Die zwei Gesichter der Zerstörung.

Raphael Lemkins UN-Genozidkonvention und die Vertreibung der Deutschen.

By (author) Manfred Kittel

Book cover: Die zwei Gesichter der Zerstörung.

Extent: 181 pages

Publisher: Duncker & Humblot

Subjects: Social Sciences 

Series: Forschungen zur Geschichte ethnischer Vertreibung

Series volume number: 1

Language: German

Paperback (Published)

(August 2023)

ISBN: 9783428189052

6.18 x 9.17 inches

Price: $37.00

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Für den Vater der UN-Völkermordkonvention von 1948, Raphael Lemkin, ist auch die Vertreibung der Deutschen eine genozidale »Zerstörung nationaler Gruppen als solcher«. Bei dem Beitritt zur UN-Konvention 1954 schließt sich der Deutsche Bundestag Lemkins Sicht an. Mit wachsender erinnerungskultureller Bedeutung des Holocausts wird Völkermord zeitweilig mit »Ausrottung« und Judenvernichtung gleichgesetzt. Doch wie die Studie ebenfalls zeigt, hat der Begriff sich im Zuge der boomenden Kolonialismus-Bewältigung nun erneut geweitet.


Raphael Lemkin, der polnisch-judische Vater der UN-Volkermordkonvention von 1948, sah auch in der Vertreibung von 14 Millionen Deutschen am Ende des Zweiten Weltkrieges einen Genozid. Dieser begann fur ihn nicht erst bei der physischen Ausrottung ganzer Volker, sondern bedeutete vielmehr Zerstorung nationaler Gruppen als solcher in ihrer sozialen Existenz. Der Deutsche Bundestag schloss sich bei dem Beitritt zur UN-Konvention 1954 von der CDU bis zur SPD Lemkins breitem Genozidbegriff an. Mit wachsender Bedeutung des Holocausts in der Erinnerungskultur wurden spater in Deutschland Volkermord und Judenvernichtung zeitweilig gleichgesetzt. Der Boom der Kolonialismus-Bewaltigung fuhrte jedoch erneut zu einem Begriffswandel. 2021 erkannte die Bunderegierung den Genozid an den Herero im fruheren Deutsch-Sudwestafrika an. Im vergleichenden Blick bis hin zu Putins Krieg gegen die ukrainische Nation heute diskutiert das Buch die zwei Gesichter des Genozids zwischen Ausrottung und Zerstorung.

Unscharfen des Volkermordbegriffs in der deutschen Erinnerungskultur Entstehung und Geist der UN-Genozidkonvention von 1948 Raphael Lemkins Distanz zum Ausrottungsbegriff des Nurnberger Militargerichtshofs Lemkins Pragung durch den defizitaren Minderheitenschutz der Volkerbundszeit Vertreibung als Zerstorung einer Gruppe als solcher Die Rolle Lemkins beim Konventionsbeitritt der Bundesrepublik 1954 Bundestagskonsens 1954: Volkermord als Zerstorung, nicht Ausrottung einer Gruppe Konventionsbeitritt ohne Konsequenzen: Verzicht auf die systematische Ermittlung von Vertreibungsverbrechen Folgen von Verjahrungsdebatten und Ostvertragen Zunehmende Gleichsetzung von Volkermord und Holocaust und Randposition der Vertreibung in der neuen Genozidforschung seit den 1980er Jahren Rechtsradikale Instrumentalisierungen und linke Verengungen des Genoziddiskurses Zwischen sachlicher Kritik und moralpolitischer Zensur: Lemkins Genozidverstandnis und die Genozidforscher Die ethnischen Sauberungen auf dem Balkan nach 1991 und der breite Begriff des Volkermords in der deutschen und internationalen Rechtsprechung Kolonialhistorischer Wandel des Genozidbegriffs und Anerkennung des Volkermordes an den Herero 2021 Zur Frage der subjektiven und objektiven Komponente des Genozidtatbestands bei der Vertreibung der Deutschen Jungste Volkermorddebatten um Polen und die Ukraine Resumee: Ethnische Vertreibungen als Zerstorungsgenozid, Unschärfen des Völkermordbegriffs in der deutschen Erinnerungskultur

Entstehung und Geist der UN-Genozidkonvention von 1948

Raphael Lemkins Distanz zum Ausrottungsbegriff des Nürnberger Militärgerichtshofs

Lemkins Prägung durch den defizitären Minderheitenschutz der Völkerbundszeit

Vertreibung als Zerstörung einer »Gruppe als solcher«

Die Rolle Lemkins beim Konventionsbeitritt der Bundesrepublik 1954

Bundestagskonsens 1954: Völkermord als »Zerstörung«, nicht »Ausrottung« einer Gruppe

Konventionsbeitritt ohne Konsequenzen: Verzicht auf die systematische Ermittlung von Vertreibungsverbrechen

Folgen von Verjährungsdebatten und Ostverträgen

Zunehmende Gleichsetzung von Völkermord und Holocaust und Randposition der Vertreibung in der neuen Genozidforschung seit den 1980er Jahren

Rechtsradikale Instrumentalisierungen und linke Verengungen des Genoziddiskurses

Zwischen sachlicher Kritik und moralpolitischer Zensur: Lemkins Genozidverständnis und die Genozidforscher

Die »ethnischen Säuberungen« auf dem Balkan nach 1991 und der breite Begriff des Völkermords in der deutschen und internationalen Rechtsprechung

Kolonialhistorischer Wandel des Genozidbegriffs und Anerkennung des Völkermordes an den Herero 2021

Zur Frage der subjektiven und objektiven Komponente des Genozidtatbestands bei der Vertreibung der Deutschen

Jüngste Völkermorddebatten um Polen und die Ukraine

Resümee: Ethnische Vertreibungen als Zerstörungsgenozid

Manfred Kittel worked at the Institute of Contemporary History in Munich after his studies. In 2009, he became the founding director of the Federal Foundation »Flight, Expulsion, Reconciliation« in Berlin. Since 2015, he has been conducting research on contemporary historical topics, initially at the German Historical Museum and later at the Federal Archives. He teaches Modern History in Regensburg. Among his most important publications are studies on the history of democracy in Germany and France before 1933/36, on »coming to terms with the past« in Japan and the Federal Republic of Germany after 1945, and especially on the history and culture of memory related to flight and expulsion. His most recent work focuses on the politics of »compensation« starting from 1952.

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