Berufsvormundschaft (Generalvormundschaft).

Erster Band: Berichte. (Schriften des deutschen Vereins fĂŒr Armenpflege und WohltĂ€tigkeit 81).

By (author) Christian Jasper Klumker By (author) Johannes Petersen

Book cover: Berufsvormundschaft (Generalvormundschaft).

Extent: 114 pages

Publisher: Duncker & Humblot

Subjects: Social Sciences 

Series: Duncker & Humblot reprints

Language: German

Paperback (Published)

(December 2016)

ISBN: 9783428176250

6.18 x 9.17 inches

Price: $73.00

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Im Rahmen des Projekts Duncker & Humblot reprints heben wir Schatze aus dem Programm der ersten rund 150 Jahre unserer Verlagsgeschichte, von der Grundung 1798 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. Lange vergriffene Klassiker und Fundstucke aus den Bereichen Rechts- und Staatswissenschaften, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Geschichte, Philosophie und Literaturwissenschaft werden nach langer Zeit wieder verfugbar gemacht.

»Klumker, Christian Jasper, Sozialpolitiker, * 22.12.1868 Insel Juist, † 19.7.1942 HedemĂŒnden bei Hannoversch MĂŒnden. (evangelisch)

K. begann in Leipzig das Studium der Theologie, das er bald auch auf Philosophie und Nationalökonomie ausdehnte; es fĂŒhrte ihn ĂŒber Erlangen nach Göttingen. Ostern 1891 legte er in Hannover die 1. theologische PrĂŒfung ab, besuchte 1892–94 das Predigerseminar im Kloster Loccum und bestand im Herbst 1894 in Hannover auch die 2. theologische PrĂŒfung. Er trat jedoch nicht in den Vorbereitungsdienst ein, sondern nahm bei Karl BĂŒcher in Leipzig das Zweitstudium der Nationalökonomie, Statistik und Geschichte auf, das er 1896 mit einer Dissertation ĂŒber den friesischen Tuchhandel zur Zeit Karls des Großen abschloß. Im gleichen Jahre veröffentlichte er eine Untersuchung ĂŒber die Handwerksbetriebe eines ostfriesischen Marschendorfes. Er begann auch mit sozialpolitischen AufsĂ€tzen in Zeitschriften und der Übersetzung sozialreformerischer Schriften aus fremden Sprachen. Als AnhĂ€nger der christlich-sozialen Ideen Friedrich Naumanns versuchte K. einen Weg in die aktive Politik zu finden, den er erst nach dem Scheitern seiner Kandidatur (als Nationalliberaler) fĂŒr den Reichstag 1903 aufgab.

Schon 1899 war K. von Wilhelm Merton fĂŒr die von diesem gegrĂŒndete â€șCentrale fĂŒr private FĂŒrsorgeâ€č in Frankfurt am Main als hauptberuflicher Mitarbeiter gewonnen worden. Dort betrieb er zunĂ€chst eine rationelle Koordination aller in der FĂŒrsorge tĂ€tigen KrĂ€fte. Bald wandte er sich besonders der Hilfe fĂŒr uneheliche Kinder zu. Er baute eine Abteilung fĂŒr Kinderschutz auf, entfaltete eine rege propagandistische TĂ€tigkeit und ĂŒbernahm selbst zahlreiche Vormundschaften. Das Ergebnis seiner Erfahrungen und methodischen Untersuchungen war 1906 die GrĂŒndung des Archivs deutscher BerufsvormĂŒnder. Seit Errichtung der Frankfurter Akademie fĂŒr Sozial- und Handelswissenschaften (1901) war K. auch als akademischer Lehrer tĂ€tig und begrĂŒndete dort ein FĂŒrsorge-Seminar zur praktischen Ausbildung von berufsmĂ€ĂŸigen und freiwilligen Mitarbeitern der FĂŒrsorge. ZusĂ€tzlich richtete er 1903 in der Centrale fĂŒr private FĂŒrsorge Ausbildungskurse ein, die bald weit ĂŒber Deutschland hinaus Beachtung fanden. Auf Vortragsreisen und Kongressen hat K. im In- und Ausland fĂŒr den Schutz der Unehelichen geworben. In dem 1908 gegrĂŒndeten Verein â€șKinderschutzâ€č und der im gleichen Jahr eingerichteten Arbeitslehrkolonie und Beobachtungsanstalt â€șSteinmĂŒhleâ€č bei Obererlenbach/Frankfurt am Main erprobte er neue Unterbringungsformen. In zĂ€her Arbeit und gegen viele WiderstĂ€nde hat er die alten Vorurteile gegen die illegitimen Kinder und die daraus resultierende rechtliche Diskriminierung immer wieder angegriffen.

Bei der Errichtung der UniversitĂ€t Frankfurt 1914 wurde die 1911 geschaffene Dozentur fĂŒr soziale FĂŒrsorge in ein Extraordinariat umgewandelt. 1920 erhielt K. die Ernennung zum Ordinarius fĂŒr FĂŒrsorgewesen und SozialpĂ€dagogik; bis zu seiner Emeritierung 1934 hat er in der akademischen LehrtĂ€tigkeit seine Hauptaufgabe gesehen. Bahnbrechend wurde das 1918 von ihm vorgelegte BĂ€ndchen â€șFĂŒrsorgewesen, eine EinfĂŒhrung in das VerstĂ€ndnis der Armut und der Armenpflegeâ€č. K. schuf damit die wissenschaftlichen Grundlagen fĂŒr die heutige Sozialarbeit. Zugleich setzte er sich nachdrĂŒcklich fĂŒr eine reichsrechtliche Regelung der gesamten JugendfĂŒrsorge ein. Er war einer der engagiertesten VorkĂ€mpfer fĂŒr die Einrichtung von JugendĂ€mtern. An der Vorbereitung des Reichsjugendwohlfahrtsgesetzes von 1922 war er maßgebend beteiligt, insbesondere trat er fĂŒr eine akademische Ausbildung der Sozialarbeiter ein. Nach der nationalsozialistischen MachtĂŒbernahme, gegen die K. mit einem Aufruf zur Schließung der Frankfurter UniversitĂ€t nach der Vertreibung ihrer jĂŒdischen Hochschullehrer offen aufgetreten war, trat er nicht mehr hervor.«

Lerner, Franz, in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 144 f.

  • By (author) Christian Jasper Klumker
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