Im Anfang war das Wort … und die Evolution
Gedanken zur Sprachentwicklung aus neurologischer Sicht
by Jurg Kesselring
Paperback (Published)
(April 2010)
ISBN: 9783796526862
Price: $31.00
Out of stock
Im Anfang das Wort? Im Jubilaumsjahr fur Darwin wurde je nach Temperament entweder daruber geschimpft oder triumphiert, dass seine Lehre im Widerspruch stehe zu Aussagen in der Bibel. Wenn die eine Seite sagt: ‘Im Anfang war das Wort …’ und die andere nachweist, dass Leben sich so viel fruher entwickelt als der Mensch mit seiner Sprache auf die Welt kam, so konnte ja auch mit ‘Anfang’ nicht dasselbe gemeint sein. Gemass der Evolutionslehre unterliegt die Welt einem kontinuierlichen Veranderungsprozess, und alle Organismen stammen in zusammenhangenden Verzweigungen von gemeinsamen Vorfahren ab. Wurde das Gehirn durch eine Genmutation plotzlich sprachfahig, oder ist Sprache eine notwendige Voraussetzung dafur, dass sich bei den Vor- und Urmenschen eine im Tierreich unerreichte Kommunikationsfahigkeit entwickelte? Diese ermoglichte dann Gemeinschaftsbildungen mit den unerhorten Uberlebensvorteilen fur die Menschen. Lerntrieb und Schulung anderer sind an Sprache gebunden. Ein Kind durchlauft in seiner individuellen Entwicklung ahnliche Stufen wie die Gattung. Sprache dient ihm zur allmahlichen Abgrenzung von der materiellen und sozialen Welt. Es beginnt diese dann auszubilden, wenn es auf andere Gegenstande und Mitmenschen zeigen lernt und damit Andere in ein gemeinsames Anschauen einbindet. Dieses ist die Voraussetzung fur die einzigartige menschliche kooperative Kommunikation. Das ‘Wir-Gefuhl’ ermoglicht das Setzen von gemeinsamen Zielen und Planen, gegenseitiges Wissen, geteilte Glaubensinhalte. Gesten und pantomimische Zeichen im Mund- und Zungenbereich sind Vorlaufer gesprochener Sprache. Faust hat in seinem glucklichen Zustand nach dem Osterspaziergang den Logos im Anfang des Johannes-Evangeliums erneut zu ubersetzen versucht. Er kommt auf einer Stufenleiter vom Wort uber den Sinn zur Kraft und dann als Erleuchtung seines Inneren zur Tat. Zum ‘Anfang’ hat er sich nicht geaussert. Luther hat in einer wutenden Geste alle Worterbucher vom Tisch gefegt, weil sie das Geheimnis des Logos immer nur uber die Griechische Philosophie erklaren wollten. Er suchte nach etwas anderem, das dahinterstecken musste – vielleicht ware ‘Verheissung’ eine mogliche Ubersetzung?
- By (author) Jurg Kesselring
Other Titles in this Series
Empathie – individuell und kollektiv
Interdisziplinare Veranstaltungen der Aeneas-Silvius-Stiftung
Volume 51
Similar Books
Sitten zwischen Moralphilosophie und Politischer Okonomie am Ende des 18. Jahrhunderts
Mit einer zweisprachigen Edition von Ludwig Heinrich Jakobs Preisschrift Quelles sont les institutions les plus propres a fonder la morale d'un peuple
A Communication Ethic of Dialogic Reformation
Nicholas of Cusa on Care for Communities in Crisis
Volume 106
Ambiguum 10 of Maximus the Confessor in Modern Study
Papers collected on the Occasion of the Budapest Colloquium on Saint Maximus, 3-4 February 2021
Volume 97
Care in an Era of New Technologies and Artificial Intelligence
Relationships in a Connected World
Volume 14
Creation Concepts and Creation Care
Perspectives from Early Judaism, Early Christianity, and Beyond. Kontexte und Normen neutestamentlicher Ethik / Contexts and Norms of New Testament Ethics XVII
Discerning Religious Truth
A Didactic Exposition of the Logic and Epistemology of the Islamic Sciences
Volume 1
Embodied Meaning and Integration
Overcoming the Abstracted Grip on Meaning in Theory and Practice (Volume IV)
Evolutionary Theory and Education
The Influence of Evolutionary Thinking on Educational Theory and Philosophy
Volume 5
Journal of Byzantine Studies, Vol. 74/2024 / Jahrbuch der Osterreichischen Byzantinistik,Band 74/2024
Latin America Replies to Transhumanism
A Symposium on Sorgner’s We Have Always Been Cyborgs
Volume 1
Liberating the Repressed Self among Contemporary Chinese
A Theoretical Study Involving Tu Weiming and Jürgen Moltmann
Volume 41
Occasionalism Revisited
New Essays from the Islamic and Western Philosophical Traditions (2nd ed.)
Volume 2
