Das Subjekt der Normalität
Das Wissensarchiv der Psychiatrie: Kulturen der Krankheit um 1900
By (author) Michaela Ralser
Paperback (Published)
(September 2010)
ISBN: 9783770549801
6.18 x 9.17 inches
Price: $75.00
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Das Buch zeigt die historische Psychiatrie a s Muster und Motor einer spezifischen Konstituierung der Menschen als Subjekte. Dabei tritt eine schon sehr gegenwärtige Gestalt in den Vordergrund: das Subjekt der Normalität. Die psychiatrische Wissensproduktion erlangt um 1900 herausragende Deutungsmacht. Den großen Nervenkrankheiten – den Hysterien, Neurasthenien, traumatischen Neurosen und sozialen Pathologien – kommt dabei strategische Bedeutung zu. Sie erreichen in kurzer Zeit eine Publizität, die es rechtfertigt, sie als erste mediale Krankheiten zu bezeichnen. Ihre Modelle bilden das Inventar noch heute gültiger Diagnosesysteme. An der Wende zum 20. Jahrhundert verschafft sich das psychiatrische Wissen weit über die Klinik hinaus soziale Geltung. Als Gesellschaftswissenschaft avant la lettre interveniert die Jahrhundertwende-Psychiatrie erfolgreich in die Debatten um die Krise der Moderne, die soziale Frage, die Ordnung der Geschlechter, um Degeneration, Sozial- und Rassehygiene. Als interdisziplinäres Projekt einer frühen Public Health Policy wandelt sie den Diskurs über die Kranken zunehmend in einen über die Gesunden. Am Narrativ der klinischen Fallgeschichte (von Philipp Pinel bis Sigmund Freud), an Hunderten Krankenakten einer psychiatrischen Klinik (Innsbruck) und an Selbstbeschreibungen und Briefen von Patientinnen wird der Prozess beschrieben und verdeutlicht, wie das Konzept der Normalität zusehends zum sozialen Distinktionsmitte wird.
- By (author) Michaela Ralser
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