
Das Ganze des Rechts.
Vom hierarchischen zum reflexiven Verständnis deutscher und europäischer Grundrechte.
Volume 232
Dialektik der Würde
Zur Prinzipialität der Selbstbeschränkung für eine soziale Freiheitsordnung
Volume 313
Richterliche Rechtsfortbildung in Deutschland und der Schweiz.
Plädoyer für ein methodisches Vorgehen auf Grundlage des Legitimitätsgedankens.
Volume 288
Legitimation durch Begründung.
Eine erkenntniskritische Analyse der Drittwirkungs-Kontroverse.
Volume 36
Gewißheitsverluste im juristischen Denken.
Zur politischen Funktion der juristischen Methode.
Volume 73
