Revolution und Resignation.
Sozialphilosophie und die geschichtliche Krise im 20. Jahrhundert bei Max Horkheimer und Hans Freyer.
By (author) Michael Grimminger
Paperback (Published)
(February 1997)
ISBN: 9783428087785
6.18 x 9.17 inches
Price: $116.00
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Die vorliegende Arbeit will nachweisen, daß die auf der politischen Ebene berechtigte ideologische Zuordnung Horkheimers ins linke und Freyers ins rechte Lager nicht statthaft ist, wenn man sich deren aus einer Synthese von Marxismus und Existentialismus entwickelte erkenntnistheoretische Basis ansieht. Beide setzen sich zudem mit den Problemen der spätbürgerlichen Kultur auseinander, wie sie Max Weber im Problem der kognitiven Entfremdung und Karl Marx im Blick auf die lebensweltliche Entfremdung herausgearbeitet haben: Gemeint ist hier die Unterwerfung des modernen Menschen unter das Diktat der wissenschaftlich-industriellen Welt (lebensweltliche Entfremdung) und der Verlust einer kulturell deutbaren Welt (kognitive Entfremdung) nach dem Ende der Metaphysik.
Freyer und Horkheimer gehen das Problem der kognitiven Entfremdung an, indem sie den Widerstreit der Weltanschauungen im Rahmen einer kritischen »Sozialphilosophie« (Horkheimer) bzw. einer »Soziologie als Wirklichkeits- und Ethoswissenschaft« (Freyer) aufzuheben versuchen. Diese Sozialphilosophie wird wiederum von beiden als ein Mittel verstanden, ein revolutionäres Subjekt zu mobilisieren, das die lebensweltliche Entfremdung des Menschen in der Industriegesellschaft aufzuheben vermag. Dieses hegelmarxistisch inspirierte »Konzept der geschichtlichen Wahrheit« ist es, das in den Augen des Autors die Vergleichbarkeit von Horkheimer und Freyer vor allem begründet.
Freyers »wahres Wollen« war zwar grundsätzlich auf das gleiche Ziel gerichtet wie Horkheimers »wahres Interesse« – nämlich auf die Überwindung der Entfremdung im Namen der Emanzipation des Menschen. Der Autor weist nun allerdings nach, daß Freyer die objektive Notwendigkeit seiner »Revolution von rechts« ebensowenig erweisen konnte wie Horkheimer die der »proletarischen Revolution«. Sie sind als Folge ihrer Erkenntnistheorie selber in den Umkreis des kritisierten Relativismus und Dezisionismus geraten.
Die Erinnerung an das Spätwerk von Freyer und Horkheimer soll zeigen, daß Freyer und Horkheimer des Scheiterns ihres sozialphilosophischen Konzeptes geständig geworden sind. Beide geben ihre revolutionären Absichten preis und teilen von nun an mit dem einstigen Antipoden Max Weber die Sorge um den Verlust der bürgerlichen Errungenschaften. Die Untersuchung arbeitet heraus, wie die bereits in der Frühphase sich anbahnende Selbstaufhebung des Gegensatzes von Konservativismus und Progressismus in einer Lage, in der angesichts des heraufziehenden technologisch-industriellen Universums das humane Erbe der bürgerlichen Kultur im ganzen zur Disposition steht, seine Vollendung findet.
- By (author) Michael Grimminger
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