Gesellschaftliche Evolution und gegenwärtige Praxis
Die Geschichte - immer noch eine "Lehrmeisterin des Lebens"?
By (author) Rüdiger Landfester
Unter dem Titel Gesellschaftliche Evolution und gegenwärtige Praxis macht Rüdiger Landfester einen Vorschlag, wie der alten Überzeugung, von einem Studium der Geschichte lebenswichtige Belehrungen erwarten zu können, ein auch gegenwärtig immer noch bedenkens- und befolgenswerter Sinn gegeben werden könnte. Das Scheitern des realsozialistischen politischen Ordnungsexperiments in den Staaten des ehemaligen Ostblocks verstärkte verständlicherweise die Skepsis nicht nur gegenüber der von Karl Marx inspirierten, sondern auch gegenüber jeder anderen Bemühung um eine ebenso geschichtsphilosophisch begründete wie universalhistorisch erfahrungshaltige Deutung des Geschichtsverlaufs. Die Folge war ein weitgehender Abbruch der in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts bis dahin immer noch lebhaft geführten Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen eines solchen Projekts. Das befreite zweifellos noch einmal mehr von ideologischen Voreingenommenheiten, ließ nun aber auch umso mehr eine Grundorientierung vermissen, mit deren Hilfe die sprachlich wie sachlich sich immer mehr spezialisierende Einzelforschung überblickt und in praktisch gewinnbringender Absicht zur Kenntnis genommen werden konnte. Die hier vorgestellte Abhandlung möchte dazu anregen, die Suche danach entgegen dem herrschenden Trend wieder aufzunehmen und einen möglichen Weg dazu zur Diskussion zu stellen. Daneben und in engstem Zusammenhang damit ist es zum einen das besondere Anliegen des Verfassers, nach einer Phase der Überakzentuierung teils wirtschafts- und sozialgeschichtlicher und teils ideengeschichtlicher Erklärungsgründe für den Gang der Ereignisse dafür zu plädieren, dem Problem der politischen Ordnung im Prozeß der gesellschaftlichen Evolution wieder die ihm angemessene Beachtung zu schenken. Zum anderen geht es ihm darum behilflich zu sein, sich im gegenwärtig entbrannten „Kampf der Kulturen“ nicht nur der außergewöhnlichen Genese, sondern auch der praktisch wie moralisch überlegenen Instruktivität des europäischen Modernisierungspfades zu vergewissern und damit ein Gegenmittel gegen immobilisierende Selbstzweifel und die Versuchung zu verschaffen, sich durch multikulturelle Anbiederungsversuche oder gegenaufklärerische Regressionen zu entlasten. Wenn der europäische Weg dabei als einer des – noch unvollkommenen, aber doch schon unbezweifelbaren – politischen Freiheitsgewinns identifiziert wird, dann allerdings keinesfalls in dem bis zur Karikatur verkürzten Sinn, wie er von durchsichtig interessierten Vertretern liberaler oder neoliberaler Überzeugungen auch derzeit wieder nahegelegt zu werden pflegt.
- By (author) Rüdiger Landfester
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